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Tuberkulose wird von Mykobakterien hervorgerufen. Die Infektion manifestiert sich zumeist in der Lunge, prinzipiell können aber alle Gewebe betroffen sein.
 
Infektiologie 1. April 2014

Multiresistente TBC gibt Anlass zur Sorge

Die Infektion stellt international nach wie vor die häufigste zum Tode führende bakterielle Erkrankung dar.

Weltweit nimmt die Zahl der Tuberkulose (TBC)-Erkrankungen zwar seit einigen Jahren langsam ab, dennoch stellt die bakterielle Infektion vor allem in Osteuropa, aber auch in Afrika und Asien unverändert ein ernst zu nehmendes Problem dar.

„In Osteuropa registrieren wir mit großer Aufmerksamkeit die weitere Zunahme multiresistenter Tuberkulosefälle“, warnte Dr. Holger Flick, Leiter des ÖGP-Arbeitskreises „Infektiologie und Tuberkulose“, anlässlich des Welt-Tuberkulosetages am 24. März 2014 davor, die Gefahr zu unterschätzen. „Die Zunahme von Resistenzen erschwert die prinzipiell langwierige Therapie dieser Lungenerkrankung noch zusätzlich und gibt Anlass zu ernsthafter Sorge.“

Lebensbedrohliche bakterielle Infektion

Tuberkulose, früher auch Schwindsucht genannt, wird von sogenannten Mykobakterien (meist Mycobacterium tuberculosis) hervorgerufen. Diese wurden erstmals 1882 durch Robert Koch beschrieben, der dafür 1905 den Nobelpreis erhielt. Die Infektion manifestiert sich zumeist in der Lunge (Lungentuberkulose). Prinzipiell kann sich die TBC aber in allen Geweben und Organen manifestieren (Organtuberkulose). Verschiedene Faktoren wie der allgemeine Gesundheits- und Ernährungszustand, der Immunstatus, aber auch genetische Faktoren sind dafür verantwortlich, ob die Erkrankung ausbricht oder die körpereigene Immunabwehr einen Ausbruch unterdrücken kann. Betroffene klagen typischerweise über eine anhaltende Hustensymptomatik. Diese kann mit Gewichtsverlust, Fieber, Thoraxschmerzen und gelegentlich Bluthusten einhergehen. Die Ansteckung erfolgt zumeist über engen Kontakt mit Erkrankten, da die Bakterien mittels Tröpfcheninfektion (Aushusten, Niesen usw.) übertragen werden.

Während TBC noch im frühen 20. Jahrhundert als DIE endemische Erkrankung der städtischen Armen galt, wird sie in Mitteleuropa inzwischen als seltene Erkrankung eingestuft. Dennoch: Laut dem aktuellen WHO-Bericht erkrankten 2012 weltweit 8,6 Millionen Menschen an einer TBC und 1,3 Millionen verstarben an dieser prinzipiell heilbaren Erkrankung. Somit stellt diese Infektionskrankheit international nach wie vor die häufigste zum Tode führende bakterielle Erkrankung und somit ein großes Problem dar.

Situation in Österreich

Österreich zählt mit einer Inzidenzrate von unter zehn Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohnern zu den sogenannten Niedriginzidenzländern1. Im Jahr 2012 wurden in Österreich 648 Tuberkulosefälle registriert. Somit hält in Österreich der rückläufige Trend der allgemeinen TBC-Inzidenz an (2011: 8,19/100.000 Einwohner vs. 2012: 7,66/100.000 Einwohner). In den allermeisten Fällen (79 %) handelt es sich um eine Lungentuberkulose. „Bei Personen mit österreichischer Staatsangehörigkeit erkranken vor allem ältere Menschen über 45 Jahre und bei Migranten sind meist Kinder und junge Erwachsene unter 45 Jahre betroffen“, so Flick.

Die Zahl multiresistenter (MDR) und extrem arzneimittelresistenter (XDR) Tuberkulose-Fälle ist weiter angestiegen. Waren es 2011 noch 19 MDR-Fälle, davon sechs XDR, so sind es 2012 bereits 27 MDR-Fälle, davon zehn XDR. Somit nimmt der steigende Trend der MDR/XDR-Erkrankungen zu, was auf die allgemeine Zunahme der MDR-TBC in Osteuropa zurückzuführen ist. Die meisten MDR-Patienten hierzulande stammen aus der Russischen Föderation oder Rumänien.

TBC weiterhin ernst nehmen

Besonders brisant sind immer wieder auch in Österreich TBC-Ausbrüche. So kam es 2013 erneut zu Ausbrüchen an Wiener Schulen. Dementsprechend waren vor allem Kinder und Jugendliche betroffen. „Derartige Situationen können nur durch ein intaktes System der Tuberkulose-Erkennung und -Therapie und eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsbehörden und involvierten medizinischen Einrichtungen gemeistert werden. In diesem Sinne ist es sehr erfreulich, dass seit 2013 eine überarbeitete ‚Österreichische Leitlinie zur Tuberkulose-Umgebungsuntersuchung‘ in Kraft getreten ist“, betont Flick. Flick stimmt dem Fazit der AGES zu, dass trotz des rückläufigen Trends der Tuberkulose in Österreich diese, insbesondere durch das vermehrte Auftreten von multiresistenter Tuberkulose, nach wie vor eine erstzunehmende Herausforderung für die öffentliche Gesundheit darstelle.

Im klinischen Alltag wird die TBC zu oft nur anhand histologischer Befunde diagnostiziert, weil die Möglichkeit einer tuberkulösen Erkrankung häufig nicht rechtzeitig in Betracht gezogen wird und Kulturen primär nicht angelegt werden. Aktuell werden daher lediglich 63 Prozent aller Fälle durch einen kulturellen Mycobacterium-Nachweis bestätigt, die WHO fordert 80 Prozent. Angesichts der steigenden MDR/XDR-Rate sollte bei unklaren pulmonalen oder extrapulmonalen Erkrankungen weiterhin auch an die Möglichkeit einer TBC gedacht und entsprechende Kulturen zur frühzeitigen Erkennung einer multiresistenten TBC angelegt werden.

Die Rate erfolgreicher Behandlungen liegt mit 81 Prozent der pulmonalen TB-Fälle und 62,5 Prozent der MDR/XDR-Tuberkulosefälle unter den WHO-Forderungen von 85 bzw. 70 Prozent. Flick: „In diesem Sinne besteht in Österreich Verbesserungsbedarf bei der TBC-Diagnostik und -Therapie und die entsprechenden Strukturen müssen weiter optimiert werden.“

Referenz: 1 Österreichische Leitlinie zur Tuberkulose-Umgebungsuntersuchung; http://bmg.gv.at/home/Schwerpunkte/Krankheiten/Uebertragbare_Krankheiten/Oesterreichische_Leitlinie_zur_Tuberkulose_Umgebungsuntersuchung

Quelle: Pressekonferenz der ÖGP anlässlich des Welt-Tuberkulosetags am 24. März 2014

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