zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 21. März 2014

Leitlinie Antikoagulantien – Wissenschaft und Ökonomie

Die Initiative „Arznei und Vernunft“ präsentierte die neueste Leitlinie zum Thema „Antikoagulantien und Plättchenfunktionshemmer“.

Diese aktuelle Leitlinie basiert auf den neuesten wissenschaftlichen Kriterien unter Einbeziehung ökonomischer Gesichtspunkte. Sie soll niedergelassenen Ärzten eine fundierte Entscheidungshilfe bieten, ohne die therapeutische Freiheit einzuschränken.

„Es gibt kaum eine Arzneimittelgruppe, bei der es in jüngster Vergangenheit größere Umbrüche gab, die eine so breite Schicht von Patienten betraf“, so Prof. Dr. Ernst Singer, Vorsitzender der für die Erstellung der Leitlinien „Antikoagulantien“ verantwortlichen Expertengruppe. So sind zu den seit Jahrzehnten bekannten Pharmaka wie Heparinen und Vitamin K-Antagonisten die direkten Thrombin-Inhibitoren oder Hemmer des Faktors Xa als Alternativen hinzu gekommen. Für diese neuen oralen Antikoagulanzien (NOAKs) wurden in groß angelegten Studien Effektivität und Sicherheit in unterschiedlichen Indikationen geprüft. Ein großer Vorteil der NOAKs ist, dass laut Herstellerangaben keine laufenden Laborkontrollen des Gerinnungsstatus erforderlich sind.

Behandelnde Ärzte sind nun mit einer Reihe von Therapieoptionen konfrontiert. Singer: „Im Sinne der Patienten ist die sorgfältige Auswahl eines Antikoagulans in der für die Indikation richtige Dosierung von vorrangiger Bedeutung. Es sollte eine gründliche Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.“

Praktische Handlungsanleitung

Für die vorliegende Leitlinie hat eine Expertengruppe die Literatur zu den weitverbreiteten Indikationen für Antikoagulation gesichtet und systematisch Empfehlungen erarbeitet. In sieben Kapiteln wird die Anwendung bei Vorhofflimmern, Koronarer Herzkrankheit, Herzklappenerkrankung, periphere und cerebrale arterielle Verschlusskrankheit (PAVK, CAVK), ischämischer Schlaganfall und transiente ischämische Attacke (TIA), peri- und postoperative Prophylaxe sowie venöse Thrombosen, venöse Thromboembolien, pulmonale Embolien inklusive Schwangerschaft beschrieben. Zwei weitere Kapitel sind dem Monitoring respektive Selbstmanagement antithrombotischer Therapien sowie dem perioperativen Bridging und Management bei Überdosierung gewidmet. Eine Übersicht über Wirkstoffe, die im Erstattungskodex angeführt sind, ergänzt die Leitlinie.

In Anbetracht der Tatsache, dass die neuen Entwicklungen noch nicht abgeschlossen sind und der noch offenen Frage, ob die Daten aus klinischen Studien auch in ausreichendem Maße die Verhältnisse im klinischen Alltag widerspiegeln, haben sich die Herausgeber entschlossen, nach Ablauf eines Jahres die jetzt ausgesprochenen Empfehlungen zu überprüfen, zu ergänzen und gegebenenfalls anzupassen.

Die Leitlinie steht im Internet unter www.arzneiundvernunft.at kostenlos zum Download zur Verfügung. Neben der Leitlinie werden in Gesundheitseinrichtungen wie Arztpraxen und Apotheken zwei Patientenbroschüren aufliegen, die Information zur Einnahme von Vitamin K-Antagonisten sowie von NOAKS bieten.

Quelle: Pressegespräch zur Präsentation der Arznei & Vernunft Leitlinie „Antikoagulantien“, 5. März 2014, Wien

H. Leitner, Ärzte Woche 13/2014

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben