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© Lawinenwarndienst Tirol
Mair fiel als Jugendlicher in eine Gletscherspalte. Dass er nie von einer Lawine verschüttet wurde, „hat auch mit Glück zu tun“.
 
Intensiv- und Notfallmedizin 18. Jänner 2016

„Dieses Wumm-Geräusch, das einem durch Mark und Bein geht“

3 Fragen, 3 Antworten

Die Rettung eines Verschütteten ist ein Wettlauf gegen die Zeit, weiß der Tiroler Glaziologe und Leiter des Lawinenwarndienstes, Dr. Rudi Mair.

Wie stehen die Chancen einen Lawinenabgang zu überleben?

Mair:Als Verschütteter hat man wirklich schlechte Karten. Und alle, die ich kenne, denen das passiert ist und die das überlebt haben, die sagen, sie waren nur noch Passagier auf dieser Reise. Man hat keine Chance mehr aktiv einzugreifen. Wenn die Lawine dann zum Stehen kommt, hat ein komplett Verschütteter nicht einmal die Chance mit dem Ohr zu wackeln, so einzementiert ist man da.

Wie hört sich eine Lawine an?

Mair:90 Prozent der Lawinen, die Tourengeher oder Variantenfahrer verschütten, sind Schneebrett-Lawinen. Eine ganze Schneetafel, ein ganzes Schneepaket gleitet auf dem Untergrund ab. Es gibt zwei verschiedene Arten, weiche und harte Schneebretter. Harte Schneebretter sind verbunden mit dem typischen, dumpfen Wumm-Geräusch. Das passiert wenn eine schwache Schicht kollabiert, Tonnen von Schnee nach unten sacken und die Luft in diesem Hohlraum rausgepresst wird. Das macht dieses berühmte Wumm-Geräusch, das einem durch Mark und Bein geht, wenn man das einmal gehört hat. Es gibt auch weiche Schneebrett-Lawinen, bei denen der ganze Hang in Bewegung ist und die Menschen dort mitreißt, und man hört überhaupt nichts.

Bislang war der Winter schneearm, ist das gleichbedeutend mit weniger Lawinengefahr?

Mair: Überhaupt nicht. Die schneearmen Winter sind sogar die etwas gefährlicheren, weil bei weniger Schnee er Temperaturgradient höher ist und mehr Umwandlungsprozesse in der Schneedecke stattfinden. Es gibt viel mehr kantige, bindungslose Schneekristalle. Das Fundament der Schneedecke, sprich: der Schneedeckenaufbau, ist schlechter als bei schneereicheren Wintern. Das bedeutet eine kritische Lawinensituation in nächster Zeit.

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