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Mehr als die Hälfte aller Erwachsenen mit Schuppenflechte sind übergewichtig.
 
Dermatologie 10. Jänner 2014

Psoriasis: Wenn die Kilos purzeln, weichen auch die Plaques

Schon geringe Erfolge beim Abnehmen ziehen erhebliche Stoffwechselveränderungen nach sich.

Übergewichtige Patienten mit Schuppenflechte sollten auf Kalorien achten und sich regelmäßig bewegen, fordern italienische Forscher. Schon moderate Erfolge beim Abnehmen führten in ihrer Studie zu einer Reduktion der Psoriasis-Plaques um die Hälfte.

Übergewicht ist ein wichtiger Risikofaktor für die Entwicklung einer Schuppenflechte; dieser Zusammenhang ist gut belegt. Dass umgekehrt Maßnahmen zur Gewichtsreduktion die Psoriasis zurückdrängen können, hat jetzt ein italienisches Team nachgewiesen. Wie die Kollegen um Luigi Naldi vom dermatologischen Forschungszentrum GISED in Bergamo berichten, resultierte eine 20-wöchige Intervention mit Training und Ernährungsberatung in einem durchschnittlich 48-prozentigen Rückgang im PASI-Score (Psoriasis Area and Severity Index). Im PASI werden Ausdehnung und Schwere der Schuppenflechte auf einer Skala von 0 bis 72 erfasst (der Wert steigt mit der Schwere der Erkrankung). Alle 300 Teilnehmer der Studie hatten einen PASI-Wert von mindestens 10, was einer mäßigen bis schweren Krankheitsaktivität entspricht, und waren übergewichtig. Eine mindestens vierwöchige systemische Psoriasis-Therapie war erfolglos geblieben. Das Alter der Patienten lag im Durchschnitt bei 53, der BMI bei 30,8.

Diät und Training

Das Programm, das die Forscher den Studienteilnehmern nun auferlegten, beinhaltete Folgendes: Die Patienten erhielten zunächst eine 20-minütige Einführung von einem Ernährungsberater; danach wurden ein persönlich zugeschnittener Ernährungsplan sowie Instruktionen zu regelmäßigem körperlichem Training ausgehändigt. Nach dem Diätplan waren drei Mahlzeiten täglich plus maximal zwei Snacks erlaubt. Die Energieaufnahme sollte in den ersten drei Monaten nicht mehr als 80 Prozent des metabolischen Ruheumsatzes (Resting Metabolic Rate, RMR) betragen, danach wurde auf 100 Prozent gesteigert. Die Nährstoffe waren folgendermaßen verteilt: 55 Prozent Kohlenhydrate, 30 Prozent Fett und 15 Prozent Proteine. Trainiert wurde mindestens dreimal die Woche à 40 Minuten. Als Ziel der Intervention galt eine Gewichtsreduktion um mindestens fünf Prozent.

Effekt schon bei leichter Gewichtsreduktion

Dieses Ziel erreichten immerhin knapp 30 Prozent der intensiv betreuten Patienten. Dagegen schnitt eine Gruppe von Psoriasispatienten, die lediglich grundlegende Informationen zum Nutzen des Abnehmens erhalten hatten, deutlich schlechter ab, und zwar nicht nur bei der Gewichtsreduktion (nur 14,5 % nahmen mehr als 5 % ab), sondern auch im PASI-Score (25 % Reduktion gegenüber 48 %). Der BMI war in der aktiven Gruppe im Schnitt um drei Prozent gesunken, in der Vergleichsgruppe um 1,9 Prozent; dieses, wie auch die anderen genannten Ergebnisse, waren signifikant. Überraschenderweise zeigte die Intervention bei Männern mehr Erfolg als bei Frauen.

Bei Adipositas wird im Fettgewebe eine Vielzahl proinflammatorischer Zytokine produziert, erläutern Naldi und Kollegen. Ähnliche Vorgänge wurden auch bei der Psoriasis beobachtet. Und wie beim Übergewicht ist auch bei der Psoriasis das kardiovaskuläre Risiko erhöht. Dieses sinkt, wenn die Patienten abnehmen.

Die Gewichtsreduktion in der italienischen Studie war relativ moderat; trotzdem trat der Effekt auf die Psoriasis klar in Erscheinung, und das nach erfolgloser Vorbehandlung. Für Naldi und sein Team ist das ein Beleg dafür, dass schon geringe Erfolge beim Abnehmen erhebliche Stoffwechselveränderungen nach sich ziehen. Die Gewichtsreduktion, so die Forscher, sollte als Teil eines multimodalen Behandlungskonzepts bei übergewichtigen Psoriatikern zum Einsatz kommen. Inwieweit sich dies langfristig auf die Hautkrankheit auswirkt, müssen weitere Studien zeigen.

 

Originalpublikation: Naldi L et al. Diet and Physical Exercise in Psoriasis. A Randomized Trial. Br J Dermatol 2013; online 14. November 2013; doi: 10.1111/bjd.12735

springermedizin.de/KK, Ärzte Woche 1/3/2014

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