zur Navigation zum Inhalt
 
Onkologie 27. Juni 2016

Atypische Drüsenzellen zeigen Risiko für Zervix-Karzinom an

Schwedische Forscher fordern ein aggressiveres Management bei Frauen, deren Zervix-Zytologie solche Gewebeveränderungen aufweist.

Anders als bei Frauen mit einer HSIL-Zytologie, erfolgt aber bei AGC-Befund nur bei der Hälfte der Frauen eine histologische Aufarbeitung.

Atypische Drüsenzellen in der zervikalen Zytologie repräsentieren eine ganze Reihe verschiedener Gewebeveränderungen, die von einer reaktiven Veränderung der zervikalen Zellen bis hin zum invasiven Karzinom reichen können. Anders als bei veränderten Plattenepithelzellen ist bei atypischen Drüsenzellen in der Zytologie bisher unklar, wie hoch das Krebsrisiko einzuschätzen ist. Laut J. Wang vom Karolinska-Institut in Stockholm und seinen Kollegen ist es keinesfalls zu unterschätzen. Die Mediziner haben in einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie den Zusammenhang zwischen atypischen glandulären Zellen und Zervixkarzinomrisiko überprüft (BMJ 2016;352:i276).

Dazu nutzten sie die im Swedish National Cervical Screening-Register gesammelten Daten. In dieses Register gehen seit 1969 alle zytologischen und histologischen Ergebnisse der im Rahmen des Zervixkarzinom-Screenings untersuchten Schwedinnen ein.

In der Auswertung berücksichtigt haben Wang et al.schließlich alle in Schweden lebenden 23- bis 59-jährigen Frauen, die zwischen 1. Jänner 1980 und 1. Juli 2011 zytologisch getestet wurden. In Schweden werden Frauen zwischen 23 und 50 Jahren alle drei Jahre zur zytologischen Abstrichentnahme eingeladen, Frauen zwischen 51 und 60 Jahren im Fünf-Jahres-Turnus. Die Klassifikation der Zytologie erfolgt anhand der Bethesda-Nomenklatur, allerdings ohne Subkategorisierung. Von der Studie ausgeschlossen waren Frauen, deren Zytologie außer atypischen Drüsenzellen auch atypische Plattenepithelzellen oder atypische Zellen anderen Ursprungs zeigten, sowie Frauen, deren Befund mit „Adenokarzinom“ oder „Adenokarzinom in situ“ beschrieben worden war. Von den insgesamt 3.024.340 Frauen der Studie hatten 14.625 atypische Drüsenzellen (AGC) als erste auffällige Zytologie, 65.633 eine höhergradige squamöse intraepitheliale Läsion (HSIL), 65.633 eine geringgradige squamöse intraepitheliale Läsion (LSIL). Das mediane Follow-up war in allen Gruppen ähnlich lang und betrug etwa zehn Jahre (9,9 bis 11,1). Bei 330 Frauen mit AGC-Zytologie wurde ein Zervixkarzinom diagnostiziert, damit lag die Krebsprävalenz mit 1,4 Prozent niedriger als bei HSIL (2,5 Prozent), aber höher als bei LSIL (0,2 Prozent). Bei den meisten Fällen (73,2 Prozent) handelte es sich in der AGC-Gruppe um ein Adenokarzinom. Mit einem AGC-Befund stieg im Vergleich zur unauffälligen Zytologie auch das Risiko signifikant, künftig an einem Zervixkarzinom zu erkranken, für die nächsten 15 Jahre. Bis zu 6,5 Jahre lang war es sogar höher als nach HSIL- und LSIL-Zytologie. Die höchste Prävalenz und Inzidenz fand sich bei Frauen, die im Alter zwischen 30 und 39 Jahren zum ersten Mal einen AGC-Befund erhalten hatten. Anders als bei Frauen mit einer HSIL-Zytologie, von denen 86 Prozent im Anschluss histologisch untersucht wurden, erfolgte bei AGC-Befund nur bei der Hälfte (54 Prozent) der Frauen eine histologische Aufarbeitung. Der HPV-Test könnte helfen, das Krebsrisiko im Einzelfall besser abzuschätzen, so die Forscher.

Originalpublikation: Wang J et al. Risk of invasive cervical cancer after atypical glandular cells in cervical screening: nationwide cohort study. BMJ2016;352doi:http://dx.doi.org/10.1136/bmj.i276

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben