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Onkologie 19. April 2016

Pralle Sonne

Überraschendes Studien-Ergebnis.

Ausgiebiges Sonnenbaden erhöht zwar das Hautkrebsrisiko, ist aber – möglicherweise wegen anderer, gesundheitsfördernder Wirkungen – mit einer höheren Lebenserwartung verbunden.

Es ist paradox und noch immer ungeklärt: Wer sich oft und ausgiebig sonnt, hat einerseits eine höhere Lebenserwartung als jene, die die Sonne meiden. Andererseits erhöht häufige und starke Sonnenbestrahlung die Wahrscheinlichkeit, an einem tödlichen Melanom zu erkranken.

Eine schwedische Langzeitstudie hat ergeben, dass die Sterberate von Frauen, die sich nicht gerne der Sonne aussetzen, deshalb höher ist, weil sie häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen Krankheiten – außer Krebs – sterben. Extreme Sonnenanbeterinnen leben im Schnitt länger, haben aber ein erhöhtes Krebsrisiko. Erst wenn Nutzen und Risken des Sonnenbadens genauer abgewogen werden können, seien konkrete Empfehlungen zu Häufigkeit und Dauer möglich, schreiben die Forscher im Journal of Internal Medicine.

„Für die Raucherinnen aus der Gruppe derjenigen, die sich am stärksten der Sonne ausgesetzt hatten, ergab sich ein ähnlich hohes Sterberisiko wie für die Nichtraucherinnen, die die Sonne gemieden haben“, sagt Pelle Lindqvist vom Karolinska Institut in Stockholm. „Demnach wäre die Vermeidung von Sonnenbestrahlung ein ähnlich gewichtiger Risikofaktor wie das Rauchen.“ Lindqvist und Kollegen werteten Daten von 29.518 schwedischen Frauen aus, die zu Beginn der Studie zwischen 25 und 64 Jahre alt waren. Über einen Zeitraum von 20 Jahren dokumentierten die Mediziner sämtliche Sterbefälle. Dabei teilten sie die Todesursachen in drei Kategorien ein: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und andere Ursachen. Um das Ausmaß der Sonnenexposition in jedem einzelnen Fall beurteilen zu können, beantworteten alle Teilnehmerinnen die Frage: Wie oft nehmen Sie auch im Winter Sonnenbäder, zum Beispiel beim Urlaub in den Begen? Wie häufig nutzen Sie ein Solarium? Wie oft im Jahr verreisen Sie zum Schwimmen und Sonnenbaden? Zusätzlich gaben die Frauen Auskunft über den Tabakkonsum.

Wie die Ergebnisse zeigten, beruhte die längere Lebenserwartung der Sonnenanbeterinnen auf einem geringeren Risiko, an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall oder anderen Krankheiten – außer Krebs – zu sterben. Erstaunlicherweise erwies sich das Rauchen als ähnlich starker Risikofaktor wie die extreme Sonnenflucht. So hatten 60-jährige Raucherinnen, die häufig sonnenbadeten, eine um zwei Jahre längere Lebenserwartung als gleichalterige Raucherinnen, die die Sonne mieden. Die Forscher vermuten, dass sich die durch starke Sonnenbestrahlung der Haut verstärkte Produktion von Vitamin D positiv auswirkt. Es gäbe Hinweise darauf, dass häufiges Sonnenbaden das Immunsystem stärkt und die Gesundheit von Herz und Gefäßen verbessert.

wissenschaft-aktuell.de, Ärzte Woche 16/2016

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