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Dr. Ronny TekalMedizin-Kabarettist
 
Leben 17. März 2017

La La Krankenhaus

Die Rolle der Musik in den Spitälern sollte keinesfalls unterschätzt werden.

Der Hype um den oscarprämierten Musicalstreifen „La La Land“ ermutigt Filmemacher und Produzenten, auf der Welle des Erfolges zu surfen und Filme zu drehen, in denen auch gesungen und getanzt werden darf.

Was früher ganz normal war und jeder öffentlich-rechtliche TV-Sender, der etwas auf sich hielt, selbstverständlich auch über ein Fernseh-Ballett verfügte, ist heute etwas in Vergessenheit geraten. Nun hat diese nette Tradition eine Renaissance erlebt. Auch in zeitgenössischen Blockbustern darf man die Frage „Wie geht’s“ mit einer kleinen Arie beantworten.

Immer, wenn wir einen Trend beobachten, gilt es zu überlegen, wie wir denn diesen Trend auch zum Zwecke der Volksgesundheit einsetzen können.

Auch im Operationssaal ist Musik aus dem Lautsprecher nichts Ungewöhnliches. Auch wenn das die Patienten nicht so mitbekommen, die auch kindlich-unschuldig vermuten, dass sich die Gespräche zwischen den Ärzten ausschließlich um die medizinischen Belange drehen. Das British Medical Journal (BMJ) hat vor einigen Jahren in einer launigen Weihnachtsausgabe über die Sinnhaftigkeit einer Beschallung während eines operativen Eingriffes berichtet. Tatsächlich hilft es dabei, die Operateure zu entspannen. Die Wahl der während des Eingriffes gespielten Playlist wird meist basisdemokratisch vom Chirurgen getroffen. Was dazu führt, dass – laut British Medical Journal – die Anästhesisten diejenigen sind, die die Beschallung am ehesten stört.

Generell kann man über die Musik erkennen, wer hier das Sagen hat. Und wenn die Operationsschwester den ganzen lieben langen Tag Wagners Ring in voller Lautstärke durch den Saal klingen lässt, ist auch klar, wer hier zu Hause und wer bloß Gast ist.

Im restlichen Krankenhaus ist Musik eher verpönt. Wird man in Supermärkten und Cafes dauerhaft berieselt, bekommt man nicht einmal eine Fahrstuhlmusik zu hören, wenn man mit dem Bett zur Röntgenabteilung geschoben wird.

Dabei ist Musik nachweislich gesundheitsfördernd und so ein kleines Liedchen auf den Lippen eines Orthopäden („The first cut ist the deepest“) oder eines Gastroenterologen („Im Patient bin i gern!“) kann nicht schaden.

Welche Art von Musik im Endeffekt in einem Krankenhaus ertönen darf, sollte jedoch auf keinen Fall dem Zufall überlassen werden, sondern, wie alles andere auch, den neuesten Guidelines entsprechen. Es gäbe chaotische Zustände, würde jeder den Song anstimmen, der ihm gerade in den Sinn kommt. Das muss reguliert und die Einhaltung dieser Qualitätsstandards auch überprüft werden, nach dem Motto: „Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing“.

So bekommt auch eine der letzten Bastionen an Improvisation und Leidenschaft, die im Krankenhaus zu finden ist, endlich einen Platz im Kanon des State oft the art.

Dr. Ronny Tekal ist Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at

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