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Dr. Ronny TekalMedizin-Kabarettist
 
Leben 7. Februar 2017

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NebenWirkungen

Die beliebtesten Passwörter sind nicht immer auch die sichersten.

Sicherheit sollte an oberster Stelle stehen, wenn es um die heiklen Daten unserer Patienten geht. So verschließen wir brav die Ordinationscomputer mit dem Zentralschlüssel, um ihn danach unter die Türmatte zu legen. Bildlich gesprochen. Denn die gewählten Passwörter sind für einen Hacker im ersten Semester einfacher zu knacken, als eine Matte vor einer Haustüre aufzuheben.

Dazu müsste der Hacker zudem ins Freie, was ihm so gar nicht zusagt. Natürlich gibt es auch unter den Ärzten Passwort-Profis, die den zu schützenden Datenbereich mit zum Bespiel „A2ks//%b_r_rt15JaKuloß?“ absichern. Das sind aber nicht unbedingt die einfachsten Zeitgenossen.

Ein Potsdamer Softwareinstitut hat über 30 Millionen Nutzerkonten aus Deutschland und Österreich auf ihre Sicherheitsaspekte hin analysiert. Da sich viele User scheinbar weder ihr Geburtsdatum, geschweige denn das ihrer Familienangehörigen merken, ist die Zahlenkombination 123456 am beliebtesten. Muss das Passwort aus Buchstaben bestehen, so wird sinnigerweise das Passwort „passwort“ gewählt. Auch „hallo“ ist durchaus üblich, zumal man damit eine persönliche Beziehung mit dem Rechner aufzubauen versucht. Dass „hallo“ nicht sonderlich schwer zu knacken ist, versteht sich von selbst, sodass ausgebuffte Sicherheitsfanaten hier eher zum „hallo1“ greifen. Das muss mal einer knacken!

Wer es den bösen Buben und Mädchen im kriminellen Netz nicht allzu einfach machen möchte, wählt ein individuelles Passwort. Aber nicht etwa „Andreas“, so man auch „Andreas“ heißt. Damit unterschätzt man möglicherweise die intellektuellen Fähigkeiten der Nerds auf der dunklen Seite des World Wide Webs.

Sicherheitshalber kann man alternativ den Vornahmen des Lebenspartners eingeben. So der nicht auch Andreas heißt.

Einige bemerkenswerte Gustostückchen an Passwörtern konnten bei der Studie ebenfalls gefunden werden: So ist die anfangs sinnbefreit wirkende Buchstabenfolge „qwertz“ am zweiten Blick nur die Folge des Darüberstreichens über die Tastatur.

In den Top 10 der beliebtesten Verschlüsselungswörter finden sich übrigens auch „ficken“ und „arschloch“. Psychohygienisch mag es durchaus gesund sein, sich gleich beim Einloggen auf eine Behördenseite Erleichterung zu verschaffen. Auch wenn manche Mediziner stattdessen „futuere“ und „foramen_podicis“ eingeben – es macht euch keinen Deut anständiger!

Sicherheit ist also im Internet heute genauso gefragt wie beim Sex, will man sich keine Viren und Trojaner einfangen oder seine Seite von einem Hijacker manipulieren lassen.

Die Folgen einer leichtfertigen Passwortwahl können verheerend sein. Bekanntestes Beispiel ist sicherlich der Twitteraccount des US-Präsidenten, der mit seinem Amtsantritt von Comedians gehackt wurde. Oder wie lässt sich das alles sonst erklären.

Sicherheit ist im Internet genauso gefragt wie beim Sex.

 

Hinweis

Dr. Ronny Tekal ist Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at

Dr. Ronny Tekal, Medizin-Kabarettist
, Ärzte Woche 6/2017

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