zur Navigation zum Inhalt
© Bildagentur-online/picture alliance
Eine Geburt ist nicht nur für Neugeborene fordernd.
 

Der Kreißsaal ist kein Ponyhof

Geburten sind ein riskantes Unternehmen, nicht nur für Mutter und Kind, sondern auch für die betreuenden Ärzte und Hebammen. Nicht wenige brechen unter der Belastung zusammen, wie die Ergebnisse einer schwedischen Querschnittsstudie verdeutlichen.

Sterbende oder schwer geschädigte Neugeborene, tote oder schwer verletzte Mütter – in einer Befragung von gut 700 ärztlichen Geburtshelfern und knapp 1.400 Hebammen antworteten 84 Prozent der Ärzte und 71 Prozent der Hebammen, so etwas schon mindestens einmal mitgemacht zu haben. 43 Prozent von ihnen berichteten, während der Ereignisse von Furcht, Hilflosigkeit oder Panik ergriffen worden zu sein. Oft sahen sie sich in ihrem beruflichen Rollenverständnis bedroht (25 % der Ärzte, 17 % der Hebammen). Noch häufiger wurden sie nach dem Trauma von Schuldgefühlen geplagt (47 % bzw. 28 %).

In beiden Berufsgruppen betrug der Anteil von Personen, die Symptome einer partiellen posttraumatischen Belastungsstörung (Post-Traumatic Stress-Disorder, PTSD) zeigten, 15 Prozent. Und 7 Prozent der Ärzte sowie 5 Prozent der Hebammen erfüllten die Symptomkriterien einer voll ausgeprägten PTSD.

PTSD-Symptome hatten Konsequenzen für die Arbeit der Betroffenen. Häufig gaben sie die Arbeit im Kreißsaal auf (17 % der Hebammen). 13 Prozent der Ärzte und 11 % der Hebammen wechselten in eine ambulante Tätigkeit. Traumatisierte Hebammen wurden öfter krankgeschrieben als ihre nicht belasteten Kolleginnen (7 % vs. 1 %).

Der Originalartikel „Viele Geburtshelfer leiden unter posttraumatischem Stress“ ist erschienen in „MMW – Fortschritte der Medizin“ (2016)/158, DOI: 10.1007/s15006-016-8751-6

Robert Bublak

, Ärzte Woche 42/2016

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben