zur Navigation zum Inhalt
© st-fotograf / fotolia.com
Die Hormonumstellung zur Pubertät könnte den Effekt des Magnesiummangels auslösen.
 
Innere Medizin 20. November 2015

Auch Kindern droht Hypertonie bei Magnesiummangel

Bei Jüngeren scheint der Effekt der Hypomagnesiämie stärker ausgeprägt zu sein als bei Älteren.

Niedrige Magnesiumspiegel im Serum sind auch bei Kindern – unabhängig von entsprechenden Risikofaktoren – eng mit einer Hypertonie und Prähypertonie assoziiert. Dies lässt eine aktuelle Querschnittstudie mit fast 4.000 ansonsten gesunden Kindern im Alter zwischen 6 und 15 Jahren vermuten.

Magnesium wird bei mehr als 300 enzymatischen Reaktionen als Kofaktor benötigt. Niedrige Spiegel sind im Zusammenhang mit vielen chronischen Erkrankungen wie Morbus Alzheimer, Typ-2-Diabetes und eben auch Bluthochdruck dokumentiert worden. Ob das auch in frühen Lebensabschnitten der Fall ist, wollten mexikanische Ärzte um Dr. Fernando Guerrero-Romero unter anderem von der Research Group on Diabetes and Chronic Illnesses in Durango überprüfen. Für ihre Querschnittstudie untersuchten die Ärzte 3.954 gesunde mexikanische Kinder. Ausschlusskriterien waren Typ-2-Diabetes, endokrine Störungen sowie Leber- und Nierenerkrankungen, abnorme Nüchternglukose, chronische Diarrhö sowie Vitamin- oder Magnesium-Supplementationen innerhalb der letzten sechs Monate.

Als Magnesiummangel definierten die Ärzte fotometrisch ermittelte Werte unter 1,8 mg/dl. Bei Erwachsenen liegt der Referenzwert zwischen 1,8 und 2,5 mg/dl, bei Kindern im Alter zwischen 7 und 12 Jahren zwischen 1,6 und 2,2 mg/dl. Blutproben wurden morgens nach einer Nüchternphase von acht bis zehn Stunden genommen. Per Definition lag der systolische und/oder diastolische Blutdruck bei einer Prähypertonie zwischen der 90. und 95. Perzentile, bei einer Hypertonie über der 95. Perzentile. Gemessen wurde mit einem Oberarmgerät und Stethoskop, und zwar nach mindestens fünf Minuten Ruhe dreimal im Abstand von zwei Minuten. Als übergewichtig galten Kinder, deren BMI zwischen der 85. und 95. Perzentile, als adipös, wenn er über der 95. Perzentile lag. Die Kinder wurden in zwei Altersgruppen eingeteilt: zwischen 6 und 10 sowie zwischen 11 und 15 Jahren.

Signifikante Ergebnisse

Der Anteil der Kinder in der jüngeren Altersgruppe mit einer Prähypertonie lag den Auswertungen zufolge bei 12,2 Prozent, mit einer Hypertonie bei 6,4 Prozent. Bei den älteren Kindern lagen die Quoten mit 13,9 Prozent bzw. 10,6 Prozent etwas höher. Die Messungen der Magnesiumwerte im Serum ergaben, dass 27,3 Prozent der kleineren Kinder mit Prähypertonie einen Magnesiummangel hatten und 45,6 Prozent der Kinder mit Hypertonie. In der Gruppe der älteren Kinder lagen die entsprechenden Anteile bei 36,0 Prozent bzw. 49,6 Prozent.

Die Risikoberechnung, für die unter anderem das Alter, das Geschlecht, BMI und Cholesterinwerte herausgerechnet wurden, offenbarte schließlich in beiden Altersgruppen eine signifikante Assoziation zwischen Hypomagnesiämie und erhöhtem Blutdruck. Die Wahrscheinlichkeit für eine Hypertonie bei zu niedrigen Magnesiumspiegeln war demnach bei den kleineren Kindern fast fünffach erhöht (Odds Ratio [OR]: 4,89; 95 %-Konfidenzintervall zwischen 3,2 und 7,4; p < 0,0005), in der Gruppe mit den älteren Kindern knapp zweifach (OR: 1,83; 95%-Konfidenzintervall zwischen 1,4 und 2,4; p = 0,0002). Das Risiko für eine Prähypertonie war in beiden Gruppen weniger stark, aber dennoch signifikant erhöht (OR: 2,8 bzw. 1,38).

Dass der Effekt des Magnesiummangels bei den jüngeren Kindern deutlicher ausgeprägt ist, führen Guerrero-Romero und seine Kollegen auf die beginnende Hormonumstellung und die zunehmende Insulinresistenz im Übergang zur Pubertät zurück. Allerdings haben die Ärzte die entsprechenden hormonellen Parameter in ihrer Studie nicht untersucht. Dies gilt auch für den Risikofaktor Aldosteron sowie die Natrium-und Kaliumspiegel.

 

Originalpublikation: GuerreroRomero, F et al. The Journal of Pediatrics 2015; online 17. Oktober

DOI: 10.1016/j.jpeds.2015.09.050

springermedizin.de, Ärzte Woche 47/2015

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben