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© Henry Czauderna / Fotolia.com
Daten einer Pilotstudie sprechen für eine Infusion mit dreiprozentiger Salzlösung als Akuttherapie bei Kindern und Jugendlichen mit Gehirnerschütterung.
 
Neurologie 28. April 2014

Gehirnerschütterung bei Kindern

In der Akuttherapie hilft hypertone Salzlösung deutlich besser als eine isotone.

Bei Kindern mit einer milden traumatischen Gehirnverletzung hilft offenbar eine Infusion mit dreiprozentiger Salzlösung gegen die Kopfschmerzen. Das haben US-Forscher festgestellt.

Eine hypertone Salzlösung lindert bei Kindern und Jugendlichen akute Kopfschmerzen nach einer Gehirnerschütterung deutlich effektiver als eine isotonische Salzlösung. Das hat eine Pilotstudie in den USA mit 44 Sieben- bis 16-Jährigen ergeben (Pediatr Emerg Care 2014; 30: 139 ). Alle waren wegen einer mittleren bis schweren Gehirnerschütterung nach Kopftrauma in die Notaufnahme des Rady Children’s Hospital in San Diego gekommen. Bei allen konnte per Computertomografie (CT) des Kopfes eine intrakranielle Verletzung ausgeschlossen werden.

Nachdem man bei den Kindern den Schmerz-Score auf der Gesichter-Skala nach Wong-Baker ermittelt hatte, wurde die Gruppe zweigeteilt: 23 Patienten erhielten eine Infusion mit einer dreiprozentigen Salzlösung in einer Dosierung von 10 ml/kg über 60 Minuten. Die anderen 21 Kinder bildeten die Kontrollgruppe; sie bekam nach der Schmerzbewertung isotonische Salzlösung infundiert (0,9 Prozent Salzgehalt).

Signifikanter Unterschied nach zweiter Schmerzmessung

Die hypertone Salzlösung (HTS) hatte auf die Kopfschmerzen einen deutlich stärkeren Effekt als die normale Lösung (NS), berichten die Wissenschaftler um Angela Lumba-Brown von der University of California in San Diego. Bei einer zweiten Schmerzmessung mit der Gesichter-Skala unmittelbar nach der Infusion war der Wert bei den HTSPatienten um durchschnittlich 3,52 Punkte gesunken, in der NS-Gruppe dagegen nur um 1,14 Punkte – ein signifikanter Unterschied.

Die Wong-Baker-Skala wurde speziell zur Erfassung von Schmerzen in der pädiatrischen Notfallsituation entwickelt. Sie besteht aus sechs Gesichtern, die eine zunehmende Schmerzempfindung ausdrücken (in Zwei-Punkte-Schritten von 0 = „kein Schmerz“ bis 10 = „schlimmster Schmerz“).

Bei einer dritten Messung nach zwei bis drei Tagen verlor sich der Unterschied zwischen den Gruppen: Zu diesem Zeitpunkt wurde nur noch eine Differenz von minus 0,46 gemessen; dieser Unterschied war nicht mehr signifikant. Dabei ist nach Angaben der Forscher unklar, ob beide Salzlösungen ähnliche Effekte auf die Genesung hatten oder ob die Besserung dem natürlichen Krankheitsverlauf entsprach.

Wirkung über Osmoseeffekte erklärbar

Die hypertone Lösung wirkt wohl in erster Linie über Osmoseeffekte: Dadurch werde der erhöhte intrakranielle Druck gesenkt, erklären Lumba-Brown und Kollegen. Gleichzeitig diene die HTS aber auch als effektiver Plasmaexpander. Studien hätten zudem gezeigt, dass die Salzlösung die Immunantwort verbessert und die entzündliche Wirkung neutrophiler Granulozyten abschwächt. Weitere Studien müssen nun zeigen, ob sich der Effekt bei einer größeren Patientenzahl auch bestätigt. Die kleine Pilotstudie spreche jedenfalls für den Nutzen einer Akuttherapie mit dreiprozentiger HTS bei ansonsten gesunden Kindern mit Symptomen einer Gehirnerschütterung, so das Resümee der Autoren.

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