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Gibt es eine pränatale Grundlage für die Entwicklung einer Diabeteserkrankung?
 
Diabetologie 18. Februar 2014

Vorgeburtliche Wurzeln des Diabetes?

Insulinresistenz: Frühchen haben zu viel Insulin im Blut.

US-Forscher haben in einer prospektiven Studie weitere Hinweise für den Zusammenhang zwischen Frühgeburt und Insulinresistenz bei Kindern, Heranwachsenden und jungen Erwachsenen entdeckt. Möglicherweise werden die Grundlagen für Typ-2-Diabetes bereits in utero gelegt.

US-amerikanische Wissenschaftler haben weitere Hinweise für einen Zusammenhang zwischen Frühgeburt und Insulinresistenz herausgearbeitet. In ihrer Studie mit 1.358 Kindern der Boston Birth Cohort überprüften Pädiater und Gesundheitsforscher um Dr. Guoying Wang von der Johns Hopkins-Universität in Baltimore die Hypothese, dass Frühgeburten mit einem erhöhten Insulinspiegel - als indirekter Beleg für Insulinresistenz - bei der Geburt assoziiert sind. Außerdem schauten sie, ob die erhöhten Insulinspiegel auch noch bis zum Alter zwischen sechs und sieben Jahren nachweisbar sind.

Die Kinder in der Studie, die alle ein erhöhtes Frühgeburtsrisiko hatten, teilten die Ärzte je nach Gestationsalter in vier Gruppen ein, und zwar mit der Geburt frühestens in der 39. Schwangerschaftswoche (SSW), zwischen der 37. und 38. SSW, zwischen der 34. und 35. SSW sowie mit der Geburt noch vor der 34. SSW.

Die Ärzte bestimmten bei jedem Kind die Insulinspiegel zu zwei verschiedenen Zeitpunkten: während der Geburt im Nabelschnurblut sowie später bei der ersten Gelegenheit im venösen Blut. Die Spanne reichte von einem halben Jahr bis zu 6,5 Jahren (JAMA 2014; 311(6): 587-596).

Je unreifer bei der Geburt, desto höher die Insulinspiegel

Die Auswertung der gewonnenen Daten ergab, dass die Wahrscheinlichkeit für erhöhte Insulinspiegel umso größer war, je unreifer die Kinder bei der Geburt noch waren. Im Vergleich zu Kindern, die nach der 39. SSW geboren wurden, waren die Insulinspiegel bei Kindern der anderen drei Gruppen um das 1,13-Fache (37. bis 38. SSW), das 1,45-Fache (34. bis 35. SSW) bzw. das 2,05-Fache (‹ 34. SSW) erhöht.

Diese Assoziation blieb in den ersten Jahren der Kindheit bestehen. Und sie blieb auch dann erhalten, wenn bei der Berechnung mehrere Parameter berücksichtigt wurden, etwa ethnische Zugehörigkeit, Rauchen, Diabetes, Geschlecht, APGAR und Leptinspiegel bei der Geburt. Zudem hatten Kinder mit rascher Gewichtszunahme im ersten Lebensjahr höhere Insulinspiegel als jene mit normaler Gewichtszunahme.

Den Wissenschaftlern ist klar, dass eigentlich der euglykämisch-hyperinsulinämische Clamp-Test das Standardverfahren zur Bestimmung der Insulinsensitivität ist. Je mehr Glukose bei diesem Test infundiert werden muss (bei gleichbleibenden Insulinkonzentrationen), desto besser ist die Insulinwirkung.

Lebensstil der Mutter auschlaggebend

Dennoch gehen sie davon aus, dass die zufallsmäßige Messung der Insulinspiegel in ihrer Studie aussagekräftig genug ist, zumal bereits in anderen Studien so gemessene Insulinwerte mit dem Risiko für eine KHK bei Männern sowie für Schlaganfälle, Typ-2-Diabetes und Hypertonie in Beziehung gesetzt worden seien.

Die Kinder, die an der Studie teilgenommen hatten, hatten aufgrund des Lebensstils der Mutter ein erhöhtes Risiko, zu früh geboren zu werden, bereits in den ersten Lebensjahren adipös zu werden und an einem metabolischen Syndrom zu erkranken.

Möglichweise sind die erhöhten Insulinspiegel bei der Geburt der Hinweis darauf, dass bereits pränatal die Grundlagen für einen Typ-2-Diabetes gelegt worden sind.

ÄZ/ple/IS, springermedizin.at

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