zur Navigation zum Inhalt
© APA/ERWIN SCHERIAU
 
Immunologie 20. November 2015

Ohne Immunabwehr unterwegs

Früherkennung von Infektionen: Das Robert Koch-Institut mahnt zu mehr Wachsamkeit bei Flüchtlingen. Diese sind allerdings selbst am meisten gefährdet.

Malaria und Tuberkulose: Viele Flüchtlinge haben Infektionen. Das hat das RKI nun veranlasst, über Prävention und Früherkennung aufzuklären. Eine Gefahr, dass sich die Infektionen in Mitteleuropa ausbreiten, sieht das Institut nicht.

Die meisten Flüchtlinge leiden zwar an banalen Atemwegs- oder Magen-Darm-Infekten. Auch ist mit parasitären Erkrankungen wie Krätze/Skabies und Kleiderläusen zu rechnen.

Hinter initialen grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Krankheitsgefühl, Muskel- und Gelenkschmerzen können aber auch ungewöhnliche Krankheiten stecken, die in Herkunfts- oder Transitländern erworben wurden, warnt das Robert Koch-Institut.

Das RKI hat eine Liste solcher möglichen Infektionen bei behandlungsbedürftigen Flüchtlingen zusammengestellt. Das Spektrum reicht von Malaria über Tetanus und Meningitis bis hin zu Tuberkulose.

Die Krankheiten sind nach Herkunftsregionen der Flüchtlinge gelistet, mit Symptomen, Inkubationszeiten und möglichen Ausbreitungsgefahren ( http://bit.ly/1Ouz0DJ ).

Gibt es aufgrund der Umstände Hinweise auf eine ungewöhnliche Krankheit – etwa Inkubationszeit, Herkunftsland, Fluchtroute, sollte umgehend ein Facharzt hinzugezogen werden (infektiologische Praxis oder Klinik), betont das RKI.

Malaria-Abklärung

Hat ein Flüchtling nach Aufenthalten in einem Malaria-Endemiegebiet Fieber ohne andere ermittelbare Ursache, ist nach RKI-Angaben Malaria am wahrscheinlichsten. Dabei wird zur Abklärung ein „dicker Tropfen“ mit Blutausstrich empfohlen, Schnelltests reichen nicht. Ist das Ergebnis negativ, sind die anderen aufgelisteten Infektionen in Betracht zu ziehen, Ko-Infektionen sind möglich. Generell gilt bei allen Flüchtlingen: Liegen Impfdokumente nicht vor, muss von einem nicht vorhandenen Impfschutz ausgegangen werden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) in Deutschland empfiehlt, dass der Öffentliche Gesundheitsdienst oder ein vom ÖGD beauftragter Arzt die Impflücken bei Bewohnern von Gemeinschaftsunterkünften umgehend schließt. Zumindest sollten die Impfserien begonnen und die Impfungen dokumentiert werden, damit ein weiterbehandelnder Arzt den Schutz vervollständigen kann.

TB-Reaktivierung

Tuberkulose (TB) ist in vielen Herkunftsländern der Flüchtlinge häufiger als in Deutschland. Die Strapazen der Flucht und eine eingeschränkte Immunabwehr begünstigen die Reaktivierung einer latenten TB.

Unverzüglich nach Aufnahme in eine Gemeinschaftsunterkunft oder Erstaufnahmeeinrichtung sei bei Flüchtlingen das Vorliegen einer Lungentuberkulose auszuschließen.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist es eher umgekehrt: Flüchtlinge sind als die Ärmsten der Armen mehr durch Krankheiten gefährdet. Ein Wiener Insektenexperte verwies auf ein erhöhtes Risiko durch von Stechmücken übertragene Krankheiten. „Die Gesundheitsprobleme von Flüchtlingen und Migranten sind ähnlich jenen im Rest der Bevölkerung, bei manchen Subgruppen kommen aber Krankheiten häufiger vor.

Gewöhnliche Unterkühlung

„Die häufigsten Gesundheitsprobleme bei gerade angekommenen Migranten sind auf der mehrere 1.000 km langen Reise zufällig zugezogene Verletzungen, Unterkühlung, Verbrennungen, Herz-Kreislauf-Komplikationen, Schwangerschaft und mit Entbindung verbundene Probleme, Diabetes und Bluthochdruck“, das hat die Weltgesundheitsorganisation vor Kurzem festgestellt.

ÄZ/APAmed, Ärzte Woche 47/2015

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben