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© redFroese / iStockphoto
Auch ältere Menschen sollen mit professioneller Hilfe aus Lebenskrisen herausgeführt werden.
 
Psychiatrie und Psychotherapie 22. September 2014

Auf Hilferufe hören

Altern als zentrales Thema der Suizidprävention.

Fast ein Drittel aller Suizide wird von Menschen begangen, die über 65 Jahre alt sind. Ein Projekt des Kriseninterventionszentrums will helfen, Zeichen der Depression und Warnsignale einer Suizidgefährdung zu erkennen.

Um die Öffentlichkeit auf die weitgehend verdrängte Problematik der Suizidalität aufmerksam zu machen wird alljährlich am 10. September der Welttag der Suizidprävention begangen. Von der International Association for Suizide Prevention (IASP) und der Weltgesundheitsorganisation WHO wurde er das erste Mal 2003 ausgerufen.

Immer noch eine der häufigsten Todesursachen

Wenngleich es in den letzten Jahren in Österreich zu einem deutlichen Rückgang der Todesfälle durch Suizid kam, braucht es weitere gemeinsame und abgestimmte Anstrengungen, um die Anzahl suizidaler Todesfälle zu senken. Der Suizid ist sowohl bei Männern als auch bei Frauen bis zum 50. Lebensjahr eine der häufigsten Todesursachen. Über alle Altersgruppen sind nur Unfälle und Vergiftungen häufigere Todesursachen.

Entgegen häufiger Meinungen steigt das Suizidrisiko mit zunehmendem Alter an. Ältere Menschen haben eine deutlich erhöhte Suizidrate im Vergleich zur Gesamtbevölkerung. Nahezu ein Drittel aller Suizide entfallen auf Menschen im Alter über 65 Jahren. Im Jahr 2012 haben sich 343 Männer und 125 Frauen über 65 Jahre das Leben genommen.

Auffallend ist, dass Männer deutlich häufiger Suizide begehen als Frauen. Noch dramatischer ist die Situation bei Männern über 85, die eine fast fünfmal so hohe Suizidrate wie die Gesamtheit der österreichischen Männer haben.

„Ich will so nicht mehr“

Die Lebenssituation im höheren Alter kann Veränderungen mit sich bringen, die schwer zu bewältigen sind: Körperliche Erkrankungen und Einschränkungen, der Verlust des Lebenspartners etc. können ohne fremde Hilfe oft nicht verkraftet werden. Suizidankündigungen und Suizidhandlungen sind immer auch als ein Hilferuf des Betroffenen zu verstehen. Suizidale Menschen befinden sich meist in einer verzweifelt eingeengten Situation. Dieser Hilferuf darf keinesfalls überhört werden.

Ein zentrales Problem der Suizidprävention im Alter stellt die Tatsache dar, dass ältere Menschen Kriseneinrichtungen wie auch andere psychosoziale Hilfsangebote, gemessen an der Summe ihrer Probleme, selten in Anspruch nehmen. Viele ältere Menschen haben auch größere Schwierigkeiten, die Hilfe fremder Personen zu akzeptieren. Daher kommt jenen Bezugspersonen, die in die Betreuung von älteren Menschen eingebunden und diesen vertraut sind, eine besondere Rolle zu.

Kompetenz im Umgang mit Suizidgefährdung fördern

In Kooperation mit dem Kriseninterventionszentrum Wien hat der Hauptverband der Sozialversicherungsträger daher konkrete Schulungen entwickelt und umgesetzt, um die Zusammenarbeit der relevanten Gesundheitsberufe zu fördern. „Ziel der Schulungen ist es, älteren Menschen Kompetenz im Umgang mit psychosozialen Krisen und suizidalen Entwicklungen zu vermitteln und zu fördern, und somit die Chancen, Suizidgefährdung im Alter zu erkennen und richtig einzuschätzen, zu verbessern“, so Mag. Alexander Hagenauer, Generaldirektor-Stv. im Hauptverband.

Trotz der hohen Suizidrate älterer Menschen wurden suizidpräventive Projekte für diese Bevölkerungsgruppe bisher leider vernachlässigt. Das gemeinsame Projekt von Hauptverband und Kriseninterventionszentrum Wien „Suizidprävention in der psychosozialen und medizinischen Versorgung älterer Menschen“ soll Hausärzte und Gesundheitsberufe, die in ambulanten und stationären Alten- und Krankenpflegeeinrichtungen tätig sind, in Suizidprävention qualifizieren und vernetzen.

Es wurde eine Broschüre erstellt, die sich an alle Personen richtet, die mit suizidgefährdeten älteren Menschen zu tun haben. „Auch wenn die Suizidrate dank zahlreicher suizidpräventiver Aktivitäten seit Mitte der 80er Jahre in Österreich um mehr als 40 Prozent zurückgegangen ist, sind es immer noch sehr viele Menschen, die sich das Leben nehmen. Daher dürfen unsere Anstrengungen nicht nachlassen“, betont Dr. Claudius Stein, Ärztlicher Leiter des Kriseninterventionszentrum Wien.

Die Broschüre „Ich will so nicht mehr weiterleben“ ist erhältlich unter: www.kriseninterventionszentrum.at.

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