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Allgemeinmedizin 16. Juli 2014

Auch Gene sind schuld am Kreuzweh

Zwillingsstudie zeigt eine Heritabilität von 32 Prozent.

Rückenschmerzen kennt fast jeder; bei vielen Menschen sind sie chronisch. Bei der Suche nach den Ursachen zeigt sich jetzt: Auch die Gene spielen eine Rolle.

Wenn es dauerhaft zwickt und zwackt im unteren Rücken, hat das zum Teil mit dem Lebensstil zu tun, zum Teil allerdings auch mit den Genen, wie eine australische Erhebung jetzt nahelegt.

Daniela Junqueira von der Universität in Sydney und Kollegen hatten 105 mono- und dizygote Zwillingspaare aus der Australian Twin Low Back Pain (AUTBACK)-Studie zu verschiedenen Lebensstil-Faktoren wie körperliche Aktivität, Gewicht, Rauchen und Alkoholkonsum befragt und zudem einen Blick auf die Erblichkeit der Beschwerden geworfen.

Von den 210 Teilnehmern mit einem Durchschnittsalter von 39,6 Jahren litt mehr als die Hälfte an chronischen Kreuzschmerzen (LBP). Gab ein Zwilling chronische Kreuzschmerzen an, hatte meist auch der zweite Beschwerden im unteren Rücken (n = 67 Zwillingspaare), wobei die Wahrscheinlichkeit, dass beide Zwillingspartner gleichermaßen geplagt sind, bei monozygoten Zwillingen fünfmal so hoch war wie bei dizygoten. Laut Berechnung der Studienautoren lag die Heritabilität demnach bei 32 Prozent.

Zusätzlich zu den Genen begünstigten bestimmte Lebensstilfaktoren die Beschwerden, wie die Auswertung der 38 Zwillingspaare bestätigte, von denen nur jeweils ein Zwilling unter chronischen Kreuzschmerzen litt.

Langes Sitzen (fünf Stunden pro Tag und mehr) und wenig Bewegung standen ebenso mit dem Rückenleiden im Zusammenhang wie sehr intensive körperliche Belastung. Dazu zählten schwere Gartenarbeit oder Handwerken rund ums Haus. Eine Signifikanz ließ sich allerdings nur für Garten- und Bauarbeiten nachweisen (OR 6,5; 95%-KI 1,47-28,8). Das Geschlecht der Probanden wiederum war für die Prävalenz unerheblich.

Körperliche Betätigung spielt ebenfalls eine Rolle

Für Junqueira und ihr Team steht fest, dass chronische Kreuzschmerzen bei Frauen und Männern gleichermaßen zu einem gewissen Teil genetisch begünstigt sind. Dabei sei der genetische Einfluss etwa vergleichbar mit dem bei Autismus (36 %), Drogenabhängigkeit (55 %) und Depressionen (42 %), betont Junqueira.

Entscheidend sei aber auch das richtige Maß an körperlicher Betätigung, resümieren die Studienautoren und verweisen auf den U-förmigen Zusammenhang. Zu wenig körperliche Betätigung scheint dem unteren Rücken ebenso zu schaden wie ein Zuviel, was in dieser australischen Untersuchung als schwere körperliche Arbeit und sehr intensiver Sport definiert war. Nach dem richtigen Maß müsse nun in kommenden Studien gefahndet werden.

Originalpublikation: Junqueira DRG et al.: Eur J Pain 2014; online 14. April

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