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Infektiologie 15. Februar 2016

Cholera-Bakterien aushungern

Wie sich das „Fresssystem“ der Cholera-Bakterien blockieren lässt.

Forscher haben die Phosphataufnahme des Cholera-Erregers geklärt und wollen ihm mit diesem Wissen zu Leibe rücken.

Weltweit treten nahezu jedes Jahr verheerende Cholera-Epidemien auf. Der dafür verantwortliche Erreger Vibrio cholerae wird durch verunreinigtes Wasser übertragen. Infiziert sich ein Mensch, vermehrt sich der Krankheitserreger rasant und produziert das gefährliche Cholera-Toxin, das zu schwerem Durchfall mit lebensbedrohlichem Flüssigkeitsverlust führt.

Forscher haben ein System entwickelt, um extrazelluläre DNA aus dem Darm ihrer Wirte aufzuspalten, erläutert Prof. Dr. Stefan Schild vom Institut für Molekulare Biowissenschaften, Universität Graz in einer aktuellen Publikation ( T. Gumpenberger et al., molecular microbiology 2/2016, DOI 10.1111/mmi.13143 ). Die DNA der abgestorbenen menschlichen Darm-Zellen ist zugleich willkommenes Futter für die Cholera-Bakterien. „Auch andere Darm-Bakterien können sich von den DNA-Bausteinen ernähren, jedoch nicht so schnell und nicht so gut“, sagte Schild.

Wie das Grazer-Team gemeinsam mit US-amerikanischen Kollegen herausfand, verfügen die Erreger gleich über drei unterschiedliche Enzyme, um Phosphate aus den Nukleotiden zu gewinnen. Weiters erkannten die Forscher, dass dann die gespaltenen Phosphate (Nukleoside) mithilfe von drei Nukleosidaufnahme-Systemen ins Bakterium gelangen. Und an diesen Punkten wollen die Grazer Forscher nun ansetzen, um die Cholera-Erreger zu bekämpfen: Schafft man es, die „Fresssysteme“ zu blockieren, können sich die Krankheitserreger weniger stark vermehren lautet die Schlussfolgerung der Grazer Molekularbiologen.

PK/APAmed, Ärzte Woche 7/2016

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