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Innere Medizin 15. Februar 2016

Hepatitis C-Arzneimittel: „ein Schnäppchen“

Gilead-Vizechef Bischofberger verteidigt die Kosten für das Medikament.

Von „Raubrittertum“ hat die Obfrau der Wiener Krankenkasse, Ingrid Reischl, vor Kurzem im Zusammenhang mit den hohen Medikamentenkosten gesprochen und konkret neue Hepatitis-C-Therapien genannt. Der Vizechef der US-Pharmafirma Gilead, Dr. Norbert Bischofberger, spricht angesichts des Werts der Medikamente wörtlich von einem „Schnäppchen“.

Das von Gilead angebotene Präparat Sovaldi® hat weltweit Schlagzeilen gemacht. Erklärung: Es gilt als Durchbruch bei der Behandlung von Hepatitis-C. Der Wirkstoff Sofosbuvir greift direkt in den Vermehrungszyklus des Virus ein, die Nebenwirkungen sind gering. Doch das Medikament wurde vor allem als „1.000-Dollar-Pille“ bekannt und sorgt seit seiner Zulassung vor rund zwei Jahren angesichts des Preises von 50.000 bis 60.000 Euro für eine durchschnittlich zwölfwöchige Behandlung für Debatten.

Dem Pharmaunternehmen Gilead Sciences, wo Norbert Bischofberger Mitte der 1990er-Jahre das Grippe-Medikament Tamiflu® entwickelt hat, bescheren seine Hepatitis-C-Medikamente Sovaldi® und Harvoni® jedenfalls Rekordzahlen. Allein der Umsatz durch diese beiden Präparate lag 2015 bei 18 Milliarden US-Dollar (16 Milliarden Euro), mehr als die Hälfte des Gesamtertrags. „Das ist einer der größten wirtschaftlichen Erfolge eines Unternehmens überhaupt“, sagt Bischofberger.

Der aus Vorarlberg stammende Biochemiker verweist auf die bisherige Behandlung von Patienten mit Hepatitis C mit dem Wirkstoff Ribavirin und dem Hormon Interferon – „mit sehr niedriger Erfolgsrate, einer Behandlungsdauer von mindestens 48 Wochen und massiven Nebenwirkungen“. Obwohl die Kosten für diese Medikamente bei 100.000 Dollar lägen, habe sich niemand beschwert, weil die Therapie wegen der Nebenwirkungen selten eingesetzt worden sei.

„Dann kamen wir mit etwas viel Besserem: acht bis zwölf Wochen eine Pille pro Tag, ohne Nebenwirkungen und Erfolgsraten von 98 bis 100 Prozent. Wir haben den Preis unseres Medikaments unter jenem für die bisherige Behandlung angesetzt. Und ich dachte, das ist ein Schnäppchen.“

Das Problem sei das Volumen angesichts der zahlreichen Patienten mit Hepatitis-C. Die Versicherungen in den USA hätten sich alle beschwert, weil sie nicht budgetiert hatten, dass sich nun jeder behandeln lassen wolle. Die Kritik eines Ausschusses des US-Senats, der sich mit der Preisbildung für die neuen Hepatitis-C-Medikamente beschäftigt hat, bezeichnete Bischofberger als „politisches Theater“. Der Ausschuss kam zum Schluss, dass „die Preisgestaltung und Marketing-Strategie eine Umsatz-Maximierung verfolgt hat, mit wenig Interesse für Zugang und Erschwinglichkeit“.

Was ignoriert werde, sei die Tatsache, dass Hepatitis C nicht nur die Leber betreffe. Infizierte hätten mehr kardiovaskuläre Erkrankungen, mehr Diabetes und mehr Nierenerkrankungen. „Wenn wir jemanden von Hepatitis-C heilen können, können wir nicht nur Lebertransplantationen, sondern auch weitere Erkrankungen verhindern“, sagte Bischofberger. Das Problem sei, dass die Systeme auf dem Budget des nächsten Jahres basierten: „Niemand interessiert sich dafür, dass man im laufenden Jahr mehr ausgeben und dadurch in zehn Jahren viel einsparen kann.“Er verstehe, dass sich die Krankenkassen über die Preise beschweren, privat würden die Verantwortlichen aber den Wert der Therapie anerkennen. Zudem hätten sich die Krankenversicherungen mit dem Preis einverstanden erklärt, „sie müssten ja nicht dafür bezahlen“, so Bischofberger, der auf die Rabatte in den USA und vielen anderen europäischen Ländern verweist. In den USA läge der Abschlag bei bis zu 50 Prozent. „Und natürlich kommt Konkurrenz und die Preise werden runtergehen. Ich glaube, dass diese Kritik verschwinden wird.“

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