zur Navigation zum Inhalt
 
Infektiologie 10. Februar 2016

Nach Gürtelrose mehr Herzinfarkte und Schlaganfälle

Herpes zoster ist nicht nur schmerzhaft. Die Infektion erhöht offenbar über mehrere Monate hinweg auch das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. In den ersten Wochen ist die Inzidenz sogar verdoppelt.

Forscher gehen davon aus, dass die Gürtelrose eine prothrombotische Umgebung erzeugt und die Ruptur atherosklerotischer Plaques begünstigt. Was das erhöhte Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt erklären kann.

Für eine Reihe von Infektionen ist inzwischen ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse nachgewiesen worden. Auch bei Herpes-Zoster-Patienten deuten Studien auf eine gesteigerte Inzidenz von Herzinfarkten und Schlaganfällen in den ersten Monaten nach dem Auftreten der Erkrankung. Allerdings wurden in den meisten solcher Untersuchungen Personen mit und ohne Zoster verglichen – diese unterscheiden sich möglicherweise auch bei anderen kardiovaskulären Risikofaktoren, sodass unklar ist, ob die erhöhte Inzidenz nach einem Zoster tatsächlich auf die Viruserkrankung zurückzuführen ist.

Studie: Herpes und Schlaganfall

Forscher um Dr. Caroline Minassian von der London School of Hygiene & Tropical Medicine sind daher dem Zusammenhang auf einer anderen Ebene nachgegangen. Sie suchten gezielt in US-Registern nach Patienten, die nach einem Herpes zoster einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt erlitten hatten. Dann schauten sie, wie lange es nach dem Zoster bis zum kardiovaskulären Ereignis gedauert hatte. Hat die Erkrankung einen Einfluss auf kardiovaskuläre Ereignisse, sollte in den Monaten nach dem Beginn der Varicella-Zoster-Reaktivierung eine Häufung der Ereignisse zu beobachten sein, anderenfalls wären diese über die Zeit hinweg gleichmäßig verteilt. Die Forscher um Minassian fanden in einer Datenbank mit Medicare-Versicherten rund 43.000 Patienten mit einer Gürtelrose und einem Herzinfarkt sowie über 24.000 Versicherte mit Zoster und einem ersten ischämischem Schlaganfall. Im Median lagen Daten über fünf Jahre nach der Zosterdiagnose vor, das Alter bei der Diagnose betrug im Mittel 80 Jahre. Patienten mit einem vaskulären Ereignis vor der Gürtelrose waren ausgeschlossen worden. Rund 2,5 Prozent der Patienten hatten vor der Gürtelrose eine Zosterimpfung erhalten, etwa 6 Prozent danach.

Es zeigte sich nach Beginn der Gürtelrose eine erhöhte Schlaganfall- und Herzinfarktinzidenz. Diese war in der ersten Woche für Schlaganfall um das 2,4-fache und für Herzinfarkt um das 1,7-facher erhöht – verglichen mit der Inzidenz ein bis fünf Jahre nach der Diagnose. In den folgenden Wochen nahm die Inzidenz sukzessive ab und erreichte nach etwa einem halben bis einem Jahr ein ähnliches Niveau wie in den Folgejahren. Eine signifikante Erhöhung an kardiovaskulären Ereignissen wurde nur in den ersten drei Monaten nach der Zosterdiagnose beobachtet. Bei Patienten mit einem Herpes zoster ophthalmicus stellten die Ärzte ein ähnliches Muster mit vergleichbaren Inzidenzraten fest.

Einfluss der Impfung unklar

Die Gesundheitsforscher um Minassian schauten sich die Inzidenzraten bei geimpften Patienten auch gesondert an. Sie war für Schlaganfall in den ersten vier Wochen bei den geimpften Zosterpatienten nur um 14 Prozent erhöht, bei den ungeimpften hingegen um 78 Prozent. Kaum numerische Unterschiede gab es bei der Inzidenzrate für Herzinfarkt: Sie war in den ersten vier Wochen bei den Ungeimpften um 36 Prozent, bei den Geimpften um 37 Prozent erhöht. Allerding war die Zahl der geimpften Patienten mit kardiovaskulären Ereignissen in den ersten Wochen so gering, dass sich daraus keine signifikanten Resultate ableiten lassen – weder im Vergleich zu den Ungeimpften noch zu Zeiträumen weit nach der Zosterdiagnose.

Das Team um Minassian geht davon aus, dass die Gürtelrose eine prothrombotische Umgebung erzeugt und die Ruptur atherosklerotischer Plaques begünstigt. So hätten aktuelle Untersuchungen die Replikation von Varicella-Zoster-Viren auch in den Gefäßwänden nachgewiesen. Diese könnte ein erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko zur Folge haben.

springermedizin.de , Ärzte Woche 6/2016

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben