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© Damerau / iStock / Thinkstock
 
Leben 2. Februar 2015

Vom Molekül zum Menschen

Die Universität Wien zieht eine erfolgreiche Forschungsbilanz.

Vier hochkarätige universitätsübergreifende Spezialforschungsbereiche und zwei interdisziplinäre Doktoratskollegs gehen in die Verlängerung.

Spezialforschungsbereiche (SFB), die „Königsklasse“ der Bewilligungen des Wissenschaftsfonds FWF, sind eng vernetzte Forschungsverbünde, die über mehrere Universitäten verteilt sein können. Unter ihrem Dach wird internationale Spitzenforschung betrieben. Die Doktoratskollegs (DK) des FWF sind strukturierte Doktoratsprogramme und richten sich an den hoch qualifizierten akademischen Nachwuchs aus der nationalen und internationalen Scientific Community.

2014 konnten vier große SFB und zwei DK, an denen die Universität Wien maßgeblich beteiligt ist, erfolgreich verlängert werden. Neueinreichungen hat der FWF 2014 für beide Programme ausgesetzt.

Im Rahmen des SFB „Vienna Computational Materials Laboratory“ simulieren und berechnen Physiker neue Hochleistungsmaterialien. Der SFB „Visions of Community“ untersucht Wechselwirkungen zwischen Christentum, Islam, Buddhismus und Politik.

Ziel des DK „Molecular Drug Targets“ ist es, neue Arzneimittel zu entdecken und erforschen. Das DK „Population Genetics“ betreibt Populationsgenetik für die biologische Grundlagenforschung.

RNA-Regulationsnetzwerke

Im SFB „RNA Regulation of the Transcriptome“ arbeiten 13 Forschungsgruppen der Uni Wien, der MedUni Wien sowie weiterer Forschungsinstitute am Vienna Biocenter (IMP, IMBA und GMI) daran, die RNA-gesteuerten Ereignisse in der Zelle besser zu verstehen. „Durch den technologischen Fortschritt der vergangenen Jahre haben wir enorme Erkenntnisse über Zahl, Ursprung und Art verschiedener regulatorischer RNAs gewonnen. Ebenso konnten wir Einblick in wichtige RNA regulierte zelluläre Prozesse gewinnen. Dennoch ist unser Verständnis der komplexen RNA-Regulationsnetzwerke und deren Auswirkung auf physiologische Prozesse noch sehr begrenzt“, erklärt der Sprecher des SFB, Michael Jantsch, Leiter des Departments für Chromosomenbiologie an den Max F. Perutz Laboratories.

In der ersten Förderungsperiode identifizierten die Forscher funktionelle Motive bzw. Domänen der verschiedenen RNA-Klassen, deren regulatorische Regelkreise und biologischen Auswirkungen in den nächsten vier Jahren entschlüsselt werden sollen.

Proteine für den Transport

Im Fokus des SFB „Transmembrane Transporters in Health and Disease“ steht die Untersuchung der Transportproteine. Beteiligt sind die Uni Wien mit Gerhard Ecker vom Department für Pharmazeutische Chemie der Fakultät für Lebenswissenschaften, die Max F. Perutz Laboratories der Uni Wien und der MedUni Wien sowie die TU Wien, die JKU Linz und das IST Austria. Aufgrund der großen klinischen Bedeutung gehört Transporter-Biologie zu den am stärksten wachsenden wissenschaftlichen Feldern. Insbesondere die Umsetzung mechanistischer Einsichten in therapeutische Verbesserungen, wie z. B. die Entwicklung selektiver Antidepressiva, die Überwindung von Resistenz bei Chemotherapie, die Erforschung Medikamenten-resistenter Epilepsie, etc., sind von großem Interesse.

Mit der Forschung im SFB, der nun vom FWF verlängert wurde, wird ein breites Spektrum abgedeckt: vom Bakterium bis zum Mensch, von der Strukturanalyse zum Verständnis komplexer Erkrankungen, von der Visualisierung einzelner Moleküle bis zur funktionellen Darstellung von Transportern im lebenden Gehirn.

Die Arbeitsgruppe von Gerhard Ecker wird in der dritten Förderperiode einen „Transporter Informatics Workspace“ entwickeln, der es erlaubt, die vielen im Konsortium gewonnenen Daten nachhaltig für die wissenschaftliche Community bereitzustellen. „Weiters werden wir uns der Translation von in vitro zu in vivo Daten sowie dem Phänomen der kinetischen Selektivität widmen“, erklärt Gerhard Ecker.

Insgesamt waren im vergangenen Jahr 140 Projekte mit Beteiligung von Wissenschaftlern der Uni Wien in den FWF-Vergaberunden erfolgreich quer über die Wissenschaftsbereiche verteilt. Eingeworben wurde eine Fördersumme von über 37 Millionen Euro.

 

CL/Uni Wien, Ärzte Woche 6/2015

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