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Urologie 22. August 2014

Wächter in der Harnröhre

Sinneszellen in der Urethra, die eindringende Bakterien schmecken können – diesen neuen Zelltyp haben Wissenschaftler der Justus-Liebig-Universität Gießen entdeckt.

Wachsende Bakterien geben verschiedenste Substanzen in die Umgebung ab, darunter solche, die wir auf der Zunge als „bitter“ empfinden. Auch freie Aminosäuren wie Glutamat, das wir als Geschmacksverstärker oder auch als „umami“ kennen, können bei einem solchen Infekt vermehrt auf der Schleimhaut vorliegen und ihn auch begünstigen. Sowohl bitter als auch umami haben daher in der Harnröhre nichts zu suchen und sind ein Gefahrensignal. Die neu entdeckten Sinneszellen können es wahrnehmen und eine Reaktion darauf einleiten. Die Studienautoren konnten zeigen, dass sie genauso funktionieren wie die Geschmackszellen der Zunge, und was weiter geschieht: Die Zelle erregt über Azetylcholin die Nervenfasern und leitet über einen Reflex Kontraktionen der Blasenmuskulatur ein. Der gefährliche Inhalt soll aus der Harnröhre herausgespült werden.

Die Idee, überhaupt in der Harnröhre nach so einer Zelle zu suchen, hat ihren Ursprung vor drei Jahren: Damals entdeckte eine Gießener Arbeitsgruppe eine Funktion der Bürstenzelle, die in der Lungenröhre Bitterstoffe wahrnimmt und Atemreflexe einleitet. So entstand die Hypothese, dass verschiedene Körperöffnungen von Wächterzellen überwacht werden, die natürlich am besten in der Nähe der Öffnung gelegen sein sollten. Die Harnröhre wäre somit der richtige Platz für eine Wächterzelle zum Schutze des Harntrakts. Katharina Filipski hat im Rahmen ihrer Doktorarbeit eine solche Zelle tatsächlich in der Harnröhre finden können – nicht jedoch weiter innen im Körper, wie zum Beispiel in der Harnblase.

Deckmann K et al. PNAS 2014; 111 (22): 8287–92

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