zur Navigation zum Inhalt
© maxshutter/Getty Images/iStock
 
Diabetologie 16. Oktober 2015

Fiese Fettpolster

Studie zeigt: Wer keine Diabeteserkrankung möchte, muss der Völlerei abschwören.

Viele Adipöse sind metabolisch gesund, sollten sich deswegen aber nicht in falscher Sicherheit wiegen. Eine israelische Studie unter Armeeangehörigen zeigt, dass auch ihr Diabetesrisiko stark erhöht ist. Adipositas ist ein unabhängiger Risikofaktor.

Keine Krankheit ist mit der Adipositas so eng vergesellschaftet wie der Typ-2-Diabetes. Dennoch gibt es adipöse Personen, die im Lauf ihres Lebens nicht an Folgekrankheiten leiden. Die Untersuchung an 33.939 israelischen jungen Männern verspricht valide Ergebnisse, da alle Studienteilnehmer der Armee angehörten und hinsichtlich des Lebensstils und der Umwelt nicht sehr divergierten. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Diabetes Care publiziert ( http://goo.gl/z0qQJo ).

Ihr metabolischer Status wurde mit Komponenten des metabolischen Syndroms (Blutdruck, Nüchternblutzucker, Triglyzeride, HDL-Cholesterin) charakterisiert, die Adipositas mit dem Body-Mass-Index (BMI). Kein Teilnehmer war diabetisch.

Die Übergewichtigen

Nach 6,1 Jahren zeigte sich, dass die Neuerkrankung an einem Diabetes sowohl vom BMI als auch vom metabolischen Status abhing. Verglichen mit metabolisch gesunden Normalgewichtigen hatten die Übergewichtigen und Adipösen ein 1,6- bzw. 2,7-fach erhöhtes Risiko, zuckerkrank zu werden. Wurden die Daten hinsichtlich verschiedener Risikofaktoren adjustiert, war das Risiko sogar 1,9- bzw. 3,9-fach gesteigert.

Die Vorbelasteten

Noch höher war das Risiko bei metabolisch belasteten übergewichtigen (4,8-fach) und adipösen (9,3-fach) Personen. Die Erhöhung des BMI um eine Einheit steigerte, unabhängig vom metabolischen Status, das Diabetesrisiko um 10,6 Prozent.

Diese Untersuchung bestätigt erneut, dass Übergewicht und Adipositas die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes enorm begünstigen. Man geht davon aus, dass ca. 80% aller Typ-2-Diabetiker aufgrund eines erhöhten BMI erkrankt sind. Gezeigt wurde in dieser Studie außerdem, dass auch adipöse Personen ohne metabolische Risikofaktoren ein erhöhtes Diabetesrisiko haben.

Der Expertenkommentar

Der deutsche Ernährungsmediziner Prof. Dr. Alfred Wirth kommentierte die Studie in der Münchener Medizinische Wochenschrift folgendermaßen: Die Autoren seien auf die vor einigen Jahren erschienenen Studien eingegangen, die das gegenteilige Ergebnis hatten, nämlich dass Übergewichtige und Adipöse ohne metabolische Störung kein erhöhtes Diabetesrisiko fürchten müssen. Dieser Unterschied sei auf eine Reihe von methodischen Besonderheiten zurückzuführen.

Eine ähnliche Diskrepanz bestand hinsichtlich der Sterblichkeit. Einige Studien kamen zu dem Ergebnis, dass metabolisch gesunde Übergewichtige und Adipöse eine ähnliche Sterblichkeit aufweisen wie Normalgewichtige.

Seit Kurzem liegt eine Metaanalyse vor, die zeigt, dass sowohl die Gesamtmortalität als auch die Mortalität durch Herz-Kreislauf-Krankheiten erhöht ist.

Aus diesen Studien ist zu schließen, dass die Verhinderung von Übergewicht und Adipositas gesundheitlich sinnvoll ist, auch dann, wenn sich bei Gewichtszunahme keine Stoffwechselprobleme einstellen sollten.

Der Originalartikel „Auch gesunde Adipöse sind anfällig für Diabetes“ ist erschienen in „MMW“ 15/2015, DOI 10.1007/s15006-015-3471-x, © Urban & Vogel

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben