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Studie prüfte Alkylresorzinole als Biomarker, die spezifisch in den Schalen der meisten Getreidesorten vorkommen.
 
Allgemeinmedizin 21. Jänner 2014

Vollkorn schützt vor Darmkrebs – oder?

Biomarker-Studie: Lediglich der distale Bereich des Kolons scheint bei einem hohen Konsum von Vollkornprodukten zu profitieren.

Ballaststoffe senken nach Studiendaten das Risiko für Kolorektalkarzinome. Allerdings wurden in solchen Studien meist nur Ernährungsfragebögen verwendet. Ein Serummarker deutet nun auf einen Schutzeffekt allenfalls im distalen Kolon hin.

Eine ganze Reihe von Studien legt inzwischen eine Schutzwirkung von Ballaststoffen gegen Kolorektalkarzinome nahe. Angenommen wird, dass Ballaststoffe Tumoren verhindern, indem sie die Transitzeit des Stuhls im Darm verkürzen, Karzinogene binden und verdünnen sowie protektive kurzkettige Fettsäuren bei der Fermentation im Darm bilden. Allerdings gibt es immer wieder auch Studien, die nur einen geringen bis gar keinen Nutzen von Ballaststoffen auf das Darmkrebsrisiko zeigen. Ein großes Manko dabei ist, dass sich nicht exakt ermitteln lässt, wie viele Ballaststoffe die Studienteilnehmer tatsächlich konsumieren. In der Regel werden solche Angaben per Ernährungsfragebogen ermittelt, objektive Messungen fehlen meist.

Alkylresorzinole als Biomarker

In einer aktuellen Analyse sind Forscher um Cecile Kyrø vom Forschungszentrum der Dänischen Krebsgesellschaft in Kopenhagen nun einen anderen Weg gegangen: Sie haben Blutproben von knapp 2.750 Teilnehmern der großen europäischen Bevölkerungsstudie EPIC auf Biomarker für Vollkornprodukte untersucht. Die Hälfte der Personen war im Laufe der Studie an Darmkrebs erkrankt, die übrigen blieben gesund. Die Proben wurden zum Studienbeginn entnommen, also noch vor der Krebsdiagnose. In diesen Proben analysierten die Wissenschaftler nun sogenannte Alkylresorzinole. Das sind Phenolverbindungen, die spezifisch in den Schalen der meisten Getreidesorten vorkommen. Sie gehen rasch ins Blut über und lassen sich gut im Serum nachweisen. Interventionsstudien hatten gezeigt, dass die Serumwerte dieser Phenole sehr stark durch den Konsum von Vollkornprodukten bestimmt werden. Vollkorn wiederum zählt zu den wichtigsten Lieferanten von Ballaststoffen.

Wie sich herausstellte, gab es nur einen moderaten Zusammenhang zwischen der Alkylresorzinol-Konzentration und den Fragebogenangaben zu Ballaststoffen aus Getreiden. Eine Erklärung könnte sein, dass die Ernährungsfragebögen nur sehr ungenau die tatsächliche Ernährungssituation widerspiegeln.

Verglichen die Forscher nun die Serumwerte der Phenolverbindungen bei gesunden Teilnehmern und den späteren Darmkrebspatienten, so zeigten sich keine signifikanten Unterschiede, allenfalls ein leichter Trend zu geringeren Serumkonzentrationen bei den später Erkrankten. Dieser ließ sich weitgehend auf Tumoren im distalen Kolon zurückführen. Hier konnten die Forscher für eine Verdopplung der Biomarker-Serumwerte eine signifikante Reduktion der Tumorinzidenz um 17 Prozent berechnen. Wurden die Quartilen mit den höchsten und niedrigsten Serumwerten verglichen, dann war die Tumorinzidenz bei den höchsten Biomarkerwerten sogar um etwa die Hälfte reduziert.

Auf das proximale Kolon und Rektum scheint der Konsum von Vollkornprodukten jedoch keine Auswirkungen zu haben, denn hier gab es keinen Zusammenhang zwischen Tumorinzidenz und Biomarkern.

Regionale Verteilung

Interessant ist auch die regionale Verteilung: Es deutet sich ein klares Nord-Süd-Gefälle an. Skandinavier haben nach diesen Daten bei hohen Biomarkerwerten ein insgesamt reduziertes Risiko für Kolorektalkarzinome, Zentraleuropäer nur für distale Kolonabschnitte und Mittelmeerbewohner profitieren offenbar überhaupt nicht von Vollkornprodukten – ganz im Gegenteil: Erhöhte Biomarkerwerte gingen bei ihnen eher mit einem leicht erhöhten Tumorrisiko einher, wenngleich der Unterschied nicht signifikant war. Allerdings waren die Serumwerte in südlichen Ländern insgesamt um mehr als das Dreifache niedriger als in Skandinavien und in Zentraleuropa – Vollkorn ist südlich der Alpen wohl eher unbeliebt, die Daten aus diesen Ländern sind daher wenig aussagekräftig.

Nur spekulieren lässt sich, weshalb lediglich das distale Kolon bei einem hohen Konsum von Vollkornprodukten zu profitieren scheint. Die Studienautoren um Kyrø vermuten zum einen histologische Unterschiede zwischen den einzelnen Kolonabschnitten als Ursache, zum anderen könnte die längere Verweildauer und die höhere Konzentration des Stuhls im distalen versus proximalen Kolon ein Grund sein. Im distalen Bereich kämen die transitfördernden und antikarzinogenen Effekte der Ballaststoffe besser zur Geltung.

Originalpublikation: Kyrø C et al. Plasma Alkylresorcinols, Biomarkers of Whole-Grain Wheat and Rye Intake, and Incidence of Colorectal Cancer . JNCI 2013; online 7. Dezember. doi: 10.1093/jnci/djt352

springermedizin.de/KK, Ärzte Woche 4/2014

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