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Infektiologie 11. März 2016

Achtung! Kleiner Vampir!

Zeckenbisse spürt man trotz der groben Mundwerkzeuge nicht. Grund sind anästhesierende Substanzen im Speichel.

Verschiedene dermatologisch und systemisch relevante Erkrankungen werden durch Vektoren auf den Menschen übertragen. Hierzu gehören Zecken. Eine genaue Kenntnis der Lebensumstände und der durch sie übertragenen Pathogene hilft sowohl bei der Beratung zur Prophylaxe als auch bei differenzialdiagnostischen Überlegungen nach abgeklungenem Insektenstich.

Zecken (Ixodida) gehören zur Ordnung der Milben. Es handelt sich um blutsaugende Ektoparasiten. Es sind mehr als 900 Zeckenarten bekannt. Zecken durchlaufen mehrere Entwicklungsstadien: von der Larve (6 Beine, ca. 0,5 mm groß) über die Nymphe (8 Beine, 1,2 mm groß) zur adulten Zecke (8 Beine, 3,8 mm groß, vollgesogen bis zu 1,3 cm).

Um von einem Entwicklungsstadium in das nächste überzutreten, benötigt die Zecke jeweils mindestens eine Blutmahlzeit.

Es gibt insgesamt 3 Zeckenfamilien: Lederzecken, Schildzecken und Nuttalliellidae (Übergangsform, sehr selten). Schildzecken sind mit 80 Prozent die häufigsten Zecken, sie kommen weltweit vor, so auch in Mitteleuropa. Wiesen mit hohem Grasbestand sind der bevorzugte Lebensraum. Bei vielen Schildzeckenarten (z. B. Ixodes ricinus, Gemeiner Holzbock) bedeckt ein Schild dorsal den gesamten Rumpf. Lederzecken haben dagegen keinen Schild, sondern eine lederartige Rückenbedeckung, außerdem liegen die Mundwerkzeuge bei ihnen weiter bauchseitig und sind daher von oben nicht sichtbar. Lederzecken leben vor allem vom Blut von Wirbeltieren (Vögeln, Fledermäusen); man findet sie daher vornehmlich in der Nähe von deren Nistplätzen und Brutstätten.

Zecken sind „pool feeder“, d. h. sie generieren mit ihren Mundwerkzeugen (Cheliceren) eine Wunde. Anschließend wird das im Zentrum des Kopfes befindliche Hypostom (Stechrüssel mit Widerhaken) in die Wunde gebohrt. Das sich in der Öffnung ansammelnde Blut wird langsam aufgesogen. Mithilfe von Klebesubstanzen sichert die Zecke eine besonders stabile Anhaftung des Saugapparates an der Haut des Wirtes. Im Speichel der Zecken finden sich zudem neben anästhesierenden Substanzen auch Antikoagulanzien, die ein vorzeitiges Gerinnen des Blutes verhindern.

Zecken können als Überträger von verschiedenen Erkrankungen auftreten. Hierbei ist vor allem das regionale Vorkommen der jeweiligen Pathogene zu beachten.

Je nach Lokalisation des Erregers in der Zecke erfolgt die Übertragung auf den Menschen unterschiedlich schnell: aus dem Speichel innerhalb von Minuten (Beispiel: FSME), während Erreger, die vornehmlich im Darm der Zecke leben (Beispiel: Borrelien), erst nach Stunden des Wirtskontakts übertragen werden. Aus diesem Grund ist ein zügiges Entfernen der Zecke immer ratsam. Manipulationen an der Zecke, z. B. mit Butter, Öl, Cremes oder Alkohol, oder das Zerquetschten des Hinterleibes sind unbedingt zu vermeiden. Diese Maßnahmen bringen die Zecke in eine Stressreaktion, die zur Regurgitation des gesaugten Blutes führt und die Übertragungswahrscheinlichkeit von Borrelien erhöht.

Quelle: Esther von Stebut (Hrsg.): „Reisedermatosen“, Springer Verlag 2015, 320 S., ISBN 978-3-662-44704-8.

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