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© chromorange / dpa
 
Allgemeinmedizin 28. November 2014

Gründe für arztscheues Verhalten

Wann und warum kranke Menschen nicht zum Arzt gehen: Es muss nicht immer Zeitnot sein.

Es kann viele Erklärungen dafür geben, wenn sich ein Mensch mit einem Gesundheitsproblem keinem Arzt anvertraut. Um die medizinische Hilfe verbessern zu können, muss man allerdings die Beweggründe für ein solches Vermeidungsverhalten verstehen. Eine US-Studie ging dieser Fragestellung nach.

Es zwickt und drückt, irgendetwas scheint nicht zu stimmen. Trotzdem schieben viele Betroffene den Arztbesuch auf die lange Bank oder suchen gar keine medizinische Hilfe. So haben etwa 17 Prozent der Patienten mit Rektaltumoren berichtet, sie hätten nach Auftreten der ersten Symptome mindestens ein Jahr gewartet, bis sie ärztlichen Rat gesucht hätten.

Aus welchen Gründen sich Patienten der medizinischen Versorgung entziehen, haben Jennifer Taber et al. vom National Cancer Institute in Bethesda anhand der Daten einer Querschnittstudie (2008 Health Information National Trends Survey) untersucht ( Taber JM et al.: J Gen Intern Med 2014 ).

Zunächst wurden 7.674 Patienten telefonisch oder per E-Mail befragt, ob sie einen Arztbesuch vermeiden würden, auch wenn sie vermuteten, dass dieser notwendig sei. Die 2.327 Probanden, die darauf mit „Ja“ geantwortet hatten, gaben Bewertungen zu drei vorformulierten möglichen Gründen ab und konnten zudem eigene Aspekte nennen. Es stellte sich heraus, dass 26,8 Prozent auf eine medizinische Versorgung verzichteten, weil sie sich unwohl fühlten, und weitere 26,4 Prozent, weil sie Angst vor einer schweren Erkrankung hatten. Bei der qualitativen Analyse der selbstformulierten Antworten von 1.369 Teilnehmern kristallisierten sich drei Hauptrichtungen heraus.

Gruppe 1: Übliche, allgemeine Hinderungsgründe

Die größten Hürden, eine medizinische Einrichtung aufzusuchen, waren für 58,4 Prozent der Probanden vorwiegend praktischer Art: zu teuer, keine Krankenversicherung, zu unangenehm, keine Zeit, zu weiter Weg, zu krank, um es bis in die Praxis zu schaffen, keine Transportmöglichkeit etc.

Gruppe 2: Skepsis gegenüber dem Medizinbetrieb

Mehr als ein Drittel der Probanden war generell negativ gegenüber medizinischen Einrichtungen eingestellt. Die Gründe hierfür waren vielfältig: Direkt gegen den Arzt richteten sich beispielsweise Bedenken bezüglich dessen Kompetenz, oder es bestanden Befürchtungen, dass unnötige Tests oder Therapien durchgeführt würden.

Viele Patienten scheuten auch den Aufwand des Arztbesuchs sowie die langen Wartezeiten. Außerdem wurde über Kommunikationsprobleme und mangelndes Vertrauen bzw. wenig Einfühlungsvermögen berichtet. Manche mochten einfach keine Ärzte.

Aber auch die Angst vor schlechten Nachrichten, die Abneigung gegenüber Medikamenten und Empfehlungen von Ärzten sowie schlechte Erfahrungen mit dem Medizinbetrieb hielten kranke Menschen davon ab, einen Arzt aufzusuchen.

Einige Befragte gaben an, sie wollten einfach nicht mehr ständig hören, dass sie zu dick seien, dass sie endlich ihr Alkoholproblem in den Griff bekommen oder das Rauchen unterlassen sollten.

Gruppe 3: „Ich bin doch nicht krank“ oder „Die Zeit heilt alles“

In der dritten Gruppe der Arztvermeider haben Taber et al. diejenigen zusammengefasst, die die Notwendigkeit einer medizinischen Versorgung nicht erkennen konnten (12,2 % der Gesamtgruppe). In dieser Gruppe kann die Vermeidungshaltung schon vor dem Auftreten der ersten Symptome beginnen, etwa bei Früherkennung und Prävention. Später werden Symptome vernachlässigt oder ignoriert. Einige nahmen an, dass sie nicht krank genug seien, um ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die meisten aus dieser Gruppe waren der Auffassung, dass sich Krankheiten mit der Zeit ohnehin von allein bessern würden, und vertrauten ihren Selbstheilungskräften.

springermedizin.de, Ärzte Woche 49/2014

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