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© Klaus Ranger Fotografie
 
Praxis 3. Mai 2016

Der eigenständige Kranke

Online-Tools ermuntern Patienten zur Basteln von Selbstdiagnosen, sie haben aber auch ihre Meriten.

Der Reiz an den neuen internetbasierten Anwendungen liegt darin, vom reinen Konsumenten zum Mitgestalter zu werden. In der Praxis sind neue Medien vor allem als Terminplaner und Blutdruck-Apps im Einsatz.

Neue Medien verändern das Kommunikationsverhalten zwischen Arzt und Patient: Einerseits gebe es einen Trend zur Entpersonalisierung, andererseits werde durch die neuen Kommunikationstools das „sich kümmern“ leichter. „Ein Mehr an Interaktion zwischen Patienten und Arzt ist möglich und ein Mehr an Feedback.“ Das sagt Prof. Dr. Dieter Magometschnigg, Facharzt für Innere Medizin und Klinische Pharmakologie vom Institut für Hypertoniker.

Das Internet biete unzählige Möglichkeiten, sich mit Gesundheit auseinanderzusetzen. Vieles trage aber auch zur Verwirrung bei. Sich im Internet in einer Vielzahl von unterschiedlichen und sich auch oft wiedersprechenden Informationen zurecht zu finden, stelle für Patienten eine Herausforderung dar. Gerade die Suche nach Symptomen führe oft dazu, dass Menschen mit selbst gebastelten Diagnosen in die Arztpraxis kommen.

Identifizierbare Experten, die für Inhalte Verantwortung übernehmen, seien der beste Qualitätsnachweis, wenn man Informationen aus dem Netz Glauben schenken wolle, sagt Prof. DDr. Johannes Huber, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Huber betreut den Fachbereich Frauengesundheit auf der Plattform mednanny. Die Nutzer bräuchten keine langen Texte, sondern bekommen „kurze, klare Hinweise“ und die wichtigsten Fakten. Prim. Prof. Dr. Bernhard Ludvik von der 1. Medizinischen Abteilung mit Diabetologie, Endokrinologie und Nephrologie der Krankenanstalt Rudolfstiftung sieht Vorteile von Online-Tools: „Für Menschen mit Diabetes ist die Terminvergabe über das Internet eine nützliche Modernisierung. Sie haben durch ihre Krankheit, die Auswirkungen auf den ganzen Körper hat, viele Arztbesuche zu absolvieren. Denn die Folgeerkrankungen des Diabetes können genauso die Augen wie die Füße betreffen und somit sind Vorsorgeuntersuchungen bei Spezialisten nötig.“

Die Terminvergabe über Internet bewirke eine Entlastung des Praxispersonals und eine effizientere Auslastung der vorhandenen Ressourcen, sagen die Experten. Evaluierungen beweisen, dass dadurch bis zu 70 Prozent weniger Aufwand bei der Terminplanung erreicht werden kann, da die Mitarbeiter sonst einen Großteil ihrer Zeit mit der telefonischen Terminvereinbarung verbringen.

Drei Millionen Österreicher haben ein Risiko für Bluthochdruck. Magometschnigg: „Jeder sollte sein persönliches Risiko für Herz-Kreislauf Erkrankungen kennen. Ganz wichtig bei Bluthochdruck ist jedoch auch das regelmäßige Blutdruckmessen durch den Patienten. Dank der modernen Technik ist das heutzutage einfach und sehr präzise möglich. Moderne Blutdruckmessgeräte helfen so entscheidend mit, z. B. in Kombination mit Blutdruck-Apps, den Blutdruck gemeinsam mit dem Arzt im Auge zu behalten.“

Termine, die leicht vergessen werden können, werden durch zeitgemäße Onlinetools in Erinnerung gerufen: Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen, Medikamenteneinnahme oder Medikamentennachkauf.

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