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Praxis 15. März 2016

„So macht Arbeit mehr Spaß“

Chefs müssen heute mehr können als anschnauzen und runtermachen, Sozialkompetenz ist gefragt.

Die Wirtschaft befindet sich in einem Umbruch – die Unternehmen auch. Denn die psychische Gesundheit von Mitarbeitern entwickelt sich von einem Tabu- zu einem Erfolgsthema, sagt der Soziologe und „Springer“-Autor Dominik Dallwitz-Wegner.

Sie fordern in Ihrem Buch „Unternehmen positiv gestalten“ (Anm.: Springer, ISBN 978-3-658-05039-9) eine „positive Evolution der Wirtschaft“. Was meinen Sie damit?

Dallwitz-Wegner: Wir befinden uns in einem Umbruchprozess. Die Wirtschaftswelt verändert sich. Es ist wie in einem evolutionären Prozess, in dem sich Lebensformen an ihre Umwelt anpassen, um zu überleben. Aus vielerlei Gründen ist Wachstum und Bestandsschutz in Zukunft nur noch zu erreichen, wenn wir die Ressource Mensch ernst nehmen. Immer mehr Manager interessieren sich für werteorientiertes Handeln, junge Talente suchen sich ihren Arbeitsplatz auch danach aus, ob er vom Leitbild her passt, immer mehr Arbeitnehmer fordern ein, unter psychisch gesunden Bedingungen zu arbeiten. Unternehmen müssen das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter ernst nehmen. Die Forschung zeigt, dass sich das vielfältig lohnt. Konkret heißt das für Unternehmen, dass sie Messinstrumente einführen müssen, um die psychische Gesundheit zu erfassen, Gefahren vermeiden und Instrumente zur Verfügung haben, die psychische Gesundheit erhalte: Arbeitszeit- und Pausenregelung, Zielorientierung, positive Kommunikationskultur, sozialkompetente Führung, Team Building oder Selbstbestimmung in Arbeitsprozessen.

Wie können Führungskräfte Unternehmen positiv gestalten?

Dallwitz-Wegner:Führungskräfte können die Weiterbildung der Arbeitnehmer im Bereich Selbstfürsorge fördern, teamfördernde Maßnahmen einführen oder strukturelle Bedingungen für eine positive Unternehmenskultur schaffen. Allerdings sollten sie auch selbst als Vorbild agieren, also sich selbst in Sozialkompetenz oder werteorientiertem Handeln schulen. Auf der einen Seite wird dadurch die Tätigkeit einer Führungskraft aufwändiger, da sie auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter eingeht, statt nur Anweisungen zu geben. Auf der anderen Seite entlastet das die Führungskräfte durch mehr Selbstfürsorge, eigenverantwortliches Handeln der Mitarbeiter und dem Gefühl, die Ziele gemeinsam zu erreichen. Insgesamt führt das zu einer positiven Bilanz, aus der Führungskräfte und Mitarbeiter ihren Nutzen ziehen und langfristig leistungsfähig bleiben. So macht Arbeit mehr Spaß.

Wie ist die Metapher des Reiters und des Elefanten zu verstehen?

Dallwitz-Wegner: Kennen Sie die Sprüche „Seien Sie doch mal vernünftig!“ oder „Muss ich denn alles zweimal sagen?“ Wann haben solche Sprüche denn wirklich etwas bewirkt? Die Forschung belegt, dass ein Großteil unseres Verhaltens keine bewusst rationalen sondern unbewusste Ursachen haben. Und das eben nicht nur im Privatleben, sondern auch im beruflichen Alltag. Diese Ursachen drücken sich emotional und sozial aus. Immer, wenn sie mit Menschen zu tun haben, in Teams Ziele erreichen möchten, ist ihre Sozialkompetenz gefragt. Und dafür steht die Metapher des Reiters als Bewusstsein und des Elefanten als Unterbewusstsein. Mit diesem Bild kann deutlich gemacht werden, warum und wie wir agieren sollten, um eine positive Evolution der Unternehmenskultur zusammenzubringen. Die Kombination aus Rationalität, Emotion und Sozialkompetenz ist der beste Weg für modernes und lang anhaltend leistungsfähiges Arbeiten.

Wie lassen sich die Rationalität des Reiters und die emotionale Seite des Elefanten kombinieren?

Dallwitz-Wegner:Sie können ein Kompetenzteam aus verschiedenen Bereichen des Unternehmens zusammenstellen. Dieses Team überprüft die bisherigen Erfolge von Weiterbildung, fördernden Unternehmensstrukturen oder betrieblichem Gesundheitsmanagement. Gemeinsam sollten Messinstrumente gefunden, eingeführt und mit bestehenden Kerndaten des Unternehmens kombiniert werden. Aufgrund dieser Messungen kann das Team Bereiche identifizieren, die besonders förderungsfähig erscheinen.

springerprofessional.de, Ärzte Woche 11/2016

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