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Pulmologie 20. November 2015

Phytotherapie bei Sinubronchialem Syndrom

Erhöhte Wirkstoffkonzentration wirkt noch besser und reduziert Antibiotikabedarf.

Die Atemwege beginnen bei der Nasenspitze und reichen bis zur Lungenbasis. Sie bilden eine Einheit, auch im Krankheitsfall – man spricht vom Sinubronchialen Syndrom. Die Behandlung kann mit pflanzlichen Wirkstoffen „in allen Stockwerken“ und wissenschaftlich gut untermauert erfolgen.

Das Sinubronchiale Syndrom – also die gleichzeitige Erkrankung der oberen und unteren Atemwege - war Leitthema eines von SANOVA gesponserten Symposiums im Rahmen des diesjährigen HNO-Kongresses in Innsbruck. „Schulmedizinisch steht am Anfang die Rhinitis“, beschrieb Univ.-Prof. Dr. Andreas Temmel aus Wien das Wesen des Sinubronchialen Syndroms: „Die Rhinitis setzt sich von der Nasenschleimhaut über die Ostien in die Nebenhöhlen fort und verursacht dort eine weitere Schleimhautentzündung.

Über den Verschluss der Eingänge, fehlende Ventilation und Drainage entsteht Unterdruck in der Nebenhöhle und Sekret wird retiniert, was einen wunderbaren Nährboden für Bakterien darstellt.“ Es kommt zu einem Abfall des pH-Wertes und dadurch zu einer Störung von Zilienfunktion und mukoziliärer Clearance. Zytokine locken Eosinophile an, diese setzen Eiweißstoffe frei, welche das Epithel schädigen und die Basalmembran freilegen.

Von der Sinusitis zur Bronchitis geht es über die nasale Obstruktion, postnasale Sekretion, stille Aspiration und die systemische Absorption: „Auch bei intubierten Intensivpatienten mit Cuff – also unter Aspirationsschutz – kann man fallweise einen Übergang von Sinusitis zu Bronchitis und Pneumonie beobachten,“ so Temmel.

In der modernen Medizin gilt daher: One Airway – one disease. Und diese „disease“ soll gemäß moderner Leitlinien therapiert werden. Bei akuter und chronischer Rhinosinusitis gibt es unterschiedliche Therapieansätze – populär sind etwa abschwellende Nasentropfen. Allerdings gibt es über die therapeutische Sinnhaftigkeit abschwellender Medikamente bislang keine randomisierte Doppelblindstudie. Eine andere verbreitete Therapiemaßnahme sind Nasenspülungen: In einer Studie mit über 5000 Teilnehmern mit akuter Rhinosinusitis zeigten diese keinen Effekt, bei chronischen Verlaufsformen brachten die Spülungen ebenso wie Dampfinhalationen Linderung. „Chemische“ Therapieoptionen sind Kortikoidspray (nachgewiesen sind Linderung bei akuter Rhinosinusitis, Linderung und auch Heilung bei chronischer oder rezidivierender, evtl. polypöser Sinusitis) und Antibiotika, die nur bei eitriger Sekretion indiziert sind. Als sanfte Alternative bietet sich bei akuter – nicht bei chronischer – Rhinosinusitis noch die Akupunktur an, operative Eingriffe wiederum sind bei orbitalen Komplikationen und zur Entfernung von polypoidem Gewebe indiziert.

Leitlinienkonforme pflanzliche Therapiealternative

Im Gegensatz zu den rein chemisch hergestellten Mucolytica und Secretolytica, für die in den Leitlinien keine therapeutische Indikation enthalten ist, stellt das Gemisch aus Enzian-, Holunder-, Schlüsselblumen-, Sauerampfer- und Eisenkrautextrakt namens Sinupret® intens dank hochwertiger Studien eine leitlinienkonforme pflanzliche Therapiealternative dar, wie Temmel hervorhob: „Bei Myrtol- oder Gentianapräparaten sind sowohl Symptomlinderung als auch Heilung dokumentiert.“ Voraussetzung dafür ist die zeitnahe Einnahme des Wirkstoffes in ausreichender Dosierung – das neue Sinupret® intens, vierfach höher konzentriert als das bisherige Sinupret® forte, kann hier sehr gut eingesetzt werden.

Studien bestätigen die verbesserte Wirksamkeit bei erhöhter Wirkstoffkonzentration an Hand der Reduktion Rhinosinusitis-spezifischer Symptome (Abb. 1) (1, 2). Der therapeutische Effekt ist laut Studien dosisabhängig (3, 4, 5), was ebenfalls für das neue Sinupret® intens spricht. „Es gibt eine deutliche Dosis-Wirkungs-Beziehung“, so Temmel. Einen weiteren Zusatznutzen beim viralen Infekt stelle die Neuraminidasehemmung durch Sinupret® intens dar, ergänzte Temmel. Dadurch werde die Replikationsfähigkeit der Viren beeinträchtigt und so die mittlere Krankheitsdauer um zwei Tage verkürzt.

In der postantibiotischen Ära

Seit Anfang der 90er Jahre wurde er im Klinikalltag zunehmend mit resistenten Mikroorganismen konfrontiert, berichtete Univ.-Prof. Dr. Josef Peter Guggenbichler, emeritierter Extraordinarius der Abteilung Infektiologie und Präventive Medizin an der Kinder- und Jugendklinik der Universität Erlangen. Daher beforscht er seit Jahren Phytopharmaka bei Infektionen des Respirationstraktes als mögliche Alternativen. Die breite Verwendung von Antibiotika zur Infektprophylaxe und in der Tierzucht sowie die Verwendung von Präparaten mit langer Halbwertszeit habe zu Resistenzentwicklungen geführt – nun befänden wir uns in der postantibiotischen Ära: „Infektionen beginnen an Epitheloberflächen: Toxinbildung, Invasivität und die Haftfähigkeit an Epithelzellen sind ausschlaggebend; fehlt eines dieser Elemente, ist keine Pathogenität gegeben.“

Die Mehrzahl der Infektionen der oberen Luftwege beginnt als Virusinfektion, bei 20 bis 35 Prozent der Patienten komme es im Verlauf zu einer bakteriellen Superinfektion, so Guggenbichler. Die Virusinfektion behindert die unspezifische körperliche Abwehr unter anderem durch Störung der mukoziliären Clearance und Änderung der Viskosität des Mukus; daraus resultiert eine gesteigerte Adhärenz von Bakterien an virusbefallene Zellen. Guggenbichler: „RS-Viren etwa führen nicht nur zu einem gestörten Abtransport des Mukus, sondern auch zu einer um ein Vielfaches gesteigerten Oberflächenadhärenz von Hämophilus influenzae-Bakterien,“ – ein Geschehen, das auch durch Antibiotikagabe (AB) im Vorfeld nicht verhindert werden kann, denn: „Wenn 36 bis 48 Stunden nach Beginn der prophylaktischen AB-Therapie tatsächlich eine bakterielle Superinfektion eintritt, dann mit einem gegen das gegebene AB resistenten Keim!“ Als therapeutisch wirksame Alternative nennt Guggenbichler Phytopharmaka, die zu einer Verbesserung der mukoziliären Clearance und Sekretomotorik sowie zur Sekretolyse führen.

Komplexe Wirkung der pflanzlichen Kombination

Die Sekretomotorik und Sekretolyse werde durch, Myrte und Eukalyptus ebenso wie Primel, Eisenkraut, Enzian und Holunder verbessert, was mittels spezieller Hochgeschwindigkeitskameras auch gefilmt werden konnte. Sinupret® und nun in höher konzentrierter Form Sinupret® intens können auf diesem Weg durch Stärkung der unspezifischen Abwehrmechanismen den Übergang vom viralen zum bakteriellen Infekt verhindern und damit Antibiotika einsparen helfen.

Die pflanzlichen Wirkstoffe entfalten eine Vielzahl komplexer Wirkungen. Als Beispiel nannte Guggenbichler die Blockade der Haftfähigkeit von Mikroorganismen mittels rezeptoranaloger Kohlenhydrate: „Dies wurde auch für Schlüsselblumenextrakt nachgewiesen, das in Sinupret ebenfalls enthalten ist.“ Dazu kommt die antivirale Wirksamkeit der pflanzlichen Wirkstoffe, „die“, so Guggenbichler, „Antibiotika gar nicht besitzen“ (6). Zu beobachten war auch eine antientzündliche Wirkung der Triterpene etwa im Primelextrakt des Präparates Bronchipret®: „Diese bewirken einen Antagonismus proinflammatorischer Zytokine mit nachgewiesener Verminderung der COX2-Expression sowie spasmolytische Eigenschaften,“ so Guggenbichler und verwies diesbezüglich auf neuere Studien, in denen die Hemmung des Arachidonsäurestoffwechsels durch Triterpene beschrieben wird (7). Darin wurde gezeigt, dass bei COPD mit Triterpenen vergleichbare Ergebnisse wie mit Budesonid-Inhalation zu erzielen sind.

Referenzen:

1. Bachert C et al; Multicentre, Randomised, Double-blind, Placebo-controlled Parallel-group Dose-Finding Study of Herbal Medicine (Dry Extract) BN-1016 in Acute Rhinosinusitis (ARhiSi-1); 84. Jahresversammlung der Dt. Ges. f. HNO-Heilkunde 2013

2. Jund R et al; Acta Oto-Laryngologica. 2015; 135: 42-50

3. Kreindler J et al; The American Journal of Rhinology and Allergy 2012;26(6):439–443;

4. Rossi A et al; Fitoterapia 2012;83(4):715–720;

5. Glatthaar-Saalmüller B et al; Phytomedicine 2011;19:1–7

6. data on file (Bionorica SE)

7. UR Juergens et al; COPD: Pharmacological treatment new agents. April 1, 2009, A4584).

Quelle: Satellitensymposium „Das sinubronchiale Syndrom“ im Rahmen des 59. Österr. HNO Kongresses, veranstaltet von Sanova Pharma GmbH. 17. Sept. 2015, Innsbruck

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