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Praxis 28. September 2015

Dr. Google ist ein schlechter Kollege

Ein Drittel der Diagnosen aus dem Internet ist mangelhaft oder überhaupt ungenügend.

Mehr als 40 Millionen Suchanfragen in einem Jahr verzeichnete Google zu 50 Krankheitsbildern. Eine Studie analysiert, welche Indikationen gesucht werden und wie es um die Qualität der medizinischen Ratgeber im Web bestellt ist.

Das Internet wird, neben den Hausärzten, für immer mehr Patienten ein wichtiger Begleiter ihrer Krankengeschichte. Rund 80 Prozent der knapp 40 Millionen Internetnutzer in Deutschland sucht im Web nach Gesundheitsthemen. Allein die weltweit größte Suchmaschine Google verzeichnete im Zeitraum November 2013 bis Oktober 2014 zu 50 definierten Krankheitsbildern mehr als 41 Millionen Suchanfragen aus Deutschland. Spitzenreiter war dabei Struma mit durchschnittlich 294.000 Suchen pro Monat. Auf Rang zwei und drei folgen Diabetes (140.220 Suchen pro Monat) und Hämorrhoiden (127.400), danach Magenschleimhautentzündung (118.740) und Magersucht (109.020). Die „Top Ten“ voll machen die Themengebiete Neurodermitis (107.240), ADHS (103.720), Depression (102.430), Durchfall (99.270) und Bluthochdruck (96.470). Das geht aus der aktuellen Studie „Praxis Dr. Internet“ des private Central Krankenversicherung hervor. Die Studie fuße auf der Analyse der oben genannten 41 Millionen Google-Suchen.

Basis der Erhebung sei eine Auflistung von Krankheiten, die auf Grundlage öffentlicher Diagnosestatistiken der Kassenärztlicher Vereinigungen sowie der Expertise eines Ärzteteams der Central erstellt worden sei. Diese umfasse insgesamt 50 Krankheiten, darunter 36 der am häufigsten diagnostizierten Erkrankungen Deutschlands sowie die nach Ansicht von Central 14 wichtigsten tabuisierten Krankheiten. Letztere führten seltener zum Arztbesuch, aus Sicht der Versicherung entweder aus Schamgefühl, oder weil sie für den Betroffenen zwar störend sind, im Allgemeinen jedoch als Nichtigkeit gelten.

Einen zweiten Schwerpunkt setzte die Central auf die qualitative Bewertung von medizinischen Ratgeber-Websites. Ergebnis: Mit 33 Prozent schnitt knapp ein Drittel der 100 untersuchten Websites, in Schulnoten abgebildet, mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ab. Als Durchschnittsnote erreichten die Online-Ratgeber laut Central eine „4+“ und damit gerade einmal ein ausreichendes Resultat. Kein Angebot erzielte die Note „sehr gut“, nur neun Online-Ratgeber wurden mit „gut“ bewertet.

Für die Website-Analyse wurden für die zehn am häufigsten bei Google gesuchten Krankheiten zunächst jener Suchbegriff eines Begriffsclusters identifiziert, der das höchste singuläre Suchvolumen aufwies. Mittels dieses Suchbegriffs wurden die ersten zehn Treffer bei der Suchmaschine identifiziert, die keine werblichen Inhalte waren und Ratgeberinformationen beinhalten. Für Dr. Thomas Hormann, Gesundheitsmanager der Central, droht, dass Gesundheitssurfer auf Grundlage falscher Informationen selbst Diagnosen erstellen und sich schlimmstenfalls selbst behandeln.

Die heimische Bioethikkommission empfiehlt: Eine bessere Kennzeichnung qualitätsgesicherter Inhalte durch die öffentliche Hand, bildungspolitische Maßnahmen zur Förderung von „Health Literacy“ und „Internet Literacy“ in der Bevölkerung, Aus- und Weiterbildung zur Internetnutzung für medizinisches Fachpersonal sowie die Förderung von Forschungsvorhaben zur Internetnutzung zu Gesundheitsthemen, abrufbar unter goo.gl/3x4hW6 .

springermedizin.de, Ärzte Woche 40/2015

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