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Vor dem Arztbesuch lieber im Internet nachschauen? Das ist heutzutage eher die Regel als die Ausnahme.
 
Praxis 3. November 2014

Dr. Google als Kollegen einbinden

Informierte Patienten können die Kommunikation auch leichter machen.

Viele Patienten informieren sich heute im Internet über ihre Gesundheit. Ärzte sollten „Dr. Google“ aber nicht als Konkurrenz verstehen. Er kann ein nützlicher Kollege sein. Ein Experte erklärt, wie.

Immer mehr Patienten informieren sich vor dem Arztbesuch im Internet über Symptome, Krankheiten und Therapiemöglichkeiten. Aber: Darüber reden sie nicht mit ihrem Arzt.

Die Gründe dafür sind vielfältig, wie Prof. Rainer Bromme vom Institut für Psychologie an der Uni Münster erklärt: „Die Patienten wollen ihre Beziehung zum Arzt nicht belasten, sie haben Angst, dass sie seine Autorität durch die Recherche im Netz infrage stellen. Zudem befürchten sie, dass sie nicht ernst genommen werden. Andererseits versuchen sie aber, mit dem Arzt auf Augenhöhe zu kommunizieren.“

Ärzte wissen, dass sich ihre Patienten im Internet informieren, sprechen sie ihrerseits aber nicht darauf an – was zu einer schwierigen Kommunikationssituation führen kann. „Dass man sich im Internet informiert, ist heute Realität, aber es ist nichts Neues, dass Patienten eine weitere Meinung oder Informationen, etwa bei Freunden oder Verwandten, einholen“, sagt Bromme. „Der Arzt ist eine Stimme unter vielen, das muss er aushalten.“

Franz-Joseph Bartmann von der deutschen Bundesärztekammer sagte in einem Artikel der ZEIT „Der Arzt am Leib“ (Ausgabe 38): „Natürlich ist es schon eine Art Kränkung, wenn derjenige, der eigentlich um Rat nachsucht, über eine spezielle Erkrankung mehr weiß als man selbst, wenn auch nur vermeintlich. Die Kompetenz, die man früher mühsam in Jahren des Studiums erworben hat, wird angekratzt durch die globalen Informationsmöglichkeiten für jedermann. Aber ich glaube, dass die meisten Ärzte gelernt haben, damit umzugehen.“

Seriöse Adressen im Wartezimmer auslegen

Für Patienten, etwa mit seltenen Erkrankungen, hat das Internet vieles einfacher gemacht, zum Beispiel andere Betroffene zu finden und sich mit diesen auszutauschen. Auch lässt sich tagesunabhängig informieren, etwa nachts, wenn Patienten Schmerzen haben und nicht schlafen können. Es ist daher hilfreich, wenn Ärzte auf die Bedürfnisse ihrer Patienten nach Informationen aus dem Internet konstruktiv eingehen. So könnten sie etwa Empfehlungen von guten und informativen Internetseiten weitergeben oder auch im Wartezimmer eine Liste mit seriösen Internetadressen auslegen.

„Leider gibt es keinen fertigen Katalog mit guten Seiten“, sagt Bromme. „Ärzte müssen daher selbst ein wenig Zeit investieren und im Netz schauen. Dies ist auch grundsätzlich hilfreich, da sie so auch auf Seiten geraten, die sie vielleicht nicht empfehlen würden. Sie wissen dann aber, welche Seiten es gibt und auf welchen Seiten sich ihre Patienten informieren.“

Da auch immer mehr Ärzte im Netz nach Informationen suchen, kennen sie meist schon die eine oder andere Seite, die sie auch ihren Patienten weiterempfehlen können. Wichtig sei aber, dass Ärzte nicht nur aus Zeitmangel auf das Internet verweisen, anstatt selbst alle Fragen des Patienten zu klären.

In einer Studie von Bromme und Kollegen zu „Dr. Google – geschätzter Kollege? Die Rolle des Internets in der Arzt-Patienten-Interaktion“, in der Hausärzte zu ihrer Einschätzung der patientenseitigen Internetrecherche befragt wurden, zeigte sich bereits 2009 der Wunsch der Ärzteschaft, den Patienten geeignete Websites empfehlen zu können. Studien aus dem englischsprachigen Raum haben zudem gezeigt, dass auch viele Patienten den Wunsch nach Empfehlungen ihres Arztes bei der Internetrecherche haben.

Die 51 Hausärzte, die an dieser Studie teilnahmen, sahen auch durchaus Vorteile, wenn sich ihre Patienten vorab informieren: Durch die Informationen aus dem Internet werde die Kommunikation erleichtert und Patienten seien in der Lage, gezielt Fragen zu stellen.

Ein weiterer Vorteil der Internetrecherche durch die Patienten könne darin liegen, dass aus der Informationsgewinnung eine stärkere Mitarbeit bei der therapeutischen Zielerreichung resultiere.

Schwierig werde es, wenn die vom Patienten gefundene Info nicht mit der Erklärung und Empfehlung des Arztes übereinstimmt, dann leide die Compliance und der Therapieerfolg, heißt es in der Studie.

Internet als Teil der Krankheitsbewältigung

Die Internetnutzung lasse sich auch als Teil der persönlichen Krankheitsbewältigung des Patienten verstehen, so Bromme. Wenn der Arzt verständnisvoll auf die Bedürfnisse des Patienten während der Behandlung eingeht und gegebenenfalls das Internet mit einbezieht, kann dies auch die Therapie erfolgreich beeinflussen.

„Natürlich bringt das Internet auch Risiken mit sich“, sagt Bromme. „Patienten können Informationen falsch interpretieren oder auf unseriöse Seiten gelangen, aber trotz dieses Risikos sollten Ärzte wohlwollend akzeptieren, wenn sich ihre Patienten im Internet informieren. Der Arzt kann allerdings versuchen, die Nachteile aufzufangen.“

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