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© World History Archive/dpa
Ein Plakat aus dem Jahr 1917 macht die Furcht vor „La Tuberculose“ deutlich.
 
Pulmologie 23. März 2016

Alte Angst – neue Not

Welttuberkulosetag am 24. März erinnert an die Bedrohung durch die Schwindsucht.

Tuberkulose ist nach wie vor eine der häufigsten und auch gefährlichsten Infektionserkrankungen weltweit. Es ist eine Erkrankung der Armen, der Kriegsopfer, der Migranten und Flüchtlinge, die in Massenquartieren untergebracht sind. Doch auch Prominente waren vor der Schwindsucht nicht gefeit.

August Neilreich war Wiener und der vielleicht beste Botaniker des 19. Jahrhunderts. Zu seinen Freunden zählte Ludwig Ritter von Köchel – genau: der mit dem Verzeichnis. 1871 verfasste Köchel den Nachruf auf seinen an Tuberkulose zugrunde gegangenen „verewigten Freund“ Neilreich und zitierte aus dessen Tagebüchern: „die Tuberculose schritt langsam aber ununterbrochen vorwärts, sie war in ihr letztes Stadium getreten“. Die Krankheit war bei Neilreich 1856 voll ausgebrochen, der emsige Naturkundler wurde zum Stubenbotaniker degradiert: „überall wirkten sie (Anm.: die Krankheiten) störend, lähmend, vernichtend ein, setzten meinen redlichsten Bestrebungen stets ein gebieterisches ,Halt, bis hierher und nicht weiter’ entgegen“.

Neilreich ist natürlich nur ein Vertreter in einer langen Liste Gelehrter, Künstler, Adeliger, die an „Tuberculose“ litten, wie auch Friedrich Schiller, Frédéric Chopin, Franz Kafka, Christian Morgenstern, Kaiserin Sisi, Alexander Moissi, Vivien Leigh und Cat Stevens.

Die Schwindsucht hat viel von ihrem einstigen Schrecken verloren, dennoch ist Tuberkulose weltweit nach wie vor eine der häufigsten und auch gefährlichsten Infektionserkrankungen, an der jährlich etwa 10 Millionen Menschen erkranken und mehr als 1,5 Millionen sterben.

Die weltweiten Erkrankungsraten sind rückläufig, sagt Prof. Dr. Meinhard Kneussl, Präsident der Pneumologie-Gesellschaft, allerdings „stellen immer häufiger diagnostizierte Erkrankungen mit resistenten Keimen eine besondere Bedrohung dar.“ Eine Heilung sei hier im internationalen Schnitt nur bei weniger als der Hälfte der Patienten möglich.

Noch ein Blick zurück: „King’s evil“ nannte man die Hauttuberkulose, auch: Skrofulose genannt, nach der Braunwurz, einem Heilkraut, bis in Neilreichs Zeiten – im Glauben, der gesalbte König könne durch Handauflegen die Patienten von ihren Leiden erlösen. In Wahrheit bestand bei diesen historisch verbürgten Ritualen auf engstem Raum Ansteckungsgefahr. Am längsten hielt sich der Brauch im katholischen Frankreich.

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