zur Navigation zum Inhalt
Clostridium difficile ist äußerst beständig gegenüber konventionellen Desinfektionsmitteln.
 
Infektiologie 17. Februar 2015

Der stille Feind im Krankenhaus

Etwa jede vierte Clostridium-difficile-Infektion wird nicht diagnostiziert und daher nicht behandelt.

Der Keim ist äußerst beständig gegenüber konventionellen Desinfektionsmitteln und Umwelteinflüssen und kann den immungeschwächten Organismus schwer belasten. Das Bakterium Clostridium difficile stellt vor allem für ältere und chronisch kranke Patienten sowie Patienten unter Antibiotikatherapie eine erhebliche Steigerung des Mortalitätsrisikos dar. Die strikte Einhaltung von Hygienemaßnahmen und ein überlegter Einsatz von Antibiotika sind die wichtigsten Säulen in der Infektionskontrolle.

In Österreich sterben jährlich mehr Menschen an einer Clostridium difficile-Infektion (CDI) als an Verkehrsunfällen, stellte Prof. Franz Allerberger von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) kürzlich anlässlich einer Anhörung im Europäischen Parlament der Initiative CDI Europe fest. Die amerikanischen Centers for Disease Control (CDC) sehen CDI als die derzeit wichtigste Resistenzbedrohung und in der EU werden sie als „priority disease“ bezeichnet. Das Problembewusstsein ist in den Spitälern allerdings verbesserungswürdig.

Die Ergebnisse der EUropean, multi-centre prospective bi-annual point prevalence study of CLostridium difficile-Infection in hospitalised patients with Diarrhea (EUCLID) zeigen einen Anstieg der CDI-Inzidenz von 4.129 je 10.000 Patientenbett-Tagen im Jahr 2008 auf 7,9 bei der Erhebung 2012/13. Etwa 40.000 CDI-Fälle werden allerdings pro Jahr in Europa nicht erkannt. Das bedeutet, dass etwa jeder vierte CDI-Patient aufgrund fehlender oder ungenauer Diagnostik übersehen wird und somit auch keine rechtzeitige und adäquate Behandlung erhält.

Gefordert: Erhöhung der Behandlungsqualität

Um die Behandlungsqualität zu erhöhen, fordert die Initiative CDI Europe die Einhaltung von Diagnoserichtlinien, um CDI-Fälle erkennen und behandeln zu können und Ansteckungen zu vermeiden. Das würde auch helfen, Kosten zu sparen: An durchschnittlichen Kosten der häufig rezidivierenden Infektionen ermittelte beispielsweise die Universität Köln einen Betrag von 73.900 Euro pro CDI-Patient.

Die Infektion mit C. difficile erfolgt oral über die Aufnahme der Sporen aus der Umgebung. Diese Sporen keimen im Darm zu vermehrungsfähigen Bakterienzellen aus und überwuchern bei entsprechend gestörter Darmflora, etwa durch Antibiotika, die Darmschleimhaut. Die Schäden des Dickdarms und Entzündungen werden jedoch von den Toxinen verursacht.

Die Symptome einer CDI reichen von milder, selbst limitierender Diarrhoe bis zur pseudomembranösen Kolitis und dem toxischen Megakolon. Etwa zehn Prozent der Patienten, die Antibiotika erhalten, entwickeln eine CDI, aber nicht jeder Durchfall ist durch eine CDI verursacht, so Allerberger. Die Sterblichkeit ist allerdings bei CDI dreimal so hoch wie bei Durchfallerkrankungen im Krankenhaus anderer Genese.

Händewaschen mit warmem Wasser und Seife

Spitäler und Langzeitpflegeeinrichtungen sind die Orte, wo CDI vorwiegend auftreten, weshalb sie europaweit als Krankenhausinfektionen eingestuft werden. Der Schwerpunkt der Vorkommens liegt in den internen und intensivmedizinischen Abteilungen, weil hier der Einsatz von Antibiotika ein höherer ist.

Wirksamste Hygienemaßnahmen gegen eine Übertragung von C. difficile sind Händewaschen mit warmem Wasser und Seife und die Verwendung von sporoziden Flächendesinfektionsmitteln, stellt Dr. Agnes Wechsler-Fördös, Krankenhaushygienikerin in der Rudolfstiftung in Wien, fest.

Die Einhaltung von Antibiotic-Stewardship-Programmen umfasst die kontinuierlichen Bemühungen auf überregionaler Ebene, den Einsatz von Antibiotika bei hospitalisierten Patienten zu optimieren. Dabei geht es um die Überprüfung der Indikationen, die Verkürzung der Dauer der Antibiotikagabe, die Optimierung der Verabreichung und Restriktionen bei Antibiotikaklassen.

„Schon eine einzige Gabe eines Antibiotikums kann das Risiko für eine CDI steigern“, sagt Prof. Dr. Florian Thalhammer, Klinische Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin der Medizinischen Universität Wien. Daher sollte beispielsweise bei akuter Bronchitis, bei Bakteriurie oder auch Borreliose nur in wohl begründeten Fällen ein Antibiotikum zum Einsatz kommen. Für die perioperative Prophylaxe empfiehlt Thalhammer die Reduktion der Antibiotikagabe auf ein- bis zweimal anstelle der häufig geübten Praxis von einer Woche.

Die nächste EUCLID-Erhebung ist für 2016 geplant. Eine Verbesserung der Situation in Österreich, wo die Rate an jährlichen CDI bei 4,1 pro 10.000 Patiententagen liegt, soll durch die Aufnahme nosokomialer Infektionen und antimikrobieller Resistenzen in den Bundeszielsteuerungsvertrag erreicht werden. Die österreichische Hygiene-Leitlinie PROHYG 2.0 soll 2015 in einen Qualitätsstandard gemäß Gesundheitsqualitätsgesetz überführt werden. Dieser wird auch die verpflichtende Erfassung und Meldung von CDI enthalten.

Quelle: Pressegespräch „Clostridium difficile: Der stille Feind in meinem Krankenhaus“, Wien, 23. Jänner 2015

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben