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Haarausfall, aufgrund zu hoher Androgen-Werte, stört die Eitelkeit so manchen Mannes, jedoch fällt kein Zusammenhang zu einem erhöhten Prostatakarzinom-Risiko auf.
 
Andrologie 9. März 2015

Haarausfall ohne Relevanz

Frühe Glatze sagt kein Prostatakarzinom voraus.

Androgene sind sowohl für das Haar- als auch das Prostatawachstum bedeutsam. Eine frühe Glatze sagt aber nichts über das Prostatakarzinom-Risiko aus.

Der Zusammenhang ist auf den ersten Blick bestechend: Hohe Werte des Androgens Dihydrotestosteron (DHT) sorgen bei Männern mit androgenetischer Alopezie für einen vorzeitigen Haarverlust, gleichzeitig begünstigen hohe Androgenwerte das Prostatakarzinom-Risiko. Gut möglich also, dass ein Prostatatumor bei Männern umso wahrscheinlicher auftritt, je früher oder je vollständiger sie ihr Haar verlieren. Möglicherweise hat auch die Art des Haarverlustes etwas mit dem Krebsrisiko zu tun. Einige Studien hatten in der Vergangenheit entsprechende Hinweise geliefert, andere aber nicht. Zudem stammten die meisten der bisherigen Daten aus Fall-Kontroll-Studien mit recht begrenzter Aussagekraft, und in den wenigen Kohortenstudien fehlten oft Angaben zum Zeitpunkt des Haarverlusts, bemängeln Krebsforscher um Cindy Ke Zhou vom National Cancer Institute in Maryland.

Die Wissenschaftler haben nun versucht, solche Defizite über eine Analyse von Daten der Kohortenstudie „Vitamins And Lifestyle“ (VITAL) zu vermeiden. Sie konnten dabei Angaben zu über 32.500 Männern auswerten – unter anderem zum Haarwuchs. Den Männern, die zum Beginn der Studie zwischen 50 und 76 Jahre alt waren, wurden drei Abbildungen zum Haarstatus gezeigt: weitgehend volles Haar (Norwood-Hamilton-Stadium I und II), nur stirnseitig fortschreitender Haarverlust (Stadium IIa bis IVa) oder stirnseitig und zugleich vom Scheitel kreisrund fortschreitender Haarausfall (Stadium III-Scheitel bis VII). Sie sollten angeben, welches der Bilder im Alter von 30 und 45 Jahren sowie aktuell am ehesten zutraf.

Auch kein erhöhtes Risiko für aggressive Tumoren

Mit dreißig Jahren hatten danach 20 Prozent bereits einen androgenetischen Haarverlust, 46 Prozent waren es mit fünfundvierzig Jahren und zum Studienbeginn 61 Prozent. Im Laufe von neun Jahren wurden nun in der VITAL-Studie bei 2.306 Männern Prostatatumoren aufgespürt. Im Schnitt waren die Männer zum Zeitpunkt der Diagnose neunundsechzig Jahre alt.

Wie nicht anders erwartet, fanden die Forscher einige der üblichen Risikofaktoren: Die Rate für ein Prostatakarzinom war besonders bei den Männern hoch, bei denen Familienangehörige erkrankt waren, die rauchten oder geraucht hatten, die viel Alkohol tranken oder über eine BPH klagten. Allerdings zeigte sich weder ein Zusammenhang zwischen Prostatakarzinom-Rate und Alopezie zu irgendeinem Zeitpunkt noch ein Zusammenhang mit Art und Intensität des Haarverlustes. So hatten etwa von den Teilnehmern ohne spätere Prostatakrebs-Diagnose zum Studienbeginn 51 Prozent angegeben, mit fünfundvierzig keinen oder nur einen geringen Haarverlust bemerkt zu haben, nur etwas weniger, nämlich 50,5 Prozent waren es in der Gruppe mit späteren Prostatatumoren. Der geringe Unterschied war natürlich nicht statistisch signifikant.

Schauten sich die Forscher nun die Art der Tumoren genauer an und teilten sie in aggressive oder nicht aggressive Geschwülste, dann ergab sich ebenfalls kein Zusammenhang mit einer Alopezie. Egal, in welchem Alter der Haarverlust auftrat, die spätere Rate aggressiver und nicht aggressiver Tumoren war statistisch nicht signifikant höher als bei denen mit vollem Haar, der Unterschied schwankte zwischen minus 9 und plus 6 Prozent.

Originalpublikation: Zhou C. et al. Male Pattern Baldness in Relation to Prostate Cancer Risks: An analysis in the VITamins and Lifestyle (VITAL) Cohort Study. Prostate 2015; 75: 415–423; DOI 10.1002/pros.22927

springermedizin.de, Ärzte Woche 11/2015

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