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Urologie 16. Juni 2014

Leicht hinein, schwer heraus

Fremdkörper in der Urethra.

Die meisten Dinge des täglichen Gebrauchs haben einen sinnvollen Einsatzort. Dieser Ort ist in aller Regel nicht die Harnröhre. Dennoch stoßen Urologen in der Urethra auf so manchen Gegenstand, den man dort nicht vermuten würde.

Eine Gruppe von Urologen um Alexander Boyle hat acht Fälle von Patienten mit urethralen Fremdkörpern beschrieben, die sich in einem Zeitraum von acht Monaten in der Ambulanz der Universitätsklinik von Tampa, Florida, eingefunden hatten. Es handelte sich dabei um drei Männer, von denen einer viermal und die beiden anderen je zweimal vorstellig wurden. Bei den in den Urethren vorgefundenen Gegenständen handelte es sich um die Spitze eines Schreibstifts, einen Radiergummi, einen Bleistift, die Kappe eines Stifts, zwei Kugelschreiberfedern und zwei Drahtstücke.

Motivation und Symptome

Boyle und seinen Kollegen ging es aber nicht um die bloße Beschreibung eines kuriosen Phänomens. Vielmehr durchforsteten sie, von ihren Beobachtungen ausgehend, die durchaus vorhandene Literatur zum Thema. Sie fragten dabei nach der Motivation der Patienten sowie nach den klinischen Zeichen, die den Verdacht auf eine Fremdkörperinsertion wecken sollten, selbst wenn äußerlich nichts darauf hinweist.

Wenig erstaunlich, ist das motivierende Element für das Einführen von Gegenständen in die Harnröhre sexueller Natur. Erstaunlicher ist die Häufigkeit, mit der das geschieht: In einer Querschnittserhebung, für die mehr als 2.000 homosexuelle Männer befragt wurden, bejahten 10,7 % urethrale Sondierungserfahrungen. Das Morbiditätsrisiko der Betroffenen war erhöht, aber weniger der Manipulationen an der Harnröhre wegen. Vielmehr neigten diese Männer generell zu riskanterem Sex, was eine höhere Rate an sexuell übertragbaren Infektionen nach sich zog.

Dreitägige Verlegenheit

Das Problem ist meist nicht, einen Fremdkörper in die Urethra hineinzupraktizieren. Schwieriger ist es, ihn wieder herauszubekommen. Gelingt dies nicht, dauert es aus Verlegenheit meist länger als drei Tage, bis sich die Betroffenen ärztlicher Hilfe anvertrauen. Hämaturie, Schmerzen, Harnverhalt und/oder Symptome einer Infektion sind Beschwerden, die den Verdacht auf einen urethralen Fremdkörper wecken sollten. Dies gilt besonders, wenn zusätzlich Drogenmissbrauch und psychiatrische Diagnosen vorliegen.

Nötig sind eine genaue Anamnese und körperliche Untersuchung. Ist der Fremdkörper nicht zu lokalisieren, sollte eine Beckenübersichtsaufnahme angefertigt werden. Ein retrogrades Urethrogramm kann Strikturen und Extravasate aufdecken. Im ersten Versuch kann mit Lidocain-haltigem Gleitmittel und einem flexiblen Zystoskop an die Entfernung gegangen werden. Scheitert dies, ist eine Endoskopie unter Anästhesie anzuraten. Falls nötig, muss offen operiert werden.

Originalpublikation: Boyle A et al.: JCU 2014; 7 (3): 165–169

springermedizin.de, Ärzte Woche 25/2014

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