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Immunologie 3. Mai 2016

Entwarnung für Aschanti-Tiger

Haselnussallergie plus Erdnussallergie: In der Regel liegen keine Kreuzreaktionen vor.

Haselnuss und Erdnuss sind botanisch zwar nicht näher miteinander verwandt, viele Patienten sind trotzdem gegen beide Pflanzen allergisch. Eine Erdnussallergie bei Haselnuss-sensibilisierten Patienten scheint zufällig zu sein.

Die Haselnuss (botanisch-lateinisch: Corylus avellana) als „Frühblüher“ ist verwandt mit Birke und Erle, nicht aber mit der Erdnuss (Arachis hypogaea), die zur Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae/Leguminosae) gehört. Deshalb ist es unwahrscheinlich, dass die Proteine und damit die potenziellen Allergene beider Pflanzenarten molekularbiologisch übereinstimmen. Um das tatsächlich ausschließen zu können, wurden mögliche Kreuzreaktivitäten an einer retrospektiv gebildeten Kohorte von 161 Kindern und Erwachsenen mit einer Sensibilisierung gegen Haselnussallergene überprüft.

Per ImmunoCAP ermittelte man Sensibilisierungen gegen verschiedene Haselnuss- und Erdnussallergene. Bei 14 Patienten mit einer starken Reaktion gegen Erdnuss- oder Haselnuss-2S-Albumine (Cor a14, Ara h 2) und/oder 11S-Globuline (nCor a 9, rAra h 3) wurden mögliche Kreuzreaktivitäten durch Inhibitionsversuche überprüft. Die klinische Diagnose erfolgte entweder per doppelblind und placebokontrolliert durchgeführter Provokation und/oder aufgrund von Symptomatik und Anamnese. Von den Haselnuss-sensibilisierten Patienten waren 68 Prozent zusätzlich gegen Erdnussallergene sensibilisiert, 43 Prozent zeigten klinische Symptome einer Nahrungsmittelallergie gegen Erdnüsse. Diese Erdnussallergien waren aber nicht assoziiert mit dem Vorliegen oder der Schwere einer klinisch manifesten Haselnussallergie, Assoziationen bestanden lediglich mit einer IgE-Reaktivität gegen Erdnuss-Speicherproteine, insbesondere Ara h 2. Ara h 2 zeigte keine Kreuzreaktivitäten mit Cor a 14. Bei zwei von 13 Patienten ließen sich allerdings deutliche Kreuzreaktivitäten zwischen den 11S-Globulinen nachweisen: Ara h 3 hemmte praktisch vollständig die IgE-Bindung von Cor a 9.

Fazit: Eine Erdnussallergie ist im Allgemeinen nicht auf Kreuzreaktionen gegen Haselnussallergene zurückzuführen. Eine Erdnussallergie bei Haselnuss-sensibilisierten Patienten scheint damit in der Regel zufällig zu sein. Sehr selten kann eine primäre Ara-h-3-Sensibilisierung mögliche Ursache einer Haselnussallergie sein. Eine IgE-Reaktivität gegen Cor a 14 oder Ara h 2 sind aussagekräftige IgE-Marker für eine primäre Sensibilisierung gegen Haselnuss respektive Erdnuss.

springermedizin.de, Ärzte Woche 18/2016

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