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© Herbert Neubauer/APA
Flüchtlingskinder und ein Helfer am Westbahnhof in Wien: Trotz der besonderen Arbeitsbedingungen müssen die helfenden Ärzte die geltenden Standards bei Aufklärung und Dokumentation beachten.
 
Praxis 19. Oktober 2015

Humanitärer Einsatz

Eigensicherung nicht vergessen, rät das Ärztecollegium.

Hunderte Ärzte sorgen gemeinsam mit Hilfsorganisationen für eine rasche und flexible medizinische Versorgung der Flüchtlinge in Österreich. Damit begeben sich die Mediziner, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren, in einen rechtlichen Graubereich.

Die Flüchtlingshilfe gilt nämlich nicht generell als Erste Hilfe, ausgenommen bei akuten medizinischen Notfällen, sondern unterliegt den gleichen rechtlichen Bestimmungen wie jede andere medizinische Behandlung von Patienten.

Das bedeutet, dass bei der humanitären Hilfe jeder Arzt wie in der täglichen Berufsausübung – zum Beispiel in einer Krankenanstalt oder als niedergelassener Arzt – nur im Rahmen des eigenen Fachgebietes tätig werden darf. Ebenso gilt auch für Ärzte in Ausbildung und für Studenten der Human- und Zahnmedizin, dass sie in der Flüchtlingshilfe nicht berechtigt sind, eigenständig zu agieren, sondern an die Weisungen von Vorgesetzten gebunden sind. Daher appelliert die Ärztekammer an alle freiwilligen Ärzte, Ärzte in Ausbildung und Studenten, nicht auf eigene Initiative zu handeln, sondern die humanitäre Hilfe in Zusammenarbeit mit den zahlreichen offiziellen Hilfsorganisationen zu leisten. Dazu zählen unter anderem das Rote Kreuz, die Caritas, Amber Med, die Volkshilfe, der Samariterbund, die Diakonie, die Johanniter sowie für Wien die von der Wiener Ärztekammer organisierte Ärztliche Hilfe in Wien.

Eine weiterer Umstand, der zu beachten ist, ist die Patientenaufklärung und die Dokumentation. Die Einwilligung der Patienten in die medizinische Behandlung ist in der Flüchtlingshilfe unbedingte Voraussetzung. Wenn die ausreichende Verständigung nicht gewährleistet ist, ist die Behandlung mit Ausnahme von medizinischen Notfällen abzulehnen bzw. zu verschieben. Die Behandlung darf erst durchgeführt werden, wenn das Einverständnis des Patienten, zum Beispiel unter Beiziehung eines geeigneten Dolmetschers, aus Sicht des behandelnden Arztes gewährleistet werden kann. Trotz der schwierigen Arbeitsbedingungen müssen die helfenden Ärzte die geltenden Standards bei Aufklärung und Dokumentation beachten. Um die aktuelle Situation zu verbessern, ist das Bundesministerium für Gesundheit gemeinsam mit der Ärztekammer bemüht, Mediziner unter den Flüchtlingen zu identifizieren und diese als Gastärzte den Medizinern zur Seite zu stellen, um die Kommunikation und Integration zu fördern.

Das Ärztekollegium rät allen Medizinern in der Flüchtlingshilfe folgende Punkte zu beachten:

• Leisten Sie humanitäre Hilfe nur im Rahmen der Hilfseinsätze von offiziellen Organisationen;

• Stellen Sie sicher, dass Ihre Patienten Sie verstehen und in die Behandlung einwilligen können. Lassen Sie sich bei Bedarf von qualifizierten Dolmetschern unterstützen. Bilder und Skizzen können die Kommunikation vereinfachen;

• Achten Sie auf eine ausreichende und nachvollziehbare Dokumentation ihrer Patientenaufklärung;

• Überprüfen Sie den Deckungsumfang Ihrer Ärzte - Haftpflichtversicherung und ob Ihre Polizze für die humanitäre Hilfe Versicherungsschutz bietet;

• Achten Sie auf Ihre Belastungsgrenzen. Ärzte, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren, sollten im Bedarfsfall professionelle psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen.

Mag. Alexandra Piller ist die Programmleiterin der Fortbildungsplattform Ärztecollegium ( www.aerztecollegium.at )

Alexandra Piller, Ärzte Woche 43/2015

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