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Praxis 22. Mai 2017

„Ein einfühlsames Gespräch mit dem Patienten ist bei unerwünschtem Behandlungsverlauf absolut ratsam“

3 Fragen, 3 Antworten

Der Umgang bei Eintreten von unerwünschten Ereignissen ist hierzulande suboptimal, sagt die Juristin Dr. Karin Prutsch; ein empathisches und offenes Gespräch würde oft Wunder wirken.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Offenlegungsgesprächen gemacht?

Prutsch: Meine Erfahrung hat gezeigt, dass ein einfühlsames Gespräch mit dem Patienten beim Eintreten von unerwünschten Ereignissen dazu führt, dass Patienten oftmals Ansprüche nicht gerichtlich geltend machen oder bestenfalls auch nicht außergerichtlich verfolgen. Vor diesem Hintergrund ist ein einfühlsames Gespräch mit dem Patienten bei unerwünschtem Behandlungsverlauf absolut ratsam, dies jedoch ohne Abgabe eines Anerkenntnisses für einen Behandlungsfehler.

Wie ist, ihrer Erfahrung nach, die Fehlerkultur hierzulande?

Prutsch: Die Fehlerkultur ist nach meinen Erfahrungswerten im Krankenhausbereich bei Eintreten von Behandlungsfehlern oder Komplikationen nicht optimal. Die eingetretenen gesundheitlichen Probleme werden oftmals ignoriert und nicht ernst genommen bzw. bekommen Patienten dieses Gefühl von den in die Behandlung involvierten Ärzten zu verspüren.

Diese mangelnde Fehlerkultur führt auch dazu, dass Patienten gerade bei nicht optimalem Behandlungsverlauf verbittert sind und einen juristischen Beistand nehmen, um eine Aufklärung über mögliche Ansprüche zu erhalten. Oftmals möchten Patienten nur wissen, was passiert ist und warum der Behandlungsverlauf nicht optimal verlaufen ist, wofür von Ärzteseite oftmals kein Verständnis aufkommt. Genau diese Situation führt dazu, dass Patienten in weiterer Folge klagen oder sogar eine Strafanzeige verfassen.

Im Vergleich zu Kliniken ist ein niedergelassener Allgemeinmediziner auf sich allein gestellt. Wenn er nun einen Fehler gemacht hat, zu welchem Vorgehen würden Sie ihm raten?

Prutsch: Ein niedergelassener Allgemeinmediziner hat im Gegensatz zu Kliniken den Vorteil, dass er ein persönlicheres Verhältnis zum Patienten hat. Zudem hat der Patient genau diesen niedergelassenen Allgemeinmediziner persönlich als Arzt seines Vertrauens ausgewählt, vor welchem Hintergrund ein Gespräch mit dem Patienten bei suboptimalem Behandlungsverlauf meiner Einschätzung nach von besonderer Wichtigkeit ist.

In diesem Gespräch sollte der Arzt auf die Beschwerden des Patienten eingehen und ihm zu verstehen geben, dass er mit diesen Beschwerden nicht alleine ist. Allenfalls sollte der Patient zu anderen Fachärzten zur Nachbehandlung überwiesen werden oder ihm eine weitere ärztliche Betreuung auf eigenen Wunsch von betroffenen Allgemeinmediziner auch in Zukunft in Aussicht gestellt werden.

Patienten zeigen bei einem empathischen Gespräch mit dem Arzt Ihres Vertrauens oftmals eine hohe Toleranzgrenze, was einen suboptimalen Behandlungsverlauf betrifft. Sofern der Patient jedoch das Gefühl hat, dass er abgeschoben wird und mit seinen Problemen nicht mehr erwünscht oder ernst genommen wird, entsteht auf Seite des Patienten verständlicherweise Frustration, welche meistens darin endet, dass der Patient den Arzt nicht mehr aufsucht.

In dieser Situation ist erfahrungsgemäß der Weg zur Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen gegenüber dem niedergelassenen Allgemeinmediziner nicht mehr weit. Eine gute Kommunikation – ohne die Abgabe eines Anerkenntnisses für einen Behandlungsfehler – bietet für Arzt und Patient die größte Chance, ein Gerichtsverfahren oder gar eine Strafanzeige hintanzuhalten.

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Dr. Karin Prutsch PRUTSCH & Partner

Rechtsanwälte

Joanneumring 6/III

8010 Graz

Tel.: 0316 82 87 75

Email:

www.prutsch-ra.at

Mit Karin Prutsch hat Philip Klepeisz gesprochen

, Ärzte Woche 21/2017

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