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Praxis 7. April 2017

Die Ethik der Daten

Datenschutz. Die MedUni Wien ist Teil eines großen EU-Projekts zur Etablierung von Big-Data-Richtlinien für die Forschung mit sensiblen Patientendaten. Dabei erarbeitet der UNESCO-Lehrstuhl für Bioethik den ethisch-rechtlichen Rahmen für das Blutkrebsprojekt.

Die MedUni Wien ist leitender Partner eines internationalen Big-Data-Projekts zur Förderung der klinischen Erforschung von Blutkrebserkrankungen. Das im Jänner gestartete und über fünf Jahre laufende Projekt „HARMONY“ hat zum Ziel, vorhandene große Datenmengen aus der klinischen Forschung zu Blutkrebserkrankungen aufzubereiten und zur Zweitverwertung im Bereich der Big-Data-Analyse zur Verfügung zu stellen. Dafür soll eine Plattform für den Datenaustausch aufgebaut werden, die Klinikern und nationalen und europäischen Institutionen die Zusammenarbeit erleichtert. So sollen neue Ansatzpunkte zur Behandlung von Blutkrebs gefunden werden. Die wichtigsten Punkte:

- Etablierung eines Netzwerkes, das die europäische Forschungslandschaft bei hämatologischen Neoplasien widerspiegelt

- Definieren klinischer Endpunkte und molekulare Risikofaktoren in ALL (Kinder & Erwachsene), NHL, MM, AML, CLL, MDS

- Ausrichtung der wichtigsten Stakeholder des Gesundheitssystems auf die Relevanz dieser Ergebnisse (Behörden, Versicherungsträger, Patienten)

- Analyse komplexer Datensätze, die unterschiedliche Informationsschichten umfassen

- Identifizierung spezifischer Marker für die frühzeitige Entwicklung von innovativen und wirksamen Therapien für HMs

Zu diesem Zweck werden anonymisiert Patientendaten von zahlreichen europäischen Studiengruppen gesammelt und integriert, analysiert, um wertvolle Erkenntnisse über die multiple Myeloische (MM), akute myeloische Leukämie (AML), akute lymphatische Leukämie (ALL), chronische lymphatische Leukämie (CLL), Non-Hodgkin-Lymphom (NHL), myelodysplastische Syndrome (MDS) und pädiatrischen hämatologischen Neoplasien (HM) zu entschlüsseln.

Das EU-Projekt umfasst 51 Partnerinstitutionen aus elf Nationen und wird von der „Innovative Medicines Initiative“ (IMI) mit 40 Millionen Euro finanziert. IMI ist Europas größte öffentlich-private Initiative mit dem Ziel, Patienten bessere und sichere Arzneimittel schneller zugänglich zu machen ( www.imi. europa.eu ).

Beispielsweise koordiniert das Klinikum der Universität München das Teilprojekt zum Lymphomschwerpunkt: Prof. Dr. Martin Dreyling von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III mit dem Schwerpunkt Onkologie: „Wir koordinieren den Schwerpunkt Lymphoma, um bei diesen häufigsten hämatologischen Malignomen molekular gezielte Therapien zu entwickeln.“

Datenschutz gewährleisten

Beim Umgang mit den von zahlreichen Forschungsinstitutionen zur Verfügung gestellten Patientendaten müssen Patientenrechte und Datenschutz gewährleistet bleiben. So dürfen die Daten zum Beispiel nur anonym oder mit dem Einverständnis der Betroffenen verwendet werden. Ziel von „HARMONY“ ist es, eine technische, ethische und legistische Infrastruktur zu erstellen, um diese Datenmengen in der Big-Data-Analyse korrekt einsetzen zu können.

Das Josephinum (Ethik, Sammlungen und Geschichte der Medizin), Sitz des UNESCO-Lehrstuhls für Bioethik, leitet dabei das Arbeitspaket „Legal, Ethics and Governance“. „Als Kompetenzzentrum für Ethik in der medizinischen Forschung haben wir die Aufgabe übernommen, diesen sensiblen Part zu entwickeln und zu gestalten“, erläutert Prof. Dr. Christiane Druml, Leiterin des UNESCO Lehrstuhls für Bioethik und Direktorin des Josephinums. Industriepartner der MedUni Wien im Rahmen von „HARMONY“ sind die Pharmaunternehmen Bayer und Amgen.

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