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© Peter Powell / picture alliance
 
Praxis 20. Jänner 2017

Der Manager der Zukunft

Arbeits- und Organisationsstrukturen verändern sich. Der scheinbar unfehlbare Vorgesetzte wird vom Gestalter und Impulsgeber abgelöst. Er kennt die individuellen Bedürfnisse seiner Mitarbeiter genauso gut, wie die eigenen Unternehmensziele.

Die Ergebnisse des Engagement Index 2015 von Gallup sind deutlich: Nur 16 Prozent der Arbeitnehmer sind mit Herz, Hand und Verstand bei der Arbeit. Die große Mehrheit, 68 Prozent der Beschäftigten, machen lediglich Dienst nach Vorschrift und 16 Prozent der Arbeitstätigen sind emotional ungebunden oder haben innerlich bereits gekündigt.

Gallup zufolge verliere beispielsweise die deutsche Wirtschaft durch mangelnde emotionale Bindung jährlich Milliardenbeträge. „Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Arbeitnehmer mit einer hohen Bindung weniger Fehlzeit aufweisen als Beschäftigte ohne emotionale Bindung. Außerdem bleiben sie Unternehmen länger treu und dienen als Markenbotschafter“, so Gallup-Consultant Marco Nink.

Wer Mitarbeiter kennt, kann Mitarbeiter motivieren

Um Mitarbeiter emotional zu binden, sollten Führungskräfte deren Motive und Werte kennenlernen. So können sie einen Rahmen schaffen, in dem Mitarbeiter bestmöglich angesprochen und aktiviert werden. Nur wenn sich Mitarbeiter mit dem Unternehmen identifizieren, übernehmen sie auch Verantwortung und tragen zum Geschäftserfolg bei. Doch wie sorgen Führungskräfte für die nötige Identifikation? Beispielsweise mithilfe motivorientierter Führung.

Diese basiert auf der Analyse individueller Antriebs- und Motivationsstrukturen. Durch gezielte Fragen kann man schlussfolgern, welche Werte und Motive Menschen antreiben und welche hemmend wirken. Wer also andere führen möchte, sollte sowohl die eigenen Antreiber, als auch die seiner Mitarbeiter kennen – und in der Lage sein, diese in Beziehung zu setzen. Durch motivorientiertes Führen stärken Manager die Mitarbeiterbindung, denn sie gehen auf jeden Mitarbeiter individuell ein und sind dadurch in der Lage, aus jedem das Maximale herauszuholen.

Jürgen Klopp – Meister der Motivation

Ein prominentes Beispiel motivorientierter Führung ist der Fußballtrainer Jürgen Klopp, zur Zeit beim FC Liverpool unter Vertrag. Der von Grund auf sehr emotionale Coach führt lange und intensive Gespräche mit seinen Spielern. So findet er heraus, was seine Schützlinge antreibt und justiert seine Ansprachen auf die individuellen Motive und Vorstellungen. Dadurch holt er die sogenannten „extra fünf Prozent“ aus seinen Spielern heraus – was spielentscheidend sein kann, wie man im Viertelfinale der Euro-League letzten Jahres sehen konnte: Liverpool drehte ein 0:3 in ein 4:3 gegen Klopps alten Verein Borussia Dortmund.

Best Practice: Hair Group GmbH

Ein erfolgreiches Beispiel in der Wirtschaft bietet die Hair Group GmbH – mit 670 Salon, rund 4.200 Mitarbeitern und einem Umsatz in Höhe von 159 Millionen Euro eines der größten Friseurunternehmen in Deutschland. Die 670 Salons werden von Salonmanagern geführt, die an rund 30 in Deutschland verteilte Vertriebsmanager berichten. Die Geschäftsführung wollte über ihre Manager die Mitarbeiter stärker an das Unternehmen binden und holte sich einen auf Motivationspotenziale spezialisierten Berater ins Haus.

Die Salon- und Vertriebsmanager wurden auf motivorientierte Führung geschult und sind nun in der Lage, ihre Mitarbeiter besser einzuschätzen und gezielter zu motivieren, das heißt, den passenden Rahmen für die Motive dieser Mitarbeiter zu schaffen. Reibungsverluste zwischen Angestellten konnten stark reduziert werden und die Produktivität ist seitdem gestiegen. „Erstaunlich, wie einfach manche Dinge werden, wenn man an sich selbst an ein paar Knöpfen dreht“, erläutert ein Salonmanager – und eine Vertriebsmanagerin fügt hinzu: „Die Mitarbeiterführung ist deutlich leichter und zielgerichteter geworden, seit ich weiß, was Kollegen motiviert und wo sie Unterstützung benötigen. Und sie selbst das auch wissen.“

Fazit für die Praxis

Mithilfe motivorientierter Führung verstärken Vorgesetzte die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter und können so die Arbeitsleistung nachhaltig verbessern. Der Manager der Zukunft ist in der Lage, die Motive seiner Mitarbeiter situativ sowie individualisiert zu gestalten und sie so emotional an das Unternehmen binden.

Nele Kreyßig und Stefan Lapenat

, Ärzte Woche 4/2017

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