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Praxis 8. November 2016

Alles wird digital

Auch in der Medizin hält die Digitalisierung zunehmend Einzug. Die digitalen Technologien treiben Innovationen voran und ermöglichen ein Entwicklungspotenzial für heimische Unternehmen.

Den aktuellen Daten des „Life Science Report 2015“ der Life Science Austria ( bit.ly/2fiw8Mu ) zufolge ist die digitale Medizintechnik deutlich im Vormarsch. Beinahe ein Drittel der insgesamt 124 österreichischen Medizintechnik-Hersteller gaben an, Kompetenzen und Produkte im Bereich der medizinischen Software, Telemedizin und e-Health zu besitzen. Erstmals verdrängten die digitalen Medizinprodukte die elektromechanischen Medizinprodukte, indem sie als Kernkompetenz heimischer Medizintechnik-Hersteller gelten. „Die digitale Vernetzung ist ein Komplex, der sich durch sämtliche medizinische Bereiche zieht“, sagt Horst Giesen auf der weltgrößten Medizinmesse „Medica“ (14. bis 17. November 2016, Düsseldorf). Präsentiert werden neue mobile Mini-Messgeräte, Fitnessarmbänder und Medizin-Apps.

Verantwortlich für die Digitalisierung in der Medizintechnik sind: - die Steigerung der Lebenserwartung und die alternde Gesellschaft;

- hohe Qualitätsstandards in der gesundheitlichen Versorgung;

- der steigende Kostendruck.

Die heimischen Gesundheitseinrichtungen stehen durch einen hohen Verwaltungsaufwand, komplexe Anforderungen im medizinischen Bereich und bei der Pflege sowie durch steigendem Kostendruck vor großen Problemen.

Die Digitalisierung in der Medizintechnik bringt neue Entwicklungen in Prävention, Diagnostik und Therapie, z. B. mit einer App zur Stress-Prävention oder einer Suchmaschine für Ärzte. Generative Fertigungsverfahren wie 3 D-Druck, Stereolithografie oder selektives Laserschmelzen ermöglichen eine individualisierte Medizin, zu denken ist etwa an 3 D-Druck von individuell angepassten Implantaten.

Andere Beispiele für die digitale Revolution der Medizinwelt sind:

- Diary App – eine App zur Stressprävention: Als Kooperation mit dem Medizintechnik-Cluster entwickelten die Unternehmen Autonom Talent® und Netural Group gemeinsam mit dem Caritas-Seniorenwohnhaus Schloss Hall und der „forte“ – FortBildungszentrum der Elisabethinen Linz – einen Prototyp der sogenannten „Diary App“. Diese App verbessert die physische und psychische Leistungsfähigkeit sowie die Zufriedenheit von Mitarbeitern in Beruf und Alltag und dient somit zur nachhaltigen Gesundheitsförderung in Unternehmen.

Mithilfe der Autonom Talent®-3-Schritt-Methode werden mittels 24 h-Herzratenvariabilitäts-Messung die Potenziale der Mitarbeiter gesichert, Talente gemessen und Leistungen in einem Gespräch mit Psychologen gesichert. Auf Basis dieser Daten wird ein individuelles Talentprofil erarbeitet sowie ein Maßnahmenplan zur Optimierung der Potenziale erstellt. Die App unterstützt im Anschluss an die Autonom Talent®-3-Schritt-Methode bei der Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen mit konkreten Anleitungen, Tipps und Übungen in den Bereichen: Entspannung, Bewegung und Sport, Selbstmanagement, Schlaf und Erholung, Pausenmanagement, Energie und Ernährung, Stressmanagement und Potenzialentfaltung.

- www.symptoma.com – Suchmaschine der Ärzte: Der Mediziner Dr. Jama Nateqi hat seine Idee umgesetzt und die Firma Symptoma mit der gleichnamigen ärztlichen Suchmaschine für Krankheiten auf den Markt gebracht. Mithilfe der Suchmaschine können Ärzte ausgehend von Krankheitsanzeichen die passenden Differentialdiagnosen finden und den Patienten mit der richtigen Beurteilung helfen. Auch seltene Krankheiten können diagnostiziert werden. Mithilfe des Netzwerks des Medizintechnik-Clusters wird die Website von der Sohmen Fernost Stiftung unter der Leitung des Multi-Milliardärs Dr. Helmut Sohmen ideell und finanziell unterstützt.

- Medizinische Werkstoffe aus dem 3 D-Drucker: Der Einsatz von Generativen Fertigungsverfahren wie z. B. 3 D-Druck ermöglicht eine kostengünstige und schnelle Herstellung von ökonomisch einsetzbaren Werkstoffen. Die Idee der Firma Lithoz GmbH gemeinsam mit dem Kepler Universitätsklinikum für die laufende Forschungskooperation, bei der 3 D-Druck für die Herstellung von personalisierten keramischen Fixierungselementen für die Kieferchirurgie hergestellt werden sollen, ist aus einer Workshop-Reihe des Medizintechnik-Custers entstanden. In vielen Bereichen nicht mehr wegzudenken, handelt es sich beim Einsatz von Generativer Fertigung in der Medizintechnik jedoch noch um einen Nischenmarkt.

Jede Branche für sich – sei es MedTech, IT, Kunststoff, Mechatronik etc. – verfügt über umfassendes Spezialwissen. Der Zukunftsmarkt der Medizintechnik verlangt jedoch nach einem Zusammenführen der Einzelwissen und der unterschiedlichen Technologiefelder. Durch die Kooperation von innovativen IT- und Medizintechnik-Unternehmen entstehen völlig neue Produkte, Projekte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle.

Medizintechnik- und IT-Unternehmen haben die Chance, durch Bündelung von Kompetenzen, neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle zu entwickeln und auch Gesundheitseinrichtungen Unterstützung anzubieten. Den Grundstein dafür legt der Medizintechnik-Cluster (MTC) gemeinsam mit dem IT-Cluster (ITC) mit der Gründung der Initiative Digital MedTech (IDM).

Bestehende Unternehmen in der Medizintechnik wie z. B. Zulieferer für Medizintechnik-Unternehmen haben durch die Unterstützung eines IT-Unternehmens die Chance, ein eigenes Medizinprodukt auf den Markt zu bringen und einen Schwerpunkt auszubauen. Andere Unternehmen machen sich im Rahmen ihrer Digitalisierungsstrategie auf die Suche nach neuen Geschäftsfeldern oder bauen mit dem Einstieg in die Medizintechnik ein neues Standbein auf.

Den Grundstein einer erfolgreichen zukunftsträchtigen Vernetzung legt der Medizintechnik-Cluster gemeinsam mit dem IT-Cluster mit der Initiative Digital MedTech (IDM). Die Partnerunternehmen werden auf ihrem Weg zum digitalen Medizinprodukt begleitet. Die Maßnahmen erstrecken sich von der Unterstützung bei der Ideenfindung und gemeinsamen Projektentwicklung über internationale Vernetzungsaktivitäten bis hin zur Planung und Umsetzung von Marketing- und Vertriebsmaßnahmen.

Melanie Sipos ist am Medizintechnik Cluster Linz in der Abteilung Kommunikation tätig.

Melanie Sipos

, Ärzte Woche 45/2016

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