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Praxis 24. Mai 2016

Unternehmensgeld wird zum Familiengeld

Für Mitarbeiter der Arztpraxis ist eine Vorsorgekasse Pflicht. Aber auch für die freiberuflichen Ärzte selbst kann es sinnvoll sein, sich für eine freiwillige Abfertigung Neu zu entscheiden.

Bei der Wahl der geeigneten betrieblichen Vorsorgekasse lässt der Gesetzgeber den Ärzten als Unternehmer und Dienstgeber großen Spielraum. Umso wichtiger ist es vor allem bei Praxisneugründungen, sich mit möglichen Optionen rechtzeitig auseinanderzusetzen. Denn wer nicht selbst wählt, für den bestimmen andere. Die finanziellen Auswirkungen der Entscheidungen werden oft erst viel später spürbar, dann aber nachhaltig.

Wenn ein Arzt in seiner Ordination Mitarbeiter beschäftigt, so ist unter anderem die Wahl einer Betrieblichen Vorsorgekasse (BVK) für die Abfertigung Neu Pflicht. Versäumt es der Arzt, innerhalb der ersten sechs Monate aus dem breiten Angebot der neun heimischen Vorsorgekassen einen Partner seiner Wahl zu bestimmen, wird ihm vom Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger eine Kasse zugewiesen.

Für langjährig beschäftigte Ordinationsmitarbeiter, die sich noch in der Abfertigung Alt befinden, bietet der Gesetzgeber die Option eines Vollübertritts in die Abfertigung Neu an. Dabei wird das fiktive Guthaben der Abfertigung Alt aus dem Unternehmen steuerbegünstigt in eine BVK übertragen. Die Abfertigung wird in diesem Fall also nicht mehr aus den Rücklagen des Arbeitgebers direkt an den Arbeitnehmer ausbezahlt, sondern von der Vorsorgekasse übernommen, an die der Arbeitgeber 1,53 Prozent-Anteile des Brutto-Einkommens zu überweisen hat. Das erhöht zum einen die finanzielle Planbarkeit für den Arzt als Arbeitgeber, eröffnet gleichzeitig aber auch den Mitarbeitern zusätzliche, steuerbegünstigte Möglichkeiten. Sie können sich etwa die Abfertigung auf Wunsch in Form einer lebenslangen steuerfreien Rente auszahlen lassen.

Besonders empfehlenswert ist ein Vollübertritt von der Abfertigung Alt in die Abfertigung Neu laut Ansicht von betrieblichen Vorsorgeexperten aber vor allem für angestellte Familienmitglieder, die in einer Ordination mitarbeiten. Beim Übertritt wird das entsprechende Unternehmensvermögen an die BVK überwiesen – und wird damit zum Vermögen des Arbeitnehmers. Firmenvermögen wird so elegant und steuerlich begünstigt zu Privatvermögen.

Ähnliches gilt auch für die Option freiberuflicher Ärzte, eine Zusatzpensionskasse für ihre Mitarbeiter abzuschließen, wenn diese Mitarbeiter Familienmitglieder sind. In dem Fall stellt die Pensionskasse eine interessante betriebliche Alternative zur privaten Lebensversicherung dar, bei durchaus vergleichbarem Leistungsangebot. Die monatliche Einzahlung erfolgt dabei aber nicht vom versteuerten Nettoeinkommen, sondern über einen Arbeitgeberbeitrag vor Steuer.

Freiwillige Selbstständigenvorsorge

Für freiberufliche Ärzte selbst ist eine Selbstständigenvorsorge nicht verpflichtend, sie können sich allerdings freiwillig für die Abfertigung Neu entscheiden. Dabei ist aber zu beachten, dass diese Möglichkeit definitiv nur während der ersten zwölf Monate ihrer freiberuflichen Tätigkeit gegeben ist. Trifft der Arzt in dem genannten Zeitraum keine diesbezügliche Entscheidung, besteht später keine Chance mehr, von dieser Vorsorgeform zu profitieren.

Dabei ist auch sie steuertechnisch durchaus interessant; zum einen, weil die laufenden Beiträge als Betriebsausgabe steuerlich absetzbar sind, zum anderen, weil das Kapital von der BVK steuerfrei veranlagt wird, bei einer allfälligen Auszahlung also keine Kapitalertragssteuer (KeSt) anfällt. Zudem bietet die BVK eine hundertprozentige Kapitalgarantie an. Ein weiterer Vorteil, der bereits im Zusammenhang mit der Abfertigung Neu für Mitarbeiter dargestellt wurde, ist auch hier die Option, das Guthaben in eine lebenslange steuerfreie Zusatzpension umzuwandeln.

Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 21/2016

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