zur Navigation zum Inhalt
© etfoto / fotolia.com
 
Praxis 13. Jänner 2016

Blondes Gift aus dem Aquarium

Mit der bloßen Hand den Behälter zu säubern, kann gefährlich sein.

Ungewöhnlicher Fall in Deutschland: Das Gift der schillernden Krustenanemone, Palytoxin, wurde einem Fischfreund fast zum Verhängnis.

Über eine Attacke von Krustenanemonen berichtet das Fachjournal MMW – Fortschritte der Medizin (2015/21–22). Betroffen war ein junger Mann, der auch in der Gerichtsmedizin hätte enden können. In der Nacht hatte er sich nicht wohl gefühlt und unter heftigem Schüttelfrost gelitten. Nach einiger Zeit ließen die Beschwerden nach, inzwischen hatte er nur noch Kopfweh. Ob das mit seinen Krustenanemone zu tun haben könnte? Der behandelnde Arzt wollte schon den Kopf schütteln, als der von einem Bekannten berichtete, dem Ähnliches widerfahren war. Krustenanemonen seien wohl sehr giftig.

Sein Arzt beschloss zu recherchieren: schnell gegoogelt, Wikipedia und ein paar weitere Seiten angesehen. Und ja, Krustenanemonen verteidigen sich mit einem Gift, das über die Haut aufgenommen wird – und tödlich sein kann! Der Patient erzählte detailliert, wie er abends ein Meerwasseraquarium gesäubert hatte und dabei versehentlich mit der bloßen Hand an eine Krustenanemone gekommen war. Er hatte Schleim gespürt. Nach sechs Stunden kamen die Beschwerden.

Sicherheitshalber rief der Mediziner den Giftnotruf an. Und erfuhr, dass man Patienten ohne Bradykardie 150 mg Prednisolonäquivalent gibt. Für den Patienten war es allerdings dafür zu spät, er war ja auf dem Weg der Besserung, auch wenn die Kopfschmerzen noch länger bestehen bleiben könnten. Offenbar kann sich das Gift, Palytoxin, auch als Aerosol verteilen! Beim Reinigen des Aquariums ist also eine Atemschutzmaske angezeigt. Der Patient hatte übrigens auch recherchiert und eine Schneckenart bestellt, deren Leibspeise Krustenanemonen sind.

springermedizin.de, Ärzte Woche 1/2/2016

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben