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Sie stehen für 70 Prozent des Umsatzes: Ralf Reiners in Deutschland, Stefan Ehrlich-Adám in Wien und Urban Stenz (Schweiz)
 
Praxis 6. November 2015

VIDEO: Sperrstunde in der Ordination

Absperren mittels Smartphone sichert Hausapotheken.

Die Arztpraxis zum Hochsicherheitstrakt umbauen? Sicher nicht. Doch sensible Räume wie die Medikamentenaufbewahrung könnten künftig elektronisch gesichert werden.

30 Sekunden, das ist ungefähr so lang wie man fürs Händewaschen braucht. So lange dauert es bis das sicherste Türschloss der Welt geknackt ist. Das vermeldete die Fachzeitschrift Chip anno 2008. Man kann sich ausrechnen, wie schnell die Galerie der Hacker heute ist. Mittlerweile übernehmen digitale Einbrecher ganze Unternehmens-Netzwerke. „Das ist wie, wenn man die Schlüssel für alle Häuser Wiens hat“, zitiert Der Standard einen IT-Security-Experten.
Doch auch die Guten haben aufgerüstet. EVVA, laut eigener Darstellung „vermutlich Marktführer in Österreich“, hat bereits 2014 zwei neue elektronische Schließsysteme vorgelegt: Xesar und AirKey.

Vor allem auf AirKey, das mit dem Smart Phone gesteuert wird, ruhen die Hoffnungen des 1919 gegründeten Familien-Unternehmens – das Akronym steht für „Erfindungs-Versuchs-Verwertungs-Anstalt“. Europaweit wurden seit der Markteinführung 3000 Zylinder verkauft. Zu wenig für die hohen Ansprüche. Daher soll nun der „gar nicht so kleine“ Markt der iPhone-User gründlich beackert werden, erläutert der technische Produktmanager, Johannes Ullmann. Binnen Jahresfrist sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, derzeit funktioniert der elektronische Zugangsberechtigung nur mit dem Handy-Betriebssystem Android. Ullmann: „Wer 1000 Euro für ein Handy zahlt, dem sind 500 Euro für einen hochwertigen Zylinder auch egal.“

Niedergelassene Ärzte sind für die Schlossindustrie eine interessante Klientel. In den Arztpraxen herrscht ein Kommen und Gehen von Patienten und Medikamentenzustellern. EVVA-Geschäftsführer Mag. Stefan Ehrlich-Adám: „Gerade in einer Arztpraxis wird man den Haupteingang offen halten müssen. Der AirKey hat eine sogenannte Office-Funktion bei der man dezidiert einem bestimmten Zeitraum festlegen kann, in dem die Türe als unverriegelt definiert wird. Und ab einem Zeitpunkt x wird sie halt verriegelt. Das ist sicher das sinnvollste.“
Die„Elektronikwelt“ sei ein neues Territorium, sagt Ehrlich-Adám, der Kampf gegen die Hacker ein „Rennen gegen die Zeit“, und weiter: „Bei der Kryptologie spielen wir ganz vorne mit“. Ein hochwertiges Schließsystem zu knacken, dauere zwischen einer halben und einer ganzen Stunde, meint der Manager, räumt aber ein: „Die Angriffsmethoden werden immer ausgeklügelter.“ Die Datenspeicherung bei sensiblen Räumen könne zeitlich begrenzt gewählt werden. Die Tür zum WC darf von der Datenprotokollierung ganz ausgenommen sein.  

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