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© ELGA GmbH
Mit den e-Befunden können ELGA-Gesundheitsdaten nahtlos in das eigene Dokumentationssystem eingebunden werden.
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Mit den e-Befunden können ELGA-Gesundheitsdaten nahtlos in das eigene Dokumentationssystem eingebunden werden.

 
Praxis 12. Oktober 2015

Mit ELGA in ein neues Gesundheitszeitalter

Expertenbericht: Alle notwendigen Informationen für die Patientenbehandlung sollen schnell und gezielt fließen und nicht mehr verloren gehen.

Künftig soll es mit ELGA möglich sein, Gesundheitsinformationen schneller und einfacher zwischen den verschiedenen Gesundheitsdiensteanbietern auszutauschen. Das soll die Arbeitsprozesse erleichtern und mehr Zeit schaffen, die den Patienten zu Gute kommen kann.

ELGA wird zukünftig die übergreifende Datendrehscheibe im österreichischen Gesundheitssystem darstellen und die Kommunikation der zunehmend vernetzten Gesundheitsversorgung technisch und prozessual effektiv unterstützen.

Ärzte und andere Gesundheitsdiensteanbieter wie Spitäler bzw. Pflegeeinrichtungen werden so einen rascheren und umfassenderen Überblick über bisher erfolgte Behandlungen und Medikationen ihrer Patienten erhalten.

Schnelle Informationen

Vor allem im Rahmen der Primärversorgung – wie sie die aktuelle Gesundheitsreform in Österreich vorsieht, – wird ELGA zukünftig eine wichtige Rolle spielen, da die Patienten noch stärker als bisher durch verschiedene Bereiche im Gesundheitssystem geleitet werden. Arbeiten also mehrere Gesundheitseinrichtungen oder Berufsgruppen entlang einer Behandlungskette zusammen, sollen die für die Patientenbehandlung notwendigen und relevanten Informationen schnell und gezielt fließen, um die bestmögliche Behandlungskontinuität zu wahren.

Die zwar vielfach vorhandenen Computersysteme im Gesundheitswesen – vor allem zwischen niedergelassenen Ärzten und Spitalsbereich – kommunizieren aber unterschiedlich. So erfolgt die Übermittlung von Befunden oft noch auf dem Postweg oder via Fax. Diese Formen der gerichteten Kommunikation erschweren einen einheitlichen und durchgängigen Informationsfluss. Groß ist dabei auch die Möglichkeit, dass Informationen verloren gehen und nicht – oder zu spät – bei ihrem Empfänger ankommen. Mit ELGA wird es möglich sein, Gesundheitsinformationen schneller und einfacher zwischen den verschiedenen Gesundheitsdiensteanbietern auszutauschen. Das erleichtert die Arbeitsprozesse und bringt mehr Zeit, die dann den Patienten gewidmet werden kann.

Im Wege von ELGA erhalten die behandelnden oder betreuenden Gesundheitsdiensteanbieter relevante Informationen ihrer Patienten als unterstützende Entscheidungsgrundlage für Diagnostik und Therapie – rasch, unbürokratisch, österreichweit, 365 Tage, 24 Stunden pro Tag. So können sie mithilfe von wichtigen medizinischen Vorinformationen rascher reagieren. Die ersten über ELGA verfügbar gemachten Gesundheitsdaten sind ärztliche und pflegerische Entlassungsbriefe aus den Krankenhäusern, Labor- und Radiologiebefunde sowie Medikationsdaten. Diese beinhalten sowohl verschreibungspflichtige als auch wechselwirkungsrelevante, nicht rezeptpflichtige Medikamente, die in der Apotheke abgegeben werden. Sollen auch diese sogenannten OTC-Medikamente („Over The Counter“-Medikamente) in die persönliche ELGA aufgenommen werden, muss in der Apotheke zusätzlich die E-Card gesteckt werden. Den Patienten können so unnötige Doppeluntersuchungen oder Mehrfachverschreibungen von Medikamenten erspart und Wege sowie Wartezeiten verringert werden.

Einheitliche Struktur

Entlassungsbriefe, Labor- und Röntgenbefunde werden mit ELGA so gestaltet sein, dass sie einfach weiterverarbeitet und ausgewertet werden können. Die mit dem ELGA-Stylesheet empfohlene Optik und die einheitliche Struktur aller ELGA-Befunde wird für Ärzte eine wesentliche Erleichterung bringen.

Die Inhalte und die Gliederung der ELGA-Befunde wurden gemeinsam mit zahlreichen Experten aus der Ärzteschaft, Vertretern der Österreichischen Ärztekammer, Standardisierungsorganisationen sowie Softwareherstellern entwickelt. Die dabei entstandenen Vorgaben für ELGA-Befunde sind auch auf Anwenderfreundlichkeit überprüft. Möglich macht das ein neues, interaktives Format für medizinische Befunde, nämlich der Dokumentenstandard HL7 CDA (Clinical Document Architecture). Der Arzt kann also wie gewohnt für seine Recherche sein eigenes, bereits bestehendes EDV-System verwenden, in das die ELGA-Daten importiert wurden. CDA-Befunde können komfortabel am Bildschirm oder Drucker ausgegeben werden. Zudem ist es möglich, Einzelwerte aus dem Dokument in das IT-System des Empfängers zu importieren wie die Blutwerte eines Patienten, um diese über einen längeren Zeitraum zu überprüfen. Dazu werden die Codes der Laborparameter vereinheitlicht. Medikation, Diagnosen, Therapien und Behandlungsverläufe werden transparenter und nachvollziehbarer.

Diese nahtlose Integration verschiedener Datenquellen in die eigene medizinische Dokumentation eröffnet Ärzten zukünftig neue Möglichkeiten in der klinischen Entscheidungsunterstützung. Damit kann ELGA zu einem nutzerfreundlichen Werkzeug für Ärzte werden.

Der ELGA-Fahrplan

Mit Ende 2015 werden in öffentlichen Spitälern in Wien und der Steiermark zunächst Befunde via ELGA verfügbar gemacht. Danach gehen im ersten Halbjahr 2016 die Spitäler in Niederösterreich mit ELGA in Betrieb: So entsteht eine ELGA-Region Wien-Niederösterreich-Steiermark. Parallel dazu wird der ELGA-Bereich der Sozialversicherung mit den sieben Unfallkrankenhäusern der AUVA als österreichweiter Krankenhausträger und dem Wiener Hanusch-Krankenhaus mit ELGA zu arbeiten beginnen. Zug um Zug nehmen danach die öffentlichen Spitäler in den anderen Bundesländern an ELGA teil. Im ersten Halbjahr 2016 startet zudem der Probebetrieb der ELGA-Anwendung „e-Medikation“ in der Region Deutschlandsberg der Steiermark. ELGA sowie e-Medikation werden in der Folge schrittweise auch im niedergelassenen Bereich bei Kassenärzten und in den Apotheken ausgerollt. Es folgen Kassenambulatorien, private Krankenanstalten, später Zahnärzte mit Kassenvertrag.

Dr. Susanne Herbek ist Geschäftsführerin der ELGA GmbH.

Susanne Herbek, Ärzte Woche 42/2015

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