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Kamper leitet Gruppen mit fünf bis zehn Leuten. „Von mir ist noch keiner weggegangen und hat gesagt, dass es ihm schlechter geht.“
 
Praxis 25. August 2015

„Du darfst weinen, du darfst lachen, du darfst so sein wie du bist. Unser Ziel ist, dass es den Menschen besser geht“

3 Fragen, 3 Antworten

Eigentlich wollte Susanne Kamper erst in der Pension mit dem ehrenamtlichen Beistehen anfangen. Diesen Gedanken hat sie, nach etlichen Schicksalsschlägen in der Familie, wieder verworfen. Sie wurde Burnout-Prophylaxe-Trainerin. Kampers Selbsteinschätzung: „Habe kein Helfersyndrom, dafür aber extrem viel Kraft“.

Wann brauchen Menschen Ihre Hilfe?

Kamper: Meist ist ein Todesfall der Auslöser, manche rennen danach noch weiter, aber so läuft das nicht.

Sondern wie?

Kamper:Ich kann nicht sagen, dass ich immer eine starke Persönlichkeit war. Ich versuche immer, positive Lehren aus jeder Situation zu ziehen. Natürlich sehe ich nichts Positives, wenn ein naher Mensch stirbt, natürlich bist du traurig, aber du musst dich wieder herausziehen. Und du brauchst manchmal Hilfe. Ich habe in fünf Jahren viele Menschen verloren, unter ihnen waren mein Mann, meine Mutter, meine Mutter. Meine Rettung war mein Sohn, und dass ich langjährige ehrliche wirklich gute Freunde habe. Das haben aber die meisten meiner Klienten nicht mehr. Weil diese Freunde oder Partner von meinen Klienten enttäuscht worden sind. Ich kenne das nicht. Jeder Klient, mit dem ich spreche sagt, die Zeit wird schneller. Das hat unter anderem mit der Elektronik zu tun, und dass wir uns vom Kaufzwang mitreißen lassen. Wenn du einen nahen Verwandten sterben siehst, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Du gehst daran zugrunde oder du sagst dir, ich lebe noch. Das klingt hart, aber ich möchte leben, glücklich und zufrieden sein, ich kann es ja noch. Die Menschen verlieren mit der Zeit ihre Träume, die man nie verwirklicht hat, man musste die Familie ernähren, ein Haus bauen, man musste das haben und das machen ... Ich habe Nein gesagt, ich habe mein Zuhause, es geht locker, ich mag gar nicht so viel arbeiten – obwohl ich jetzt mehr arbeite als früher (lacht).

Was ist Ihr Ziel?

Kamper:Ich bereite mich genau auf die Termine der Selbsthilfegruppen vor. Manchmal machen wir ein lustiges Spiel. Wir haben einmal Schwarzer Peter gespielt und viel gelacht dabei. Oder wir gehen Eis essen. Wir machen Ausflüge, nach Laxenburg zum Beispiel, und gehen Boot fahren. Das letzte Mal habe ich eine Geschichte vorgelesen: „Das bunte Tüchlein“. Und jeder hat bunte Taschentücher von mir bekommen. Damit hat er einen Anker bei sich und erinnert sich an die Gruppe. Und so geht man nach Hause. Ich frage jeden, ob es ihm gut geht oder ob er noch über etwas sprechen möchte. Es geht nach zwei Stunden keiner nach Hause und sagt, er sei so belastet. Wir wachsen zusammen wie eine Familie. Jeder ist interessiert wie es dem anderen geht und fühlt sich aufgehoben, verstanden, geschützt. Es dringt nichts nach außen. Du darfst weinen, du darfst lachen, du darfst so sein wie du bist. Unser Ziel ist, dass es den Menschen besser geht. Du bist nicht allein. Das ist ein Teil der Heilung.

Susanne Kampers Burnout-Selbsthilfegruppe trifft sich am jeweils letzten Samstag des Monats beim Österreichischen Roten Kreuz in Wiener Neustadt, Grazer Straße 41 (zwei Gehminuten vom Landesklinikum entfernt). Infos auch unter www.susannekamper.at.

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