zur Navigation zum Inhalt
Ein Blick ins Straßenbild macht deutlich, dass immer mehr Ärzte auf exponierte Lage setzen. Vorteile bringen die Straßen-Ordis vor allem Ärzten mit kleinem Patientenstock.
 
Praxis 17. Februar 2015

Arzt im Schaufenster

Eine exponierte Praxis, die im öffentlichen Straßenbild sofort auffällt, ist ein wesentlicher strategischer Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg.

Vorteile bringen solche Straßen-Ordis vor allem dann, wenn Ärzte mit einem kleinen Patientenstock beginnen und noch keine Verträge mit größeren Kassen haben. Größe und Kosten entscheiden über Einzel- oder Gemeinschaftspraxis.

Eine Ordination zu übernehmen, ist die eine Sache. Eine zu gründen, die andere. Ein Blick ins Straßenbild macht deutlich, dass immer mehr Ärzte auf exponierte Lagen setzen. Neue Trends stehen der althergebrachten Treppen-Ordi im Gemeindebau zur Seite. Die Vorteile exponierter Ordinationen liegen auf der Hand: Erkennbarkeit, oft leichtere Zugangsmöglichkeiten im Sinne von Barrierefreiheit, Größe – ideal für Gemeinschaftspraxen von Wahlärzten ohne (große) Kassen.

Der Zahnmediziner Dr. Zsolt Fischer betreibt eine solche Ordination in der Wiener Innenstadt gegenüber dem „Café Museum“. Die ebenerdige Ordination wird direkt von der Straße betreten und verfügt über Schaufenster zur Operngasse und in die Nibelungengasse. Die Wahlarzt-Praxis besteht seit 2001, davor hatte Dr. Fischer eine Niederlassung in Köln in einer Ärztegemeinschaft.

Ausschlaggebend bei der Standortsuche in Wien waren die Erfahrungen aus Köln: Lage der dortigen Ordination in einem zentralen Geschäftshaus, verbunden mit hoher Patientenfrequenz. Ebenfalls wichtiger Teil des Praxis-Konzeptes: Bewusst an einem zentralen Knotenpunkt, mit bester verkehrstechnischer Lage für Arbeitnehmer, zahnärztliche Leistungen anzubieten. 2002 folgten Verträge mit KFA und SVA. Diese „kleinen“ Kassen bringen ca. fünf Prozent der Umsätze.

Durch die zentrale Lage verändert sich die Stammkundenklientel ständig. Dazu trägt bei, dass der erste und umliegende Bezirke teilweise durch nicht dauerhafte Arbeitsplätze – wie z. B. die Atomenergie-Behörde, Botschaften etc. – gekennzeichnet sei, so Fischer. Die zentrale Lage führe hin und wieder auch Touristen (Ordi-Visitenkarten sind an den Hotelrezeptionen hinterlegt) in die Ordination, aber laut Fischer nur „wirklich wenige“. Die meisten Patienten kämen über Empfehlung zufriedener Patienten, tägliches Vorbeigehen oder Vorbeifahren und den Internetauftritt mittels suchmaschinenoptimierter Website.

Bringt die zentrale Lage eine verstärkte Nachfrage nach qualitativ hochwertigen, kostenintensiven Behandlungen? Fischer: „Ja absolut! Das sichert die Win-Win-Situation der Praxis, dass die Patienten sehr gerne Geld ausgeben, wenn sie das Gefühl haben, dass es gut angelegt ist.“

Lange Suche nach idealer Lage

„Es war bewusst eine Lage-Suche. Ich war überzeugt, dass Lage, Erreichbarkeit und Exponiertheit maßgebend für den Erfolg sind“, sagt Fischer. „Besonders dann, wenn man mit null Patienten beginnt, muss man Ordinationen anbieten, die verkehrstechnisch gut erschlossen sind und den einfachsten Zugang bieten.“

Vergleiche mit alten Kassenarzt-Ordis würden nicht viel bringen, da man „als Wahlarzt praktisch auf die Straße gehen und leicht erreichbar sein muss, um aufzufallen.“ Die Lage beim Wiener Karlsplatz sei somit ideal und genau das gewesen, worauf die Suche ausgerichtet gewesen war. Diese nahm bei solch präzisen Vorstellungen eine gehörige Zeit in Anspruch: Rund eineinhalb Jahre dauerte es, bis die richtige Lage gefunden wurde.

Kosten legen Ärztegemeinschaft nahe

Die Gesamtfläche der Ordination liegt bei rund 250 m2. Mit Ausnahme der neu adaptierten Lager- und Nebenräume beträgt die Raumhöhe rund 5,60 m. Dementsprechend fallen jährliche Betriebskosten von maximal 300.000 € an. Eingerechnet sind dabei bereits alle Betriebskosten, Energie-, Material-, Leasing- und Rücklagekosten sowie die Lohnkosten für die sechs angestellten MitarbeiterInnen. Für das ebenerdige Geschäftslokal werden keine Liftkosten bezahlt, darüber wurde eine einvernehmliche Lösung mit der Immobilien-Verwaltung erzielt.

Bei Belegung der Praxis ab zwei bis drei Ärzten liegt sie im klaren wirtschaftlichen Vorteil gegenüber einer durchschnittlichen Einzelpraxis, die gravierenden Systemvorteile und Synergieeffekte nicht zu vergessen. Die Praxis weist derzeit fünf Behandlungsplätze auf, nach einem Umbau soll ein weiterer dazukommen. Aktuell arbeitet Fischer als Ordinationsinhaber mit vier Kollegen (Konsiliarärzten) zusammen.

Konzept Spezialistenpraxis

Im Laufe der Jahre hat sich die Spezialisten-Praxis als bestes Konzept herauskristallisiert: Jeder der tätigen Ärzte ist in einer zahnmedizinischen Disziplin spezialisiert: Kieferchirurgie, Prothetik, Wurzelbehandlung mit Mikroskop, Kieferorthopädie. Fischer: „Das ist das Konzept, das gut ankommt und das sich – zusätzlich zum Standort – abhebt. Es ist uns wichtig, dass wir Patienten nicht außer Haus schicken müssen, was Behandlungen vielfach verzögert oder erschwert. Es ist im Interesse der Patienten, alle spezifischen Behandlungen an einem Ort zu bekommen.“

Kurzfristig geplant ist neben einem Dienst an den Wochenenden auch eine Bereitschaft von 18 bis 24 Uhr unter der Woche. Weitere Ergänzung findet das Konzept durch die möglichst alsbaldige Einbindung eines Kinder-Zahnarztes.

Der Weg zum Aufschwung

Ideale Lage und ausgefeiltes Praxis-Konzept nebst betriebswirtschaftlichem Controlling sind Voraussetzung, aber noch kein Garant für frühen wirtschaftlichen Erfolg. Die Geschichte der Praxis an der Operngasse teilt Fischer in drei Phasen: „Von 2001 bis 2003 war es ein hartes Brot: 2002 Flutkatastrophe im August, mit vielleicht zehn Patienten im September.“ Damals gab es noch nicht das derzeitige Spezialisten-Angebot: Mit Fischer teilten sich zwei Kollegen das gleiche Leistungsspektrum. „Dann rasanter Anstieg in der zweiten Phase bis 2008, wo sich Ende 2008 die Wirtschaftskrise bemerkbar gemacht hat. Und seit 2009 haben wir ein jährliches Wachstum von zirka zehn Prozent.“

Negative Erfahrungen wie Randale, Beschmierungen etc. habe es aufgrund der exponierten Lage kaum gegeben. Hin und wieder Skateboarder auf den Fensterbrettern oder ein Betrunkener, der Mitarbeiterinnen belästigt habe. Insgesamt sei die Situation nach der Neugestaltung des Karlsplatzes ziemlich problemlos, resümiert Fischer: „Jedes Monat kommt jemand rein, der suspekt ist. Deswegen wurde eine Überwachungskamera installiert, um für Störenfriede die Hemmschwelle zu heben. Aber seit der U-Bahn-Bereich modernisiert ist, hat es sich generell beruhigt.“ So stand es noch nie zur Diskussion, von diesem durch Hotels, Museumsquartier etc. belebten Bereich wegzugehen.

Peter Bernthaler, Ärzte Woche 8/2015

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben