zur Navigation zum Inhalt
© bannosuke / fotolia.com
Patientenakten in die Wolke? Darum geht es beim Cloud Computing gar nicht unbedingt, Praxen stehen viele Einzellösungen offen.
 
Praxis 3. November 2014

Keine Angst vor der Wolke

Mit diesen Cloud-Lösungen wollen Anbieter punkten.

Die Anzahl der Cloud-Angebote speziell für Arztpraxen ist noch sehr überschaubar. Aber nicht nur die großen Marktplayer bei den Praxisverwaltungssystemen haben hier aufgerüstet. Es lohnt auch der Blick auf andere Anbieter.

Cloud Computing muss nicht bedeuten, dass die Praxis mit all ihren Daten in die Wolke geht. Das haben vor allem die Arztsoftware-Anbieter für sich erkannt. Sie haben Lösungen entwickelt, die es den Praxen ermöglichen, da, wo es für sie sinnvoll ist, Daten über eine externe Cloud abzurufen, vorzuhalten oder mit Fachkollegen und Patienten auszutauschen.

Sensible Daten bleiben auf dem Praxisrechner

Ein Beispiel, das überhaupt nicht an sensible Praxisdaten herangeht, ist die Hybrid-Software von medatixx. Bei der Lösung des Eltviller Softwarehauses liegen die medizinischen und persönlichen Daten der Praxis weiterhin lokal auf dem Rechner innerhalb der Praxis. Alle öffentlichen, nicht personenbezogenen Listen und Kataloge werden hingegen über die Cloud bereitgestellt.

Ein automatischer Update-Mechanismus sorgt dafür, dass die Software immer aktuell ist. Programm- bzw. Funktionsupdates werden laut medatixx nämlich direkt nach Fertigstellung in der Cloud abgelegt, sodass sich die Praxissoftware automatisch die neueste Programmversion herunterladen kann. Die Anwender könnten dabei allerdings selbst festlegen, ob das Update automatisch oder erst nach Rückfrage durchgeführt werden soll.

Auch die Aktualisierung der Blankoformularvorlagen wird direkt über die Cloud gesteuert. Die Praxissoftware selbst läuft weiterhin über den Praxisrechner vor Ort.

Sichere Verbindung

Etwas anders sieht das Konzept der Medical Cloud der CompuGroup Medical (CGM) aus. Hier können Praxen durchaus auch sensible Daten auf den Servern der CGM ablegen. Die Daten werden dazu, wie bereits der Prototyp, der schon auf der Medica 2012 vorgestellte wurde, zeigte, in der Praxis vom Arzt verschlüsselt und über eine sichere Verbindung in der Cloud abgelegt. Die CompuGroup Medical versichert dabei, dass die Verschlüsselung alle Anforderungen des Beschlagnahmeschutzes erfüllt – will heißen, sich die Daten nur mit dem Schlüssel des Arztes wieder in lesbare Form umwandeln lassen.

Obwohl die Daten nicht in Klartext vorliegen, werden sie dennoch mit einem verschlüsselten Index versehen, damit Ärzte unkompliziert in der Cloud nach Patientendaten suchen können. Und eben nicht vor dem Problem stehen, dass – wenn sie etwa herausfinden wollen, welche Patienten wieder für einen Check-up angesprochen werden müssen – alle verschlüsselten Datensätze zunächst auf ihren Praxisrechner herunterladen müssen.

Außerdem können Praxen bereits die E-Services von CGM nutzen. Also Patienten Online-Terminsysteme, ein Online-Rezeptbestellsystem oder die Online-Befundübermittlung anbieten. Die Services werden im Rechenzentrum der CGM in Koblenz bereitgestellt – also auch eine Form der Auslagerung von Hard- und Softwarekapazitäten. Die Ver- bzw. Entschlüsselung findet wiederum direkt auf dem Praxisrechner statt, sodass keine ungesicherten Daten das Praxisnetz verlassen.

Casemanagement via Cloud

Aber auch Fallkonferenzen oder die Fernbetreuung von Patienten können über die Cloud laufen. Die Deutsche Telekom hat mit ihrer Konferenzlösung hier bereits einige Erfahrungen im Gesundheitswesen gesammelt. Timo Baumann, der bei der Telekom Healthcare Solutions das Klinik-Portfolio verantwortet, nennt etwa die Uniklinik Dresden als Beispiel, die die Technologie via Cloud gleich in drei Anwendungsbereichen nutzt. Via Telecoaching übernehmen bei Patienten mit Herzinsuffizienz speziell geschulte Schwestern die Nachsorge. Beim Telestroke werden Casemanagern für die Nachsorge Behandlungspfade und Dokumentationshilfen via Cloud-Applikation zur Verfügung gestellt. Und bei der Telepathologie werden Gewebeschnitte elektronisch an die Uniklinik zur Befundung übermittelt. „Die Cloud ist für Ärzte längst greifbar“, sagt Baumann.

Gerade wenn es um den Bereich Telemedizin geht, ist aber für Ärzte oft die Finanzierung der Cloud-Lösungen ein Problem. Meist würden die Projekte durch die Kliniken finanziert. „Es ist eine reine Effizienz-Finanzierung“, so Baumann, denn wenn ein Experte fünf Stunden Fahrt auf sich nehmen muss, um an einer Fallkonferenz teilzunehmen, fehlt er eben auch während dieser Zeit für andere wichtige Aufgaben.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben