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Von Mag. Susanne Glawatsch, MEDplan
 
Praxis 13. Oktober 2014

Wer shoppt, arbeitet nicht

Steuern in der Praxis

Vorsicht bei Umwegen: Es gibt keinen Unfallversicherungsschutz beim Einkaufen am Heimweg.

Unfälle sind eine leidige Angelegenheit. Sie verursachen Schmerzen und Kosten und können den Betroffenen oft für eine lange Zeit lahmlegen. Besonders fatal ist dies, wenn auch noch der Versicherungsschutz ausbleibt bzw. unzureichend ist. So geschehen in einem Fall, der unlängst vom Obersten Gerichtshof behandelt wurde und aufzeigt, dass bei einem Unfall am Arbeitsweg die gesetzliche Unfallversicherung grundsätzlich die Folgekosten wie eine Unfallrente übernimmt. Wer aber am Heimweg noch einkaufen geht, ist auf diesem Umweg nicht versichert.

Vor einiger Zeit wollte ein Arbeiternehmer auf seinem Heimweg noch eine Besorgung vornehmen. Dazu bog er in einen Schrägparklatz ein und verließ das Fahrzeug, um eine – wenn auch kurze – Strecke zu Fuß zu gehen, um in das Lebensmittelgeschäft zu gelangen. Der Unfall ereignete sich erst auf dem Rückweg, als der Kläger nach etwa fünf Minuten aus dem Geschäft kam, über den Parkplatz ging und unmittelbar vor dem Pkw auf einer Eisplatte ausrutschte. Der fünf Minuten dauernde, ausschließlich im persönlichen Interesse des Klägers gelegene Einkauf von Lebensmitteln unterbrach die Heimfahrt.

Allein der direkte Weg nach Hause ist versichert

Nach der Rechtsprechung ist nur der mit der Beschäftigung zusammenhängende direkte Weg (also zur oder von der Arbeits- oder Ausbildungsstätte) versichert, der in der Absicht zurückgelegt wird, die versicherte Tätigkeit aufzunehmen bzw. nach ihrer Beendigung wieder in den privaten Wohnbereich zurückzukehren. Ausgangs- und Endpunkt des Wegs ist somit der ständige Aufenthaltsort. Ein hier stattfindender „Wegunfall“ kann sowohl ein Verkehrsunfall, etwa ein Autounfall mit Verletzungsfolge, als auch ein Nicht-Verkehrsunfall sein, z. B. ein Sturz mit Verletzungsfolge auf dem Weg zur Arbeit. Allein oder überwiegend im privatwirtschaftlichen Interesse gewählte Abweichungen vom kürzesten Weg (Umwege, Abwege) sind in der Regel nicht versichert.

Im vorliegenden Urteil des Obersten Gerichtshofs (OGH) wurde nun nochmals klargestellt, dass ein Unfall auf dem Heimweg nicht als Arbeitsunfall gilt, wenn er beim Einkaufen passiert. Der Unfall stand nicht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung, da der Umweg größer als eine „unerhebliche Erledigung im Vorbeigehen“ war.

Fazit

Der Oberste Gerichtshof wies die außerordentliche Revision des klagenden Arbeitnehmers gegen die Verneinung des Versicherungsschutzes mangels erheblicher Rechtsfrage zurück.

Allgemein gilt: Wer am Heimweg eine persönliche Erledigung tätigt, solle sich bewusst sein, dass dies Privatsache ist. Ein Unfall im Geschäft oder am zusätzlichen Weg ist daher kein Arbeitsunfall. Die gesetzliche Unfallversicherung übernimmt hier nicht die Unfallkosten, sehr wohl aber eine privat abgeschlossene Unfallversicherung für Freizeitunfälle. Unabhängig von der Unfallart hat man freilich Anspruch auf Krankenstand, Spital und ärztliche Behandlung.

Mag. Susanne Glawatsch ist geschäftsführende Gesellschafterin der Steuer- und Unternehmens- beratungskanzlei MEDplan.

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