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Von Mag. Susanne Glawatsch, MEDplan
 
Praxis 22. August 2014

Verschenkte Musik stieß auf taube Ohren

Steuern in der Praxis

Arzt wollte 1.100 Klassik-CDs von der Steuer abschreiben, doch der Fiskus wollte davon nichts hören.

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft und möglicherweise auch die Patientenbindung. Das dachte sich auch ein Arzt in Salzburg, der seine Patienten mit 1.100 Klassik-CDs beschenkte. Inwieweit diese Maßnahme seinen Umsatz erhöht hat, ist zwar nicht bekannt – fest steht aber, dass die Finanzverwaltung und das Finanzgericht die Produktionskosten der CDs nicht zum Steuerabzug zuließen.

Ein selbstständiger Arzt verschenkte 1.100 CDs mit klassischer Musik an seine Patienten. Der ihm entstehende Aufwand lässt sich mit 6.000.- Euro beziffern. Als Betriebsausgabe wurde dieser Betrag allerdings nicht zugelassen.

Heiß umkämpfter Markt

Der Arzt konterte gegen die Festsetzung des Finanzamtes mit folgender Erläuterung: Er betreibe eine Privatpraxis (habe also keinen Kassenvertrag), wobei ein wesentlicher Schwerpunkt seiner medizinischen Tätigkeit in der Behandlung von Venenerkrankungen bestehe, die neben der medizinischen Indikation auch eine erhebliche kosmetische Komponente beinhalte. Während zu Beginn seiner Tätigkeit auf diesem Gebiet noch kaum Konkurrenz vorhanden gewesen sei, habe sich dieser Bereich zwischenzeitlich zu einem heiß umkämpften Markt entwickelt, der zudem durch intensives, zum Teil sehr aggressives Marketing der Mitbewerber gekennzeichnet sei.

Werbemaßnahme

Als Reaktion auf die neue Konkurrenzsituation habe er in den letzten Jahren selbst Werbemaßnahmen gesetzt. Eine dieser Maßnahmen habe darin bestanden, die 1.100 CDs mit seinem Praxislogo anzuschaffen und an seine Patienten zu versenden. Dass an der CD sein Sohn C. neben drei anderen Musikern mitgewirkt habe, ändere nichts an der Tatsache, dass die Werbemaßnahme ausschließlich das Ziel hatte, die Dankbarkeit des Arztes an seinen Patienten auszudrücken. Darüber hinaus wollte der unternehmerisch denkende Arzt sich in Erinnerung rufen, und im Gespräch bzw. für zukünftige medizinische Leistungen präsent zu bleiben.

Es wurde laut Aussage sehr kostenbewusst vorgegangen, die Kosten der CD deckten exakt die Produktionskosten. Ein indirekter Honoraranteil aus der Musikproduktion sei seinem Sohn nicht zugeflossen, sodass eine private Veranlassung der CD-Produktion ausgeschlossen werden könne. Die ärztlichen Werberichtlinien seien über die Jahre stark gelockert worden, die gegenständliche Werbemaßnahme stelle im Wirtschaftsleben eine durchaus übliche Methode dar, marketingmäßig Umsätze zu sichern bzw. neue Umsätze zu erzielen.

Nein vom Finanzgericht

Die vom Arzt vorgebrachten Argumente stießen beim Finanzgericht auf taube Ohren. Bei den geltend gemachten Kosten für den Kauf der CDs in Höhe von 6.600.- Euro handelt es sich laut Bundesgerichtshof um typische Aufwendungen der Lebensführung, welche die wirtschaftliche oder gesellschaftliche Stellung des Steuerpflichtigen mit sich bringt bzw. welche zur Förderung des Berufes oder der Tätigkeit erfolgen und die zu den nichtabzugsfähigen Ausgaben gehören.

Bei dem Kauf der CDs ist kein Zusammenhang mit den konkreten Leistungen eines Arztes in der Praxis gegeben. Bei der betreffenden CD wirkt der Sohn künstlerisch mit, daher liegt allenfalls Werbung für den Sohn vor. Aufgrund des Naheverhältnisses ist ein solcher Vorgang (Kaufen und Verschenken der CDs) überdies nicht fremdüblich.

Ferner sind die Klassik-CDs nicht mit abzugsfähigen Kalendern und Kugelschreibern mit Firmenaufschrift vergleichbar, da sie nicht allgemein verwendbar sind. Generell steht bei Freiberuflern aufgrund ihrer besonderen beruflichen Seriosität der Werbeeffekt von Sachgeschenken gegenüber dem Repräsentationszweck deutlich im Hintergrund.

Mag. Susanne Glawatsch ist geschäftsführende Gesellschafterin der Steuer- und Unternehmens- beratungskanzlei MEDplan.

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