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Wolfgang Traindl, Leiter des Private Banking der Erste Group Erste Bank

 

 
Praxis 17. April 2014

Reiche Österreicher werden immer reicher

Corporate Bonds, Aktien aus entwickelten Ländern und Immobilien als Objekte der Begierde.

Nach Schätzungen der Erste Bank wird das Vermögen der 75.000 Superreichen (Vermögen von mehr als einer Million Euro) allein in diesem Jahr um sechs Prozent auf 138 Milliarden Euro zunehmen. Damit liegt Österreich bei den Superreichen mit einem privaten Finanzvermögen von mehr als 100 Millionen US-Dollar weltweit an zwölfter Stelle.

Rund 30 Österreicher sind Milliardäre. „Das Finanzvermögen der Wohlhabenden ist mit 130 Milliarden Euro wieder auf dem Stand vor der Krise, im Jahr 2007, und es wird definitiv zulegen“, sagte Wolfgang Traindl, Leiter des Private Banking der Erste Group vor Medienvertretern.

Superreiche haben Finanzkrise gut überstanden

Die Finanzkrise 2008 ließ die Vermögen der Reichen auf 119 Milliarden Euro schrumpfen. Aufgrund der wirtschaftlichen Erholung und der Stabilisierung der Finanzmärkte war in den letzten Jahren eine kontinuierliche Kurve nach oben feststellbar – insgesamt legte das Volumen innerhalb von fünf Jahren um elf Milliarden zu. 2014 dürfte der Höchststand aus dem Jahr 2007 wieder überschritten werden.

Laut Erste Bank-Schätzungen wird das Vermögen von Österreichs Wohlhabenden in den nächsten zwei Jahren um jährlich sechs bis sieben Prozent wachsen. Dieser erwartete Anstieg setze sich einerseits aus der Wertentwicklung (3–4%) und andererseits aus gespartem Einkommen und Dividenden (2–3%) zusammen.

Verantwortlich für die jährlichen Steigerungen seien vor allem Unternehmens-Anleihen in Euro mit sehr guter bis guter Bonität, Aktien aus entwickelten Volkswirtschaften aber auch Immobilien. Ausgehend von der wirtschaftlichen Erholung, dem zunehmenden Vertrauen in die Wirtschaft, geringer Inflationsraten und dem niedrigen Leitzinsniveau in den USA und der Euro-Zone sieht die Erste Bank folgende fünf Investment-Trends:

Social Responsable Investing

Ein aufkeimender Trend bei den Wohlhabenden sei bei sozialen, ökologischen und ökonomisch nachhaltigen Investments, dem so genannten Impact Investing zu beobachten. „Die Kunden wollen ihr Geld gesellschaftlich verantwortungsvoll anlegen“, berichtet Traindl. Neben einer finanziellen Rendite spiele verstärkt der Einfluss auf soziale und ökologische Belange eine entscheidende Rolle in der Anlagestrategie. In Zukunft werde sich der Markt viel breiter aufstellen. Denn auch Philanthropie – ein allgemein menschenfreundliches Denken und Handeln ohne Erwartungen wie beispielsweise Spenden – schwappt als Trend aus den USA nach Europa über und rückt verstärkt in den Anlage-Fokus der Wohlhabenden.

Gute Bonität bei Aktien und Anleihen im Mittelpunkt

Euro-Staatsanleihen mit guter Bonität, aber vor allem Euro-Corporate Bonds sind die Gewinner. Investment-Grade Anleihen profitieren von der Flucht in die sicheren Anlageklassen. Seit Jahresbeginn konnten diese, High-Yield (Hochrisiko-) und Hybrid-Anleihen mit einem Gesamtertrag (Zinsen und Kursgewinn) von 2,3 Prozent überholen. Die Renditen von zehnjährigen Staatsanleihen mit sehr guter Bonität (Österreich-Rendite bei 2%, Deutschland: 1,5–1,6%) sollen im Jahresverlauf nur moderat ansteigen.

„Trotz der gestiegenen Volatilität seit Jahresbeginn und der politischen Spannungen sehen wir die wichtigsten Risikomärkte wie Unternehmens- und High-Yield Anleihen in den entwickelten Ländern auf Jahresfrist weiter optimistisch“, so Traindl. Dies gelte auch für die globalen Aktienmärkte, die zwar nicht mehr ganz billig sind (KGV USA:16; Europa: 18–19), aber positiv eingeschätzt werden. „Wir erwarten dass Aktien aus den entwickelten Ländern wie USA und Europa besser abschneiden werden als jene aus den Schwellenländern.“

Immobilien liegen weiterhin im Trend

Die Immobilienmärkte in Deutschland und Österreich sollten sich weiterhin positiv entwickeln. Seit der Finanzkrise gab es einen starken Investment-Trend zu den Immobilien, weil sie als sichere Anlagemöglichkeit gelten. Nach der Stabilisierung der Aktienmärkte investierten die Wohlhabenden vor allem in direkte Immobilienanlagen (Zinshäuser, Vorsorgewohnungen) sowie in Immobilien- und Aktienfonds.

„Wien hat im Gegensatz zu anderen Städten durch die Finanzkrise nie unter einem Einbruch der Immobilienpreise gelitten – ganz im Gegenteil. Wie kaum ein anderer Standort weltweit hat Wien bei den hochwertigen Wohnimmobilien sogar profitiert“, berichtet Eugen Otto, geschäftsführender Gesellschafter und Eigentümer der Otto Immobilien-Gruppe.

Denn Wien erhält nicht nur steigende internationale Anerkennung als lebenswerteste Stadt der Welt (laut Mercer-Studie zum fünften Mal die Nummer 1) sondern auch für höchste Lebensqualität, reichhaltiges kulturelles Angebot, gute internationale Schulen, eine anerkannte medizinische Versorgung sowie politische und rechtlicher Stabilität. Investoren schätzen Wien vor allem als „sicheren Hafen“, wodurch die Nachfrage von ausländischen Käufern nach Luxusimmobilien im ersten Bezirk weiterhin sehr hoch ist.

„Wer Wien einmal kennen und lieben gelernt hat, kauft auch in Wien“, betont Otto. Für eine vollständig sanierte oder neu errichtete Top-Immobilie in der Innenstadt müsse man derzeit zwischen 10.000 und 30.000 Euro/m² veranschlagen. Auf diesem Niveau dürften sich die Preise auch einpendeln.

Kunstobjekte haben Wertsteigerungspotenzial

Unter den reichen Österreichern wird Kunst immer gefragter. Einerseits um selbst der Kunstliebe zu frönen, andererseits um auf Wertsteigerungen der Objekte zu spekulieren. Beispielsweise wurden Andy Warhols Bild „Silver Car Crash“ Ende 2013 in New York um knapp 79 Millionen Euro versteigert.

„Man sollte dennoch nicht blind in Kunst investieren. Aufgrund der Vielzahl von Künstlern ist eine sorgfältige Selektion wichtig“, warnt Traindl. Die Frage nach dem Preis, der Auswahl und wie viel man wo investieren will, sollte vorab sorgfältig geprüft werden. Den Private Banking Kunden mit einer Veranlagungssumme ab 300.000 Euro bietet die Erste Bank deshalb eine Beratung mit Kuratoren der Erste Stiftung an.

Die Asset Allocation der Superreichen

Nach wie vor sei eine möglichst breite Streuung des Portfolios das berühmte „Tüpfelchen auf dem i“. Vom Risikoappetit der Kunden hänge auch der Wertpapier-Anteil ab. „Bei mittlerem Risiko sollte der Aktienanteil rund 30 Prozent betragen, Investmentgrade-Anleihen nehmen ebenfalls rund 30 Prozent der veranlagten Summe in Anspruch. Fünf bis zehn Prozent des Investments sollten in Gold als Stabilisierungsfaktor veranlagt werden. Risiko-Anleihen sowie alternative Investments wie Rohstoffe und Zertifikate sowie geldmarktnahe Veranlagungsinstrumente können je nach Markteinschätzung beigemischt werden. Der Investmenthorizont sollte fünf Jahre nicht unterschreiten.

Wo leben die Superreichen?

Laut „The New Wealth Report 2014“ von Knight Frank, der zum achten Mal die weltweiten Reichtums-Ströme und Immobilieninvestments analysiert hat, wird New York bis 2024 als Hochburg für Ultrareiche der aktuellen Nummer 1, London, den Rang abgelaufen haben. Der Bericht zeigt auch, dass innerhalb von zehn Jahren drei der fünf wichtigsten Immobilienstandorte in Asien (Hongkong, Singapur und Shanghai) liegen werden, aber London und New York diese Liste weiterhin anführen werden.

Weiters analysierte der Report die Schaffung von Reichtum. Dabei wurde weltweit bei der Anzahl der Ultrareichen eine Zunahme um drei Prozent festgestellt und dies trotz anhaltender wirtschaftlicher Turbulenzen. Demnach wird die Anzahl der Ultrareichen, deren Nettovermögen 30 Millionen US-Dollar übersteigt, in den nächsten zehn Jahren um fast 30 Prozent ansteigen. Die meisten Ultrareichen werden weiterhin in Europa leben, das stärkste Wachstum findet aber in Afrika und Asien statt. In Afrika wird bis 2023 die Anzahl der Ultrareichen um 53 Prozent zunehmen, wobei Nigeria (+92%) und Kenia (+74%) an der Spitze liegen.

„Die Zunahme der Ultrareichen in China und Indien gepaart mit einem Anstieg von 144 Prozent in Indonesien und einem kometenhaften Anstieg in Vietnam (+43%) wird die Gesamtzahl der Ultrareichen um 43 Prozent ansteigen lassen“, prognostiziert Liam Bailey, Head of Global Research für Wohnimmobilien. Derzeit leben weltweit 167.669 Ultrareiche. Bis 2023 wird ihre Anzahl auf 215.113 klettern.

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