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Von Mag. Susanne Glawatsch, MEDplan
 
Praxis 11. April 2014

Alleinerzieher trotz gemeinsamer Wohnung

Steuern in der Praxis

Kann man in einer gemeinsamen Wohnung leben und dennoch getrennt sein?

Alleinerzieher haben es in der Regel nicht leicht. Neben finanziellen Belastungen sind Alleinerzieher mitunter auch zeitlich sehr beansprucht, weil sie bei der Kinderbetreuung nicht bzw. nur eingeschränkt auf ihren Partner zurückgreifen können. Daher ist es nur recht und billig, Alleinerzieher steuerlich zu entlasten und ihnen den sogenannten Alleinerzieherabsetzbetrag zu gewähren. Vor Kurzem gab es hierzu eine interessante Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs.

Alleinerzieherin oder Alleinerzieher ist:

• wer mehr als sechs Monate im Kalenderjahr nicht in einer Ehe oder eheähnlichen Gemeinschaft lebt und

• Familienbeihilfe für mindestens sieben Monate für mindestens ein Kind erhält.

Erfüllt man diese Voraussetzungen, dann steht einem ein jährlicher steuerlicher Absetzbetrag zu. Dieser beläuft sich bei:

• einem Kind auf 494 €

• bei zwei Kindern auf 669 € und

• erhöht sich für jedes weitere Kind um jeweils 220 € pro Jahr.

Getrennt lebend

Was bedeutet es nun, nicht in einer Gemeinschaft zu leben? Als Beispiele hierfür werden „ledig, verwitwet, geschieden oder von seinem Ehegatten dauernd getrennt lebend“ genannt.

Kann man in einer gemeinsamen Wohnung leben und dennoch getrennt sein? Mit dieser Fragestellung hat sich unlängst der Verwaltungsgerichtshof befasst.

Im Anlassfall beantragte eine Ärztin in ihrer Einkommensteuererklärung für 2007 die Berücksichtigung des Alleinerzieherabsetzbetrages für ihren Sohn, für den sie im Streitjahr Familienbeihilfe bezog, und brachte dazu vor, ihre Ehe sei mit Gerichtsbeschluss vom 29. August 2007 einvernehmlich geschieden worden. Die eheliche Lebensgemeinschaft habe schon mindestens sechs Monate davor nicht mehr bestanden, sie und ihr früherer Ehemann hätten bis zur Scheidung und danach – wenngleich in derselben Wohnung – getrennt gelebt. Im Mai 2007 habe die Mitbeteiligte den ersten Teil des Finanzierungsbeitrages für eine Genossenschaftswohnung geleistet, in die sie nach deren Fertigstellung im Sommer 2008 zusammen mit ihrem Sohn einziehen werde.

An den VwGH wurde daher die Frage herangetragen, ob die Steuerpflichtige in den Monaten vor der Scheidung in einer Gemeinschaft gelebt hat und somit keinen Anspruch auf den Alleinerzieherabsetzbetrag hatte oder ob sie trotz Benützung derselben Wohnung bereits dauernd vom Ehepartner getrennt lebte. Interessant für die Beurteilung ist dabei, dass der Gerichtshof in einem früheren Erkenntnis bereits feststellte, dass ein dauerndes Getrenntleben jedenfalls dann anzunehmen ist, wenn einer der Partner aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen ist.

Der VwGH gab der Ärztin recht. Eine eheliche Lebensgemeinschaft hat ihm zufolge schon vor der Scheidung nicht mehr bestanden, zumal die ehemaligen Ehepartner in verschiedenen Zimmern gelebt haben und es keine gemeinsame Wirtschaftsführung und Lebensgestaltung mehr gab. In Folge kann aus Sicht des VwGHs nicht von einem Leben in Gemeinschaft ausgegangen werden.

Der Grund für die gemeinsame Nutzung der Wohnung lag lediglich darin, dass die neue Wohnung noch nicht bezogen werden konnte. Die Steuerpflichtige lebte somit nicht mehr in einer Gemeinschaft mit dem ehemaligen Ehepartner. Fazit: Der Alleinerzieherabsetzbetrag steht ihr zu.

Mag. Susanne Glawatsch ist geschäftsführende Gesellschafterin der Steuer- und Unternehmensberatungskanzlei MEDplan.

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